
Der neue viertürige Kia Soul im Crossover-Stil will mit ungewöhnlicher Optik begeistern. Doch es ist nur ein Heischen nach Effekten. Unter dem Blech bleibt der Kia ein Fahrzeug ohne Elan und Esprit.
Nach dem Start der ersten Generation 2009 hat Kia – eine Tochtergesellschaft von Hyundai – nun die zweite Auflage des Soul vom Stapel gelassen. Geboten werden ein wenig Minivan, ein wenig SUV, ergo ein typisches Angebot im jetzt so beliebten Crossover-Design. Allerdings fehlen ihm die typischen Eigenschaften dieser Klassen: Weder kann er mit der Variabilität eines Opel Meriva konkurrieren noch die Geländetauglichkeit und Zugkraft eines allradgetriebenen Śkoda Yeti ins Feld führen. Das oft arg strapazierte Prädikat „neu“ trägt der Soul zu Recht, obwohl die gestalterischen Unterschiede zum 2009er-Soul nicht groß sind. Aber das Gesicht des Soul ist gereift. Ein Kühlergrill mit großen Lufteinlässen macht ihn seriöser, die weit an den Ecken positionierten Nebelscheinwerfer geben in Verbindung mit den 18 Zoll großen Leichtmetallrädern Statur. Markant ist die Heckansicht, weit oben angeordnete Rückleuchten rahmen die große Heckklappe ein. Der 2014er Soul steht auf der Plattform des größeren Kia Cee‘d, das Fahrverhalten, überarbeitete Motoren und vor allem eine sprunghaft gestiegene Zahl von Assistenz- und Kommunikationssystemen sollen ihm neben der durchaus zu bescheinigenden Aufmerksamkeit auch die gewünschten Verkaufserfolge bescheren.
Bislang waren die Begegnungen mit dem knuffigen Koreaner jenseits der Kia-Ausstellungsräume eher selten. Das Angebot an Motoren ist gering, neben einem Benziner findet sich nur eine Dieselversion in der Preisliste, 23 220 Euro kostet sie in der Ausstattungsstufe Spirit. Wer noch 1890 Euro drauflegt, bekommt für sich und den Beifahrer im „VIP-Paket“ für 1890 Euro elektrisch verstellbare Sitze, die sich sowohl beheizen als auch belüften lassen. Die korrekte Sitzposition am üppig mit Fernbedienungstasten beladenen Lenkrad ist dank dessen Zweiwegeverstellung leicht zu finden, und über mangelnde Ablagemöglichkeiten kann ebenfalls keine Beschwerde geführt werden.
Kia beschwört den Zeitgeist
Eine diffuse Beleuchtung des Innenraums soll Nachtfahrten lauschig machen. Kia beschwört den Zeitgeist und spricht gar von einem Lounge-Charakter, andere nennen so etwas Ambiente-Licht. Unbedingt ins Auge fassen muss man das Paket „Sound &- Navi“ (1290 Euro), das nicht nur ein Navigationssystem mit kostenfreien Updates des Kartenmaterials über sieben Jahre, digitalen Radioempfang und eine Infinity-Premium-Anlage bietet, sondern auch etwas, das man früher „Lichtorgel“ nannte. Leuchten in den Frontlautsprechern, die ähnlich wie bei großen Tonübertragungsanlagen wie Türme über den Lüftungsdüsen emporragen, blinken auf Wunsch frequenzgesteuert im Rhythmus der Musik. Hübsch – oder auch nicht.
Die Instrumentierung ist wie bei Kia üblich opulent. Ein Monitor zwischen den gut ablesbaren Skalen von Tacho und Drehzahlmesser informiert über Betriebszustände und eventuelle technische Störungen. Die Informationen des Bordcomputers lassen sich hier ebenfalls einspielen. Auch die Assistenzsysteme wie Spurhaltehilfe, Fernlichtautomatik und Reifendruckkontrolle geben ihre Warnungen hier aus.
Die Ladekante ist niedrig
Schauen wir nach hinten: 354 Liter rechnerisches Volumen bietet der Kofferraum. Die Ladekante ist niedrig. Dank eines Zwischenbodens finden in abgeteilten Fächern Kleinkram und die Pannenausrüstung einen sicheren Platz. Die Rückbanklehnen können asymmetrisch geteilt nach vorn geklappt werden, das geht mit einem Handgriff ohne Kraftaufwand. Dann stehen bis zu 1367 Liter Volumen für Transportzwecke bereit, zumindest, wenn man das Gepäck bis unter das Dach stapelt. Damit erschöpfen sich die Gestaltungsmöglichkeiten des Koffer- und Innenraums allerdings. Zur Ladungssicherung gibt es zwar ein Gepäcknetz für am Boden liegende Gegenstände, ein Trenn-Netz zu den vorderen Sitzen fehlt allerdings, egal ob die Rückenlehnen hinten aufrecht stehen oder liegen. Der Platz für die Passagiere ist knapp ausreichend.
