
Der X6 ist die schrägste Erfolgsstory, seit es BMW gibt. Rationale Gründe jedenfalls sind es nicht, die zum Kauf treiben – die braucht es aber auch nicht.
Gäbe es eine Skala für polarisierende Autos, läge der BMW X6 weit oben. Ein SUV, hochbeinig, mit Allradantrieb. Das ist okay. Aber das schräge Heck, das an Bulligkeit kaum zu übertreffen ist, gefällt nicht jedem. Interessenten finden sich dennoch genug. Immerhin verkaufte BMW seit dem Marktstart 2008 rund 260 000 Exemplare. Dass der X6 teurer als der technisch identische X5 ist, weniger Platz im Fond und im Kofferraum bietet, zählt wohl nicht. Exklusivität und Luxus scheinen wichtiger.
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Am 9. Dezember kommt die zweite X6-Generation in den Handel. Hinsichtlich des Luxus setzt BMW noch einen drauf. Von Nappaleder bis Elfenbein-Look – fast alles ist machbar. Hinzu kommt ein noch größeres Angebot an Infotainment- und Assistenzsystemen.
Vorne großes Platzangebot, hinten solala
In den Außenmaßen hat sich der X6 gegenüber seinem Vorgänger kaum verändert. Die Frontpartie ist sehr ähnlich. Feinschliff in der Aerodynamik senkte den cW-Wert von 0,35 auf 0,32. Sichtbares Indiz dafür sind Lufteinlässe an der Frontschürze und Luftauslässe hinter den Vorderrädern. Das schräge Heck wurde ganz leicht abgesenkt, wirkt aber immer noch massig. Nur die Lichtkanten über den hinteren Radhäusern nehmen ihm ein wenig die Wucht.
Der X6 ist 4,91 Meter lang. Sein Laderaum fasst 580 bis 1525 Liter, er wurde um 75 Liter größer. Im Vergleich mit dem X5, der kein schräges, sondern ein steiles Heck besitzt, schneidet er freilich schlechter ab (650 bis 1870 Liter). Und eine so hohe Ladekante hat der X5 auch nicht. Unterschiede gibt es auch im Sitzkomfort. Im Fond des Steilheckfahrzeugs herrscht üppige Kopffreiheit, im Schrägheckauto ist die gerade mal ausreichend. Eine dritte Sitzreihe, wie beim X5 bestellbar, ist natürlich nicht möglich. Die Rundumsicht ist noch schlechter.
Leichter, schneller, teurer
Den Käufern des X6 sind die Platz- und Sichtverhältnisse aber offenbar nicht wichtiger als gestreifte Zahnpasta. Viel wichtiger ist ihnen wohl, dass das Auto trotz seiner Größe handlich wie ein Kleinwagen ist, auch abrupte Richtungswechsel souverän meistert und sich so anfühlt, als könne ihm niemand das Wasser reichen. Wankstabilisierung, Luftfederung an der Hinterachse und ein intelligenter, mit dem Stabilitätsprogramm vernetzter Allradantrieb erlauben extrem sportliche Fahrweise. Was Fahrwerksqualität und Motorleistung betrifft, bestand allerdings auch beim Vorgänger kein Mangel.
Je nach Version wurden zwischen 45 und 120 Kilogramm Gewicht gespart. Weniger als zwei Tonnen wiegt zwar immer noch kein X6-Modell. Doch neben Feintuning an den Motoren führt die Erleichterung zu höheren Fahrleistungen und bis zu 22 Prozent niedrigeren Verbrauchswerten. Das Einstiegsmodell, der 258 PS (190 kW) starke X6 30d, verbraucht laut Norm nur noch 6,0 statt 7,4 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Mit 65 650 Euro wurde er 3150 Euro teurer.
Normverbrauchssenkungen und moderate Preissteigerungen kennzeichnen die gesamte neue X6-Palette. Sie besteht aus zwei Benzinern und drei Diesel, jeweils mit Achtstufenautomatik. Reihensechszylinder sind obligatorisch. Einzig der 450 PS (330 kW) starke 50i verfügt über einen V8-Motor. Der Teuerste ist er aber nicht. Das ist der M50d mit 381 PS (280 kW) für 87 300 Euro. Aber die Mia-san-mia-Kundschaft hat ja tiefe Taschen.
