Auto & Verkehr

Fahrbericht Mini Cooper S: Mehr Auto, weniger Mini

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Im Mini Cooper S verdichtet sich der ganze Spaß am kleinen Auto mit großem Motor. Aber Gesetze und Lifestyle nagen am puren Genuss. Wir stiegen mit Skepsis ein und träumen jetzt vom roten Knopf.

Spike spricht kein Wort. Und sagt doch alles. Die für den jüngsten Mini werbende Bulldogge beschnuppert den Neuankömmling missbilligend und weigert sich zunächst, einzusteigen. Es folgt natürlich ein Happy-End: Nach ein paar Kilometern hält der Mini an einem Stoppschild, was Spike erregt. Der Hund bellt das Schild an, bis die Fahrt endlich weitergeht. Besser lässt sich das komplizierte Unterfangen, ein 59er Idol in das Jahr 2014 zu übertragen, nicht darstellen. Es geht um nicht weniger als Tradition zu bewahren, auf die erfolgreiche Wiedergeburt Rücksicht zu nehmen und Zukunft zu wagen.

So einfach ist das nicht, und auf den ersten Blick löst der Neue in der Fangemeinde, die eine glühende ist, Gefühle des Unbehagens aus. Vorschriften zum Unfallschutz, Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Abdrucks, Wünsche nach größerem Innenraum, mehr Komfort und Lifestyle-Einrichtungen wie Facebook- oder Twitterzugang entfernen den Jüngsten immer weiter vom puristischen Original. Der Neue ist zehn Zentimeter länger, er ist breiter und höher, seine Nase hängt flacher im Wind, die Räder stehen nicht mehr so kompromisslos in den Ecken. Die auf den Türen thronenden Außenspiegel sind wie MickeyMouse-Ohren, nur größer. Und weil es gilt, vergleichsweise riesige Blech-Flächen zu kaschieren, wachsen die Rücklichter auf Formen an, in denen Zwetschgendatschi gelingt. Innen lockt nun einiges aus dem versammelten bayerischen Verwöhnprogramm aus Sicherheits- und Assistenzsystemen, das auch in Limousinen der Muttergesellschaft BMW antritt. Braucht es das ganze Zeugs im Mini?

Die Briten in bayerischen Diensten werden es sich wohlüberlegt haben. Es geht um einiges. Seit der Wiedergeburt im Jahr 2001 wurden drei Millionen Mini ausgeliefert. Jedes sechste Auto von BMW ist ein Mini. Die meisten Kunden entscheiden sich für den, der dem Original von 1959 am nächsten kommt, den mit zwei Türen. Als solcher macht unterhalb des Extremsportlers von John Cooper jener mit dem S im Namen die meiste Freude. Während in die schwächeren Modelle (nicht mal so üble) Dreizylinder einziehen, ist ihm weiterhin ein Vierzylinder-Turbobenziner vergönnt. Mit quirligen 192 PS aus 2 Liter Hubraum fährt er tatsächlich alle Zweifel nieder, ob denn die Agilität auf der Strecke geblieben sei.

Fluffiges Fahren

Der Cooper S rennt wie die Semmel und wirft sich freudvoll in Kurven der Landstraße, ganz so, wie es seine Fans erwarten. Obgleich nur mit sechs Stufen versehen, schafft das Automatikgetriebe putzmunteren Anschluss, und wenn der Fahrer mit den knackig justierten Lenkradpaddeln den Gang seines Vertrauens einwirft, dann will er – wir wissen, jetzt regt sich Protest – nie mehr zum Handschalter (auch mit sechs Gängen) zurück. Nur der Motorsound ist irgendwie abhandengekommen. In Normalstellung wird er überlagert von Abroll- und Windgeräuschen, und selbst im Sportmodus ist beständig Nachhilfe mit dem Gasfuß gefordert, will sich der Pilot an brabbelnder Befeuerung erfreuen. Die relative Ruhe liegt im Trend, auch ein Peugeot 208 GTI verzichtet auf akustischen Krawall, aber ein bisschen mehr Gänsehaut auf Verlangen dürfte es schon sein.

Offenbar gilt die Zurückhaltung als Komfortgewinn, zu dem auch das Fahrwerk seinen Beitrag leisten soll. Es ist nicht mehr so skrupellos wie zuvor, freilich, damit kein falscher Eindruck entsteht, noch immer hart im Geben. Achtlos eingelassene Kanaldeckel, Querfugen oder gröber vernachlässigte Asphaltaufbrüche animieren den Mini zum Rodeo.