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Fahrbericht Honda Civic: Spaceshuttle für irdische Aufgaben

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Wer in der Golf-Klasse reüssieren will, muss sich etwas einfallen lassen. Honda verführt mit Solidität, mutigem Design und einem beeindruckend guten Diesel. Dann radelt dieser Bengel vorbei.

Fahren mit einem Honda gelingt ungefähr so: Taste auf der Fernbedienung drücken, Tür öffnen, einsteigen, Schlüssel ins Schloss stecken und drehen, Motor starten, ersten Gang einlegen, etwas aufs Gas, Kupplung kommen lassen, losfahren. Das erscheint dem aufmerksamen Führerscheininhaber irgendwie vertraut? Kann kaum sein.

Unfassbare Bedienungsanleitung

Denn die Japaner weisen zu jedem Start in der zentralen Anzeige darauf hin, man möge sich zunächst die Bedienungsanleitung zu Gemüte führen. Wird nicht jeweils die zuständige OK-Taste gedrückt, quittiert die Anzeige den Dienst und führt fortan ein Schattendasein.

Weiterfahren ist trotzdem möglich, was fast an ein Wunder grenzt. Auf unfassbaren 745 Seiten leitet Honda den Eigner durch die Tiefen seiner Maschine, 520 davon weisen den Weg durch die vermeintlichen Tücken des technisch bewegten Geräts, weitere 225 Seiten widmen sich den Möglichkeiten der Navigation. Wir vermuten, dass dies der starken Präsenz der Japaner auf dem amerikanischen Markt geschuldet ist, wo ja auch Hersteller von Mikrowellen darauf hinweisen, die Hauskatze könnte es womöglich übelnehmen, darin getrocknet zu werden.

Schmales Motorenangebot

Der Civic Tourer ist der Golf Variant aus Japan. Nur deutlich schnittiger gezeichnet. Und zumindest in Europa deutlich seltener verkauft. Das hat mit all jenen zeitlosen Qualitäten zu tun, die den Golf auszeichnen und mit einigen anderen Dingen, die Honda nicht ändern kann oder nicht ändern will. Zum Beispiel das schmale Motorenangebot. Den Civic Tourer gibt es nur mit zwei Vierzylindern, dem 142 PS (104 kW) starken 1,8-Liter-Benziner und dem 1,6-Liter-Diesel mit 120 PS (88 kW), jeweils gekoppelt an ein gut gestuftes und sauber rastendes Sechs-Gang-Handschaltgetriebe.

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Wir fuhren den neu entwickelten Diesel, und bevor jemand sogleich abwinkt, wie bei so manchem Asiaten üblich, die Maschine sei zu groß und zu teuer und zu durstig, empfiehlt sich ein Blick auf die Leistungs- und Verbrauchswerte. Kurzum: Dieser Diesel ist der neue Star der Japaner.

Das Triebwerk, das auch in andere Modellreihen von Honda Einzug hält, steht für den Alltagsbetrieb genau richtig im Futter, es beschleunigt den Civic ohne Spektakel, aber erfreulich souverän, es hat dank satten 300 Newtonmeter Drehmoment feine Durchzugskraft zum Überholen und erledigt mit 10,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und 195 km/h Höchstgeschwindigkeit nahezu alle irdischen Aufgaben des Verkehrs mit einem Lächeln der milden Mühelosigkeit.

Sensationell sparsamer Verbrauch

Und vor allem: Der Motor verbraucht weniger Dieselöl als die Tochter Sojasoße zum abendlichen Sushi. An der Tankstelle prüft der Civic-Neuling zweimal, ob die so rasch abschaltende Zapfpistole defekt oder das Reservoir wirklich schon wieder voll ist. Der Tank fasst maximal nur mäßige 50 Liter, doch nach dem Einsteigen grüßt die Reichweitenanzeige mit fast 1000 Kilometern.

Selbst unter Verzicht jeglicher Rücksichtnahme auf Mensch und Maschine ist es nahezu unmöglich, mehr als sechs Liter Durchschnittsverbrauch hinzubekommen. Wer sich in Tiefenentspannung allen Verführungen asiatischer Gelassenheit hingibt, macht aus dem Civic ein 3-Liter-Auto, auf unserer Sparrunde kamen wir mit 3,9 Liter aus. Im Durchschnitt errechneten wir 5,0 Liter Diesel auf einhundert Kilometer, das finden wir angesichts der gebotenen Fahrleistungen und der Möglichkeit, eine Kleinfamilie samt Hausstand zu transportieren, geradezu sensationell.

Nur zum Verständnis: „Das ist so einer mit Elektro“, sagt der Nachbar. Nein, der Civic ist kein Hybrid, er ist ein ganz gewöhnlicher Dieselverbrenner, der freilich mit einigen technischen Kniffen wie besonders leichten Kolben und einem Aluminium-Kurbelgehäuse in Schwung gebracht wird.

Honda will diesen Weg fortsetzen. Weitere frische Motoren sowie stufenlose Automatik- und Doppelkupplungsgetriebe sind in der Entwicklung.

Störende Geräusche

Wenn wir uns was wünschen dürften: Der Honda hat zwar ein System an Bord, das die Eigenschwingung des Diesel erfasst und zu dessen Neutralisierung über die Musikanlage Gegenschall in den Innenraum schickt.