
Die Infrastruktur amerikanischer Städte ist nicht für die Zukunft gerüstet. Deshalb hat die Regierung einen Wettbewerb ausgerufen, in dem Städte mit Transportkonzepten gegeneinander antreten. Auch Technologiegiganten machen mit.
Die Vereinigten Staaten sind eine industrielle Großmacht. Aber ihre marode Infrastruktur ist beruchtigt. Viele Straßen, Brucken und Stromnetze sind in einem beklagenswerten Zustand. Noch in guter Erinnerung ist der Stromausfall, der im Jahr 2003 in New York die Lichter ausgehen ließ. Das World Economic Forum sieht in der jungsten Version seines jährlichen Wettbewerbsreports die Vereinigten Staaten im Gegensatz zu Deutschland nicht unter den zehn Ländern mit der besten Infrastruktur.
Die amerikanische Regierung ist sich dieser Schwäche bewusst. Und sie weiß, dass die Anforderungen an die Infrastruktur in Zukunft noch steigen. Sie rechnet damit, dass die Bevolkerung des Landes in den nächsten 30 Jahren um 70 Millionen Menschen und damit um mehr als ein Funftel wachsen wird. Die ohnehin schon alternde Infrastruktur der Städte sei dafur nicht gerustet, gibt die Regierung zu.
Aus diesem Grund hat das Verkehrsministerium Ende vergangenen Jahres einen Wettbewerb gestartet, in dem amerikanische Städte gegeneinander antreten. Die Aufgabe der Bewerber ist es, Konzepte vorzulegen, wie sie sich in Smart Cities verwandeln konnen, also intelligente Städte. Der Schwerpunkt soll auf dem Transportwesen liegen. Die Städte sollen sich uberlegen, wie sie Technologien in ihr Verkehrsnetz integrieren konnen, um die Verkehrsbelastung zu reduzieren, die Umwelt zu schonen und Sicherheit der Menschen zu gewährleisten. Der Wettbewerb richtet sich an mittelgroße Städte mit bis zu 850 000 Einwohnern.
Dabei sind technikaffine Städte und traditionelle Industrieregionen
Der Siegerstadt verspricht das Ministerium 40 Millionen Dollar fur die Verwirklichung ihres Plans. Weitere 10 Millionen Dollar stiftet die Investmentgesellschaft von Paul Allen, einem der Mitgrunder des Software-Konzerns Microsoft. Das Ministerium hat außerdem eine Reihe von Technologieunternehmen um sich versammelt, die sich in den Wettbewerb einbringen, darunter die Alphabet-Holding um den Internetkonzern Google, den Online-Händler Amazon und den europäischen Halbleiterspezialisten NXP.
Der Wettbewerb steht kurz vor der Entscheidung. Im Juni soll der Gewinner gekurt werden. Auf der Digitalkonferenz South by Southwest in Austin im März hat die Regierung von den ursprunglich 78 Bewerbern sieben Städte in die Endauswahl genommen, die ihre Konzepte nun verfeinern sollen und dafur jeweils 100 000 Dollar bekommen haben. Unter den Finalisten sind einige Städte, die als technikaffin bekannt sind, darunter San Francisco in Kalifornien und Austin/Texas. Aber auch Städte aus eher traditionellen Industrieregionen wie Pittsburgh in Pennsylvania und Columbus in Ohio haben es eine Runde weiter geschafft.
Städte „intelligenter“ zu gestalten heißt, sie ins Internet der Dinge zu bringen. Immer mehr Alltagsprodukte wie Autos, Haushaltsgeräte oder auch Maschinen werden mit dem Internet verbunden, und diese Vernetzung soll auch ganze Städte mit ihrer Infrastruktur in die digitale Welt fuhren. Die Regierung erhofft sich vom Wettbewerb unter anderem Ideen, wie Sensoren sowie vernetzte und selbstfahrende Autos im Transportwesen der Zukunft eingesetzt werden konnen. Das Konzept von San Francisco sieht zum Beispiel vor, selbstfahrende Autos, offentliche Verkehrsmittel und Mobilitätsdienste wie Carsharing miteinander zu verknupfen. Das soll Parkhäuser uberflussig machen, die dann in Wohnraum umgewandelt werden konnten. Die Finalistenstadt Portland im Bundesstaat Oregon hat vorgeschlagen, eine Art Mobilitätsborse zu entwickeln, die Auto- und Fahrradfahrer, Fußgänger und Passagiere in offentlichen Verkehrsmitteln verbindet, um Transportdienste zu kaufen oder zu verkaufen.
