
Mit der neuen A-Klasse hat Mercedes-Benz schon ins Schwarze getroffen. Der daraus abgeleitete GLA könnte den Erfolg noch toppen. Er ist ein Crossover im besten Sinne, nur die hohen Preise tun weh.
Für das Marktsegment der SUV oder Crossover, wie sie neudeutsch heißen, scheint es einfach keine Grenzen zu geben. Es ist in den ersten fünf Monaten dieses Jahres schon wieder gestiegen, und das gleich um 29 Prozent. Der Mercedes-Benz GLA mischt dabei seit März mit, er ist im besten Sinne des Wortes ein Crossover-Modell und liegt mit seinen Formen ziemlich in der Mitte zwischen einem Kombi und einem SUV. Mit der gemeinen A-Klasse hat er rein äußerlich wenig zu schaffen, trotz der engen technischen Verwandtschaft ist er ein völlig eigenständiges Modell.
Als Kompakt-SUV bietet er etwas mehr Raum als die A-Klasse, bei einer Länge von 4,42 Meter (plus 13 Zentimeter) muss das nicht wundern. Aber der GLA ist nur fünf Zentimeter höher als der A, er ist eben doch mehr ein Allrad-Kombi als ein SUV.
Kofferraum
Unter die weit nach oben schwingende Heckklappe passen rechnerisch 421 Liter, 81 Liter mehr als in die A-Klasse (340). Auch im maximalen Kofferraumvolumen ist der GLA mit 1235 zu 1155 überlegen. Die Rückbank lässt sich asymmetrisch geteilt umlegen, es entsteht eine topfebene Ladefläche mit einer Länge von gut 1,50 Meter. Die Kofferraumabdeckung fasst sich erfreulich wertig an, im Kofferraumboden ist noch Platz für Kleinkram, wenn nicht wie in unserem Testwagen aufpreispflichtiges Audio-Equipment neben dem Notfall-Kit für die Reifenpanne fest installiert ist. Für Skifahrer gibt es eine Durchreiche, auch diese lässt sich Mercedes-Benz wie vieles andere extra bezahlen.
Innenraum
Im Fond selbst ist kaum mehr Platz als in der A-Klasse, kein Wunder bei dem gleichen Radstand. Die hinteren Türen öffnen einen relativ engen Einstieg, den Sitzkomfort bezeichnen wir insgesamt als passabel. Eine längere Fahrt zu viert ist nicht völlig unmöglich. Vorne ist reichlich Platz, die Piloten blicken auf eine Armaturenbrett-Landschaft, die eins zu eins von der A-Klasse übernommen wurde. Der Navi-Schirm wird einfach oben auf die Mittelkonsole gepappt- wir mögen das nicht, andere finden es klasse.
Armaturen
Klassische Rundinstrumente informieren in tiefen Höhlen über Geschwindigkeit, Drehzahl, Motortemperatur und Füllstand des Tanks. Gut sehen kann man sie nur, wenn die Beleuchtung an ist, sie sollte es am besten immer sein. Zwischen den großen Klassikern sitzt das inzwischen fast überall übliche digitale Info-Display mit seinen zahlreichen Möglichkeiten. Man gewöhnt sich schnell daran, sich hier das Tempo digital anzeigen zu lassen, das lässt sich viel besser ablesen als der Tacho.
Motor
Vier verschiedene Motoren stellt Mercedes-Benz derzeit zur Wahl, zwei Ottos und zwei Diesel. Allrad – beim Benz traditionell „4matic“ genannt – kostet gut 2200 Euro Aufschlag, dazu muss der Mehrpreis für das obligatorische Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe eingerechnet werden.
Dieses Allradantriebs-Konzept ist neu bei Mercedes, 4×4 gibt es nicht permanent, sondern nur bei Bedarf. Auf normaler Strecke ohne relevante Differenzdrehzahlen zwischen Vorder- und Hinterachse ist der GLA ein schlichter Fronttriebler. Erst wenn die Vorderräder Haftung verlieren, geht die Kraft auch nach hinten, im Grenzfall sogar alles, was die Turbomotoren hergeben.
Fahrleistung
Von einem wilden Hin und Her der Kräfte ist jedoch während der Fahrt fast nichts zu spüren. Es fällt nur auf, dass die Vorderräder auch bei stärkstem Beschleunigen nicht zum Durchdrehen zu bringen sind – im 220 CDI schickt das Triebwerk immerhin bis zu 350 Newtonmeter Drehmoment an die Räder. Und 170 PS sind auch nicht wenig. Der Spurt von 0 auf 100 km/h gelingt in weniger als neun Sekunden. Gegen die Spitzengeschwindigkeit von 215 km/h dürfte es keine Einwände geben. Der Motor geht über das gesamte Drehzahlband eher ruhig zu Werke, man hört aber schon, dass er seinen Brennstoff selbst zündet.
