Auto & Verkehr

Ferrari California T ist erstes Auto mit Apples Carplay

• Bookmarks: 23


Der California T von Ferrari ist das erste Auto, das die Inhalte des iPhones auf dem Bordmonitor spiegelt. Wir haben getestet, ob das wirklich so eine Sensation ist.

Fährt das Auto der Zukunft mit Apple, Google und Facebook? Schon warnen die Vorstandsvorsitzenden von Volkswagen und Mercedes-Benz: Die deutschen Premiumhersteller dürften das vernetzte Fahrzeug nicht den Amerikanern überlassen. Autos müssten nicht nur sicher für die Passagiere, sondern auch für deren Daten sein. Anlass dieser Befürchtungen sind Apples Carplay und Googles Android Auto. Apple war mit seinem Carplay der Pionier und stellte das System Anfang des Jahres auf dem Genfer Automobilsalon vor.

Ferrari bot als erster Hersteller Carplay an, Mercedes kündigte indes im Februar an, dass auch die neue C-Klasse die Lösung von Apple erhalten werde. Auf der Schau in Genf konnte man Carplay nicht nur an den Ständen von Ferrari und Mercedes, sondern auch bei Volvo und anderen sehen. Mittlerweile haben mehr als 20 Fahrzeughersteller eine Carplay-Integration angekündigt. Mercedes hat jedoch in der neuen C-Klasse nicht geliefert, und so ist Ferrari nach wie vor der einzige mit Apple-Technik. Auch gibt es das eine oder andere Autoradio (etwa von Pioneer), das bereits für Carplay gerüstet ist.

Wir sind nun erstmals ein Serienfahrzeug mit Carplay gefahren, und zwar nicht auf vorher festgelegten Demo-Strecken, sondern auf von uns geplanten Routen. Carplay wurde im neuen Ferrari California T getestet. Das athletische Cabrio hat nun einen Turboantrieb, der in der Geschichte der Marke selten ist. Der Achtzylinder muss mit weniger Hubraum auskommen (3,9 statt 4,3 Liter), ist aber mit 560 PS deutlich stärker als der California, Modelljahr 2012. Das Drehmoment wuchs gar um fast 50 Prozent auf 755 Newtonmeter. Der Standardspurt auf 100 km/h lässt sich nun in 3,6 Sekunden absolvieren. Im täglichen Fahrbetrieb vergesse man die Zehntelangaben und denke an 4, 10 und 30. Das sind die Sekunden bis 100, 200 und 300 km/h, die übrigens für den Beifahrer deutlich länger sein können.

Bildschirmdarstellung ist in jedem Fahrzeug nahezu identisch

Moderates Tempo ist auch möglich, wir konnten dabei Carplay erproben. Es setzt auf das vorhandene Bordsystem auf und verdrängt es nicht. Was der Hersteller von Hause aus mitliefert, also beispielsweise das Ferrari-Navi des California oder ein Comand der C-Klasse, ist weiter vorhanden und funktionstüchtig. Man kann also die Fahrzeugelektronik unabhängig von Apple verwenden. Die Bildschirmdarstellung von Carplay ist in jedem Fahrzeug nahezu identisch, unabhängig davon, ob es sich um einen Ferrari, Mercedes oder Volvo handelt. Stets gibt es auf dem Bildschirm im Querformat fünf große Symbole für Apple-Programme: Telefonie, Musik, Karten, SMS-Nachrichten und Podcasts. Eine weitere Kachel bringt mit „Sie hören“ den aktuellen Musiktitel zur Anzeige, ferner ist ein eventuell installierter Musikdienst wie Spotify oder Rdio angezeigt. Die letzte Kachel ist mit dem Emblem des Fahrzeugherstellers beschriftet und bringt einen zurück in dessen Bordsystem.

Links der Icons sind die Uhrzeit und der Mobilfunk-Status sowie der Home-Button des iPhone visualisiert. Letzteres muss unabdingbar ein neueres mit Lightning und mit USB-Kabel an das Bordsystem angeschlossen sein, im Ferrari funktionierte nur einer der beiden USB-Anschlüsse für Carplay. Der Vorteil der sonst eher unzeitgemäßen Anbindung: Der Akku des iPhone wird geladen, und wer in iOS 8 die Funktion „Hey Siri“ aktiviert hat, kann ohne vorherige Betätigung des Home-Buttons die Sprachsteuerung aufrufen.