
Droht jetzt endgültig der Untergang des Abendlands? Ferrari setzt im überarbeiteten California zum ersten Mal seit dem F40 wieder einen Turbo ein – und spricht laut über Verbrauch und Effizienz.
Droht jetzt endgültig der Untergang des Abendlands? Eingefleischten Ferraristi jedenfalls könnte es so vorkommen. Denn wenn selbst die Scuderia ihre Überzeugung auf dem Altar der CO2-Grenzwerte opfert, ist die Welt vielleicht nicht mehr zu retten: Ferrari setzt im überarbeiteten California nach den Sommerferien zum ersten Mal seit dem F40 wieder einen Turbo ein, und die Roten sprechen lauter über Verbrauch und Effizienz, als man es bei den Grünen erwarten würde.
Aber man muss nur das wissende Lächeln auf den Lippen von Vittorio Dini sehen, und alle Sorgen lösen sich in Wohlgefallen auf. Dini ist Chef der Motorenentwicklung und spendet Traditionalisten üppig Trost: Das aufgefrischte Hochleistungs-Cabrio lockt nicht nur mit 15 Prozent weniger Verbrauch. Es bietet dazu mehr Leistung und vor allem mehr Drehmoment. Wenn künftig nicht nur 505, sondern gleich 755 Newtonmeter zupacken, fühlt sich das am Lenkrad an, als hätte einen das Pferd getreten.
Neue Sprintqualitäten
Dem ausgeklügelten Konzept mit zwei Twinscroll-Ladern und auf den Millimeter gleich langen Leitungen im Krümmer sei Dank, ist von einem Turboloch keine Spur mehr. „Wir wissen schließlich, was wir unseren Kunden schuldig sind“, sagt Dini und bereut keinen der vielen Euro, die allein in diesen Teil des Motors geflossen sind. Vor diesem Hintergrund ist es fast schon überraschend, dass sich Ferrari das T im Namen nur mit 3000 Euro bezahlen lässt und die Preise künftig bei 183 449 Euro beginnen.
Die neuen Sprintqualitäten kann man auch messen: Von 0 auf 100 km/h braucht der California mit dem Appendix T künftig nur 3,6 Sekunden und nimmt seinem Vorgänger damit immerhin zwei Zehntel ab. Und für das Update im Autoquartett liefern wir hier gleich die restlichen Eckdaten nach: Bis Tempo 200 vergehen 11,2 Sekunden, und ein Ende findet die Raserei erst bei 316 km/h.
Normverbrauch niedrig wie noch nie
Zwar kann man im neuen California jetzt tatsächlich noch wilder auf das Cavallo Rampante einpeitschen. Und auch als Turbo stiehlt der Ferrari mit seinem famosen Sound jedem Opern-Tenor die Schau. Doch besser als in jedem anderen Modell aus Maranello kann man sich hier auch zurücklehnen und den Zwei-plus-ein-bisschen-Sitzer als souveräne Sonnenbank für Sehr-viel-Besserverdiener genießen – nicht umsonst fahren California-Kunden länger und öfter als alle anderen Ferrari-Käufer.
Für Signore Dini ist der Turbo im Ferrari California zuallererst ein Sieg der Vernunft. Immerhin sinkt mit ihm der Normverbrauch auf 10,5 Liter und damit den niedrigsten Wert in der Markengeschichte. Doch so, wie der California fährt, geht es den Italienern am Ende doch nur ums Vergnügen. Aber auch das profitiert von der gesteigerten Effizienz: 15 Prozent weniger Verbrauch bedeuten gleichzeitig 15 Prozent mehr Reichweite und entsprechend länger Spaß, rechnet Signore Dini vor und rettet mit einem Lächeln das Abendland.
