
Die Griechen beherrschen die Kunst, scharfe Schläuche zu bauen und starke Motoren dranzuhängen. Eine Spritztour mit dem Technohull SeaDNA 999 S aus Athen.
Mal ein bisschen angeben auf dem Wasser und die Sau rauslassen? Hier sind Sie richtig. Dazu der Verdruss, dass das zurückgelegte Sümmchen auf dem Konto keine Zinsen mehr abwirft? Dann sind die knapp 150.000 Euro für dieses Raketen-Schlauchboot mit Festrumpf erst recht gut angelegt. 95 200 Euro fallen für das Boot selbst an, jeweils 25.699 Euro für die beiden Außenborder vom Typ Mercury F 250 XL Verado Pro. Es geht auch mit nur einem Antrieb der 250-PS-Klasse, aber das macht dann nicht ganz so viel Spaß.
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Überraschend auf den ersten Blick: Die Hochleistungsschlauchboote von Technohull werden in Athen produziert. Griechenland ist nicht der erste Name, der einem im Zusammenhang mit innovativen Hightech-Produkten einfällt, aber in diesem Fall lässt sich das leicht erklären. Es handelt sich um eine landestypische Spezialität wie ein zünftig scharfes Zaziki. Bei wohlhabenden Hellenen sind flotte Festrumpf-Schlauchboote außerordentlich beliebt. Mit solchen Flitzern lässt sich am Wochenende auch mit größeren Gruppen einiges anstellen. Inseln, attraktive Badestrände, lauschige Buchten sind damit schnellstens zu erreichen. Da meist die Sonne scheint, ist ein Wetterschutz überflüssig.
Am Steuer des Flitzers. Statt der Sitzgruppe am Bug lässt sich auch eine Kabine installieren
Eine vorzügliche Seegängigkeit allerdings ist Voraussetzung, und in dieser Hinsicht schwächeln die großen Schlauchboote mit ihren Rümpfen in Form eines tiefen V nicht. Da auch die Briten viel Erfahrung mit rauher See haben, ließ sich die Werft bei der Entwicklung des Bootskörpers vom Rennboot-Spezialisten Adam Younger helfen. Der hat bei der Gestaltung des sehr effizienten Stufenrumpfs offensichtlich vorzügliche Arbeit geleistet.
Eine Süßwasser-Dusche gehört zur Grundausstattung
Die kleine Werft bietet ausschließlich sportliche Boote ab 7,20 Meter Länge an, das SeaDNA 999 S markiert momentan das obere Ende der Baureihe. Mit seiner Gesamtlänge von 10,30, einer Breite von 2,30 Metern und einem Leergewicht von rund 2,8 Tonnen inklusive der beiden Motoren ist es noch auf einem Trailer zum jeweiligen Einsatzort zu transportieren. So bleibt der rasante Fahrspaß nicht auf ein Revier beschränkt. Mitsamt einem entsprechend leistungsfähigen Zugfahrzeug ist das Gespann auf der Autobahn eine beeindruckende Erscheinung.
Technohull: Schlauchboot mit scharfen Kanten und klaren Linien
An Bord gibt es reichlich Platz für Familie und Freunde. An der U-förmigen Sitzgruppe im Bug kann ein Tisch montiert werden. Wer stattdessen eine Übernachtungsmöglichkeit möchte, lässt sich im Bug statt der Sitze eine Kabine installieren. Auch mit dem rasenden Doppelbett bleibt die schnittige Silhouette erhalten, denn der Wohnraum überragt die Schläuche nur geringfügig. Der Aufpreis für den Schlafplatz beträgt rund 6.000 Euro. An zentraler Stelle: die markante Steuerkonsole mit einer Klappe an der Vorderseite, die auch als Sitz dient. Dahinter verbirgt sich ein großer Stauraum, der zudem ein Chemie-WC beherbergen, wahlweise als Toilettenraum oder Umkleidekabine praktische Dienste leisten kann.
Die Frisur sitzt: Rumpf in der Form eines tiefen V
Der Fahrer blickt auf eine sehr gut ablesbare und komplette Instrumentierung. Genügend Platz für Kartenplotter und Funkgerät ist vorhanden. Vier stabile Schalensitze bieten auch dann guten Halt, wenn dem Steuermann die Pferde durchgehen, wenn hart und abrupt Querkräfte wirken. Im Achterschiff folgt eine Sitzbank für vier weitere Fahrgäste. Nach dem Bad im Meer erfrischt eine Süßwasser-Dusche, die aus einem separaten Tank versorgt wird. Das gehört ebenso zur Grundausstattung wie Sitzpolster, elektrische Ankerwinde und Wasserski-Haken.
Für Wellenhöhen bis vier Meter geeignet
Die beiden Antreiber vom Typ Mercury F 250 XL Verado Pro passen ausgezeichnet zum Boot und bilden in Verbindung mit dem V-Rumpf, der über zwei Stufen zur Verringerung des Wasserwiderstands verfügt, eine perfekte Einheit. Die sehr laufruhigen Sechszylinder-Viertakter mit 2,6 Liter Hubraum, Kompressor und Ladeluftkühlung weisen ein sattes Drehmoment auf. Leider erreichen wir nach rasanter Beschleunigung, die uns in drei Sekunden auf 12 Knoten Gleitfahrt bringt, die erhoffte Spitzengeschwindigkeit von 70 Knoten nicht ganz. Egal – auch etwas weniger als 130 km/h (nach nur 18 Sekunden) sind auf dem Wasser eine atemraubende Geschwindigkeit, bei der keine Perücke mehr hält. Selbst bei diesem Tempo schneidet der Rumpf wie auf Schienen durch die kleinen Wellen des Schweriner Sees. 45 Knoten (83 km/h) gelten bei diesem Racer als „Reisegeschwindigkeit“. Das ist mehr, als viele Motorboote in der Spitze erreichen, fühlt sich jedoch in diesem Fall geradezu gemütlich an. Dabei verbrauchen die Motoren zusammen 84 Liter Kraftstoff in der Stunde. Bei einer ebenfalls sehr flotten Marschgeschwindigkeit von 34 Knoten sind es 39 Liter in der Stunde je Maschine.
Die Kraft der Mercurys: Sechszylinder mit sattem Drehmoment
Die flotte Kurvenfahrt lässt sich dank der elektrohydraulischen Servolenkung kinderleicht einleiten und ist ein einziger Genuss. Bei halbwegs robusten Mitfahrern kommt keine Angst auf. Ein hohes Sicherheitsgefühl entsteht auch durch das hohe Freibord. 490 Liter fasst der Treibstofftank. Die CE-Zulassung der Kategorie B bedeutet: Das Technohull SeaDNA 999 S darf bei Windstärken bis 8 Beaufort und Wellenhöhen bis vier Meter noch außerhalb von Küstengewässern bewegt werden. Da braucht man dann aber schon sehr robuste Mitfahrer.
