
Ein Umbruch ohnegleichen für die Autoindustrie: Das Elektroauto und das autonome Fahren kommen, und alles ist vernetzt. Der Pariser Autosalon gibt Einblicke in die Fahrzeugwelt von morgen.
Das erste Informationsblatt, den man uns in Paris in die Hand gedrückt hat, war Werbung fürs Oktoberfest. Für das in Paris! Die Sause ums Bier und den Tanz auf den Tischen (Cancan Bavarois) ist längst ein so guter Exportschlager wie das deutsche Auto. Und die deutschen Hersteller lassen sich in Paris nicht lumpen. Vor allem Mercedes-Benz und Volkswagen treten selbstbewusst auf, scheinen die Zukunft gepachtet zu haben, die wie selbstverständlich elektrisch und vernetzt ist.
Doch bevor die Messe mit den Pressetagen am Donnerstag offiziell begann, nahm man bei Daimler am Vorabend noch einen kräftigen Schluck aus dem Benzinkanister. Etliche neue AMG-Modelle wurden angekündigt. Der GT wird zum GTR und hat 585 PS sowie 700 Newtonmeter Drehmoment. Dazu kommt unter anderem ein GTC Roadster- 48 Modelle habe AMG dann, und das neunundvierzigste werde ein „Performance Hybrid“ mit Formel-1-Technik. Ein bisschen Öko muss wohl auch bei AMG sein. Auf der Messe selbst gab sich Daimler-Chef Dieter Zetsche gewohnt lässig und sprach fast eine halbe Stunde lang in Jeans und Turnschuhen von der Zukunft, ohne Worte wie Zylinder oder Hubraum zu erwähnen. Künftig gehe alles um C, A, S und E. C wie Connectivity, A wie Autonomous, S wie Share und E wie – natürlich – E-Mobility.
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500 Kilometer Normreichweite hat dagegen die Daimler-Studie EQ, die mit 4,70 Meter Länge offenbar auf dem SUV Mercedes-Benz GLC basiert. EQ wird eine eigene Submarke, so wie i bei BMW. Vor Ende 2018 ist wohl nicht mit einem elektrischen Daimler dieses Zuschnitts zu rechnen. Zetsche kündigte aber an, Tesla bis zum Jahr 2025 als führenden Anbieter von Premium-Elektroautos überholen zu wollen. Außerdem werde man in eine zweite, eigene Batteriefabrik investieren. Die Akkus für den Smart werden im sächsischen Kamenz gefertigt, es gibt acht Jahre Garantie darauf.
Zulassungszahlen in Deutschland rückläufig
Auch Volkswagen sprach in Paris von einer neuen Marke, der dreizehnten im Portfolio. Es gehe um das neue Geschäftsfeld der Mobilitätsdienste, etwa um Taxiflotten. Der Name soll noch im November verkündet werden. Handfester ist die Präsenz des VW ID auf der Messe, einer Elektroautostudie, die wesentlich futuristischer wirkt als der EQ. Sogar 600 Kilometer Reichweite werden versprochen. Mit einer Länge von 4,10 Meter ist der ID kompakt, angetrieben werden die Hinterräder vom Motor, der in der Achse sitzt. Also per definitionem ein Auto mit Heckantrieb. Auch VW hat sich viel vorgenommen: Bis zum Jahr 2025 sollen 30 neue Elektromodelle den Markt beglücken. Es fragt sich nur, wann der Endverbraucher beginnt, elektrisch angetriebene Autos tatsächlich anzunehmen. Die winzigen Zulassungszahlen in Deutschland sind trotz der staatlichen Prämie von 4000 Euro derzeit sogar rückläufig.
