
Zurück in die Zukunft: Die neue Yamaha SR 400 ist eine Variante der legendären SR 500 – ein schönes, klassisches Motorrad. Für die geringere Leistung ist sie dann aber doch recht teuer.
So ein schönes Motorrad. Der neunzehnjährige Filius ist ganz begeistert.
„Darf ich mal eine Runde drehen?“
„Ja.“
„Huch, wo ist der Anlasser?“
„Gibt’s nicht, nur ‘nen Kickstarter.“
Jetzt nimmt das Drama seinen Lauf. Zig Versuche, nichts tut sich. Papa darf, nein, muss ran. Kurze Prüfung, ob alles stimmt, Kill-Schalter, Zündung, Benzinhahn. Dann läuft sie auf den ersten Kick. Der Sohn staunt, glaubt er doch sonst, alles besser zu können. Danach schafft er es wieder nicht, die Yamaha SR 400 anzuwerfen. Papa braucht beim zweiten Versuch den zweiten Kick. Dann scheitert der Sohn abermals. Und Papa im dritten Durchgang wieder beim ersten Mal. Jetzt endlich gelingt es der Jugend, den Einzylindermotor anzutreten. Komisch, dass man es immer noch im Gefühl hat, wie sich ein Motorrad antritt, auch wenn man es mehr als 20 Jahren nicht mehr getan hat. Nicht verraten haben wir, dass es ein kleines Sichtfenster für die Kolbenstellung am Zylinderkopf gibt, aber wir haben selbst gar nicht hingeschaut.
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Die SR 400, die Yamaha seit dieser Saison auf dem deutschen Markt anbietet, ist eine Variante der legendären SR 500, die vor 37 Jahren hierzulande debütierte (gebaut bis 1999). Der kleinere Eintopf wurde bislang nur in Asien angeboten. 400 Kubikzentimeter sind in Asien eine Steuergrenze, und die fehlenden Kubik sieht man dem Motor nicht an.
Fürs Wochenende bräuchte es ein paar PS mehr
Die SR 400 gleicht der 500er wie ein Ei dem anderen, freilich versteckt die SR 400 von 2014 einen Dreiwegekatalysator im Auspufftopf und hat keinen Vergaser, sondern eine Einspritzanlage mit Transistorzündung.
Der Rest ist klassisch: große Blinker, dominanter, runder Scheinwerfer, viel Chrom, breiter Lenker, Drehzahlmesser und Tacho ohne elektrisches Display, schmaler 12-Liter-Tank mit abschließbarem Deckel, Benzinhahn, Bedienelemente so wie an unserem Fahrschulmotorrad 1977 (übrigens eine Honda CB 400), Haupt- und Seitenständer, vorn eine Scheiben-, hinten eine Trommelbremse. Nur die billig wirkende, einteilige Sitzbank ohne Narbung passt nicht zum übrigen Auftritt. Mit einer Länge von 65 Zentimeter passen Sohn und dessen schlanke Freundin gerade noch auf die Bank.
Der Dreiwegekatalysator im Auspufftopf ist eine der wenigen Neuerungen
Beim Fahren begeistert die SR 400 vor allem mit ihrem leichten Handling. Kurven nimmt sie wie von selbst, und auch die Bremsen sind auf der Höhe der Zeit. Man muss natürlich mehr können, weil es kein ABS gibt, das etwaige Fehler ausgleichen kann. Für den kurzen Ausflug in die Stadt oder als Motorrad für jeden (Studenten-)Tag ist die SR 400 wie geschaffen. Gegen einen Kauf spricht aber der im Vergleich zum Angebot hohe Preis von 5.795 Euro plus Nebenkosten und die doch eher bescheidene Leistung, die selbst Aufsteiger aus der 125er-Klasse nur kurz befriedigt.
23 PS (17 kW) und schmächtige 27,4 Newtonmeter maximales Drehmoment bei 3.000 Umdrehungen in der Minute sind nicht die Welt, das lernt man schnell. Der Motor läuft zwar harmonisch und zieht gut durch bis 7.000/min, aber Wunder gibt es nicht. Auf der Autobahn sind 130 km/h drin. Sitzen zwei Teenager auf der SR, sind größere Steigungen eine Aufgabe für die niedrigeren Gänge – fünf gibt es. Der Benzinverbrauch ist mit 4,0 Liter Super auf 100 Kilometer hinreichend niedrig.
Die SR ist ein schönes, pures Motorrad. Doch für die Tour am Wochenende bräuchte sie ein paar PS mehr. Wahrscheinlich würden schon deren 34 reichen, so wie bei der SR 500, damals, in den Achtzigern.
