
Audis erstes Erdgasfahrzeug: Der A3 Sportback G-Tron ist Fahrspaß pur. Er ist alles andere als lahm. Und der G-Tron hat einen spektakulär geringen Verbrauch.
Was der Schriftzug „G-Tron“ bedeutet, der unübersehbar groß auf den beiden Seitenflächen des blauen Audi A3 angebracht ist, will der Mann auf dem Supermarktparkplatz wissen. Die Antwort, es sei ein Erdgasfahrzeug, ist ihm schon genug. „Lahme Kiste, schade um das schöne Auto“, schüttelt er den Kopf und geht. So ist das mit den Vorurteilen, die in diesem Fall allesamt schnell widerlegbar sind.
Der A3 Sportback G-Tron 1.4 TFSI, der erste Audi mit Erdgasantrieb, ist Fahrspaß pur, wir haben ihn zwei Wochen lang über die Autobahn gescheucht und durch die engen Kurven im Taunus. Der Vierzylindermotor mit Gas- und Benzindirekteinspritzung ist dabei alles andere als lahm. Zugegeben, eine Leistung von 110 PS (81 kW) und ein Drehmoment von 200 Newtonmeter hören sich nicht nach neuen Rennsportrekorden an.
Aber der A3 hat im Erdgasbetrieb in rund zehn Sekunden den Standardspurt auf 100 km/h absolviert, und auf der Autobahn ist er flink bei 170 bis 180 km/h, die in ihm als angenehme Reisegeschwindigkeit gelten dürfen. Die weitere Beschleunigung bis hin zur Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erfordert ein bisschen mehr Geduld. Im vierten und fünften Gang des serienmäßigen Sechsganggetriebes kann man auch beim Zwischenspurt fürs Überholen nicht über mangelnde Elastizität klagen. Kurzum: Der G-Tron fährt nicht auf Sparflamme, sondern mit genügend Kraft und angenehm leise und flott.
Der Vierzylindermotor mit Gas- und Benzindirekteinspritzung ist alles andere als lahm
Einschränkungen durch den Erdgasbetrieb sind gegeben. 14,4 Kilogramm CNG, die mit 200 bar verdichtet sind, lagern in zwei unter dem Kofferraum versteckten Tanks. Andere Erdgasfahrzeuge speichern 18 oder gar 21 Kilogramm. Indes verringert sich der Laderaum des A3 G-Tron damit nur um 100 auf 250 Liter. Weil die Behälter aus Polyamid, CFK und GFK gefertigt sind, ist der G-Tron lediglich 55 Kilogramm schwerer als ein A3-Benziner, er wiegt 1350 Kilogramm. Aus den Tanks strömt das Erdgas über Hochdruckleitungen zu einem elektronischen Regler, der den Gasdruck auf fünf bis neun bar reduziert, bevor es durch die Injektoren in die Brennräume des modifizierten TFSI-Motors geblasen wird.
Der G-Tron verhält sich dabei mustergültig energieeffizient. Unser Durchschnittsverbrauch im Drittelmix lag bei spektakulären 4,5 Kilogramm, die weniger als fünf Euro kosten, für 100 Kilometer. Zum Vergleich: Den Passat 1.4 TSI Eco Fuel (150 PS) fuhren wir 2012 mit durchschnittlich 5,6 Kilogramm und die aktuelle Erdgas-B-Klasse von Mercedes-Benz in diesem Jahr mit 5,9 Kilogramm. Angesichts des hohen Energiegehaltes von Erdgas ist auch die Ziffer hinter dem Komma wichtig.
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Zwischen zwei Tankstopps wollten wir es 250 Kilometer weit wissen: Wie sparsam kann man diesen A3 fahren, wenn man sich zurückhält und selbst auf der Autobahn nicht schneller als 140 km/h fährt? Wir kamen auf 3,9 Kilogramm, und selbst bei flotter Fahrt lagen wir nie über 5,2 Kilogramm. Verbrauch und Reichweite zeigt der Bordcomputer vorbildlich: Es gibt zwei Tankuhren für Benzin und Gas, die jeweiligen Momentan- und Durchschnittsverbräuche werden ebenso angezeigt wie die berechnete Reichweite. Rund 300 Kilometer weit kommt man mit dem Erdgas fast immer, und dankenswerterweise ist der A3 G-Tron mit bivalentem Antrieb versehen, er hat also noch einen Benzintank in Normalgröße (50 Liter).
Während Mercedes-Benz und andere den unabdingbaren Zusatztank für herkömmlichen Treibstoff verkleinern, kommt der Audi-Fahrer nicht in Nöte, wenn die nächste der rund 900 deutschen Erdgastankstellen weiter entfernt ist – oder der Auslandsurlaub ansteht. Manuell umschalten zwischen Gas und Benzin lässt sich übrigens nicht, Benzin kommt nur für die Startphase und bei leeren Gastanks zum Einsatz. Vergleichen wir die Preise: Der konventionelle A3 Sportback 1.4 TFSI mit etwas mehr Leistung (125 PS) kostet 23 700 Euro in der günstigsten Variante, das Erdgasmodell hingegen 25 900 Euro.
Wie immer gilt der Hinweis, dass sich der Aufpreis von 2200 Euro erst nach einigen zehntausend Kilometern rechnet. Wirft man jedoch einen Blick auf den vergleichbaren Diesel, den 1.6 TDI mit ebenfalls 110 PS (aber höherem Drehmoment), reduziert sich der Aufpreis auf nur noch 200 Euro. So oder so ist der G-Tron eine spannende Alternative für kluge Rechner, die beim Thema Erdgas keine Vorurteile haben.
