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Andi McCann: Vornehmster Fahrlehrer der Welt

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Bremsen, schalten, kuppeln – das sollte man schon vorher können. Denn wer bei Andi McCann in die Fahrschule geht, lernt die hohe Kunst des Autofahrens – als Chauffeur in einem Rolls-Royce.

Zeig mir deine Füße, und ich sage dir, wie du fährst – wer bei Andi McCann in die Fahrschule geht, muss sich auf ein paar ungewöhnliche Hinweise einstellen. Denn der Brite ist nicht irgendein PS-Pädagoge, sondern der wahrscheinlich vornehmste Fahrlehrer der Welt: Nicht umsonst ist er der Chefinstruktor für das „White Gloves“-Programm von Rolls-Royce und trainiert rund um den Globus angehende Chauffeure für ihren Einsatz am Steuer der Luxuslimousine. Dass er bei seinen Schülern dabei als Erstes auf die Schuhe schaut, hat keinen modischen, sondern einen ganz praktischen Grund: „Die Sohle.“ Ist die aus Gummi, hat man nicht nur zu wenig Gefühl im Fuß, kann Gas und Bremse nicht fein genug dosieren und so nicht mit dem gebotenen Sanftmut durch den Verkehr schwimmen. Sondern vor allem könnte sie auf den Pedalen quietschen. Und weil in einem Rolls-Royce nicht einmal mehr die Uhr tickt und ansonsten gefälligst geisterhafte Stille zu herrschen hat, geht das gar nicht, sagt McCann und sieht dabei so entschlossen aus, dass man seine sportlichen Schuhe ganz schnell unter dem Tisch verschwinden lässt.

Es sind solche Kleinigkeiten, die für McCann eine große Bedeutung haben. „Denn es gibt ein paar gravierende Unterschiede zwischen einem exzellenten Fahrer und einem guten Chauffeur,“ sagt McCann, der genau diese Details in seinen Tageskursen herausarbeitet. Im White-Gloves-Programm, das man nur auf Einladung und nicht gegen Gebühr besuchen kann, geht es deshalb allenfalls am Rande um die Ideallinie, die perfekte Gefahrenbremsung oder den schnellsten Spurwechsel. Dabei hat der ehemalige Rallye- und Rennfahrer, Ski-Champion und Motorrad-Profi McCann schon Formel-1-Champions trainiert und weiß deshalb sehr wohl, wie man am schnellsten vorankommt. Aber bei den Kursen in Hongkong oder Hamburg, Miami, Moskau oder München geht es vor allem um Etikette: „sharp und effortless“, so umschreibt McCann das Wesen eines guten Chauffeurs, erst recht in einem Rolls-Royce „Präzise und mühelos, akkurat und unauffällig.“ Selbst wenn man dafür die Schuhe wechseln muss.

30361438 Öffnen mit Stil: Hier die Trockenübung. Sind Damen anwesend, gibt es eine besondere Prozedur: Ein großer Regenschirm schafft Diskretion. Bilderstrecke

Der vornehmste Fahrlehrer der Welt geht mit gutem Beispiel voran: Der Anzug des durchtrainierten Endvierzigers ist maßgeschneidert, an den Ärmeln des blütenweißen Hemdes funkeln Manschettenknöpfe samt Rolls-Royce-Logo mit den auf Hochglanz polierten Lederschuhen um die Wette. Und die dezente Krawatte ist mit einem doppelten Windsorknoten gebunden und endet genau auf der Mitte der Gürtelschnalle. „Dann bist du ein gemachter Mann“, strahlt McCann und sieht fast so gut aus wie der dunkle Phantom Longwheelbase neben ihm.

Allerdings tritt McCann nicht überall so auf: „Wir müssen uns den lokalen Gepflogenheiten anpassen,“ sagt der Profi und erzählt von den vielen Dienstreisen nach Asien, wo man ihn in diesem Aufzug wohl für einen Computer-Verkäufer halten würde und er deshalb beinahe kumpelhalft ein Poloshirt trägt.

Aber gerade in Asien ist das White-Gloves-Programm besonders wichtig, erzählt der Chef der Chauffeure. Denn erstens sitzen in Europa und Amerika immer mehr Kunden selbst am Steuer, und McCann wäre der Letzte, der einem Selbstfahrer Ratschläge geben würde. Zweitens seien in Asien vergleichsweise viele Rolls-Royce in Hotelfuhrparks unterwegs und hätten deshalb auch viele Fahrer. Und drittens gebe es vor allem in China viele ehemalige Taxifahrer, die sich nach zehn Jahren im Dienst für den perfekten Fahrer hielten und jetzt im Anzug zum Chauffeur aufsteigen wollten. „Da fängt man dann oft noch mal von ganz vorn an,“ sagt McCann und schüttelt höflich, aber bestimmt mit dem Kopf, bevor er mit seinen Schülern geduldig einen Arbeitstag durchspielt.

„Drei Minuten vor der Zeit ist gerade noch pünktlich.“

Der perfekte Auftritt beginnt – das sollte doch selbstverständlich sein – mit einer rechtzeitigen Ankunft: „Drei Minuten vor der Zeit ist gerade noch pünktlich.“ Aber ein guter Chauffeur hat sich und sein Auto davor schon perfekt auf die Fahrt vorbereitet, sagt McCann: Man kennt die Route, hat im Idealfall schon mit dem Doorman des Hotels gesprochen und den Fond für die Passagiere hergerichtet: „In den Cupholdern oder im Barfach steht das bevorzugte Getränk der Gäste, es herrscht die ideale Wohlfühltemperatur. Und natürlich stehen die Klima-Ausströmer und die Temperaturskalen im Cockpit in perfekter Symmetrie.“