
Die Jugend schwärmt. Mit seinem neuen A 45 AMG liefert Mercedes ein Auto für die junge Generation. Aber bringt der die Konkurrenz von BMW und Audi wirklich in Bedrängnis?
So etwas hat die Welt noch nicht gesehen. In einer hessischen Kleinstadt: „Ey Alter, ist ja fett“, hört der Eigner Stimmen vor der Haustür, und als er selbige öffnet, stehen drei Jugendliche um den A 45 herum und schießen ihn mit ihren Handykameras ab. Nun gut, diese A-Klasse ist keine gewöhnliche, weshalb sie per definitionem gewissem Exhibitionismus aufgeschlossen ist. Aber dass überhaupt mal einer U 60 ins Schwärmen gerät, wer hätte das gedacht?
Der radikale Generationenwechsel scheint sich mithin gelohnt zu haben, auch wenn wir die Stuttgarter Erfolgsmeldungen ob ihrer Intransparenz mit Skepsis lesen. Mercedes-Benz weist die Verkäufe von A- und B-Klasse nur gemeinsam aus, und das nährt den Verdacht, so übermäßig in Bedrängnis bringt der jugendlichste Benz die Konkurrenz von BMW und Audi vielleicht doch nicht.
Der Motor brabbelt wie frühere Formel-1-Autos
Alle schweren Gedanken verfliegen, sobald der A 45 losstürmt. Im schnellsten aller kleinen Schwaben gilt Kehre statt Kehrwoche, nahezu unglaubliche 360 PS bei 6000/min holen die hauseigenen Einheizer von AMG aus dem 2,0-Liter-Vierzylinder. Damit sind 100 km/h nach 4,6 Sekunden erledigt, bei 250 km/h wird dem Vortrieb elektronisch Einhalt geboten. Sturm und Drang fühlen sich noch knackiger an, als sie ohnehin schon sind, und wenn der Motor brabbelt wie früher Formel-1-Autos, ist das Glück des Hobbypiloten perfekt. Mit 10,5 Liter Super Plus Durchschnittsverbrauch muss er rechnen.
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Dank Allrad sind Traktionsprobleme bis weit in den Grenzbereich ein Fremdwort. Herrlich ist der kecke Schaltknauf, schön der rote Gurt, schlecht die rutschige Stoffpartie am Lederlenkrad. Und zart besaitet darf man nicht sein. Dämpfer wird Mercedes womöglich weggelassen haben, andererseits sprechen die wie Pattex klebenden Reifen dafür, dass es eine Art Fahrwerk gibt. Die Recaro-Sportsitze sehen weicher aus, als sie sind, je nach Einstellung wirken sie als Schraubstock oder geschlossener Schraubstock. Der Vorteil: In Kurven fliehen weder Auto noch Fahrer den Kräften davon.
Eine Bereicherung für die kleinen Wilden
Als erfreulich erweist sich, dass Mercedes-Benz vier Türen verbaut, so kann auch der Nachwuchs teilhaben, was er mit Jauchzen tut. Der Spaß an der Freud ist ziemlich teuer, 50 000 Euro beträgt schon der Grundpreis, und damit ist es nicht getan. Wer das Geld zusammenbringt, der möge eine Runde drehen. In der Horde der kleinen Wilden ist der A 45 jedenfalls eine Bereicherung.
