
Jetzt steht auch Mercedes-Benz unter Strom: Die B-Klasse fährt künftig elektrisch. Die deutsche Automobilindustrie macht sich auf einen spannenden Weg voller Widerstände. Nur Audi fehlt. Noch.
Ja, sie haben schon den E-Smart. Aber der ist in seinen drei Generationen nie erwähnenswert über den engen Zirkel der Carsharing-Pools hinausgekommen. Jetzt meint es Mercedes-Benz ernster. Als erster (Groß-)Serien-Mercedes fährt die B-Klasse künftig elektrisch. In den Vereinigten Staaten wird sie von sofort an angeboten. Und in Europa soll sie in äußerlich aufgefrischter Version von Oktober an für knapp 40.000 Euro verkauft werden.
Für den happigen Preis gibt es, im Gegensatz zu den spartanisch eingerichteten Autos vieler Konkurrenten, die bekannt hochwertige Ausstattung. Allerdings ist in der Basisversion kein Navigationsgerät vorgesehen – ein Unding, gilt es doch womöglich, die nächste elektrische Ladesäule auf kürzestem Wege zu finden. Elektroautos haben ohnehin mit Vorurteilen zu kämpfen. Wer damit gefahren ist, dem huscht indes ob der gebotenen Vitalität ein Lächeln übers Gesicht. Und wer den Einsatzzweck weitgehend auf die Stadt begrenzen kann, wird das Lächeln nicht verlieren.
Der e-Mercedes schafft 160 km/h
Die Antriebseinheit kauft Mercedes-Benz komplett vom amerikanischen Partner Tesla hinzu. In der B-Klasse werkelt der gleiche Motor wie im Model S, was in der frontgetriebenen B-Klasse zu „80 Meter Beschleunigungsstreifen“ geführt hat, wie ein Techniker schmunzelnd aus der Entwicklungsphase berichtet. Die Maschine ist nunmehr gedrosselt, entwickelt aber immer noch 132 kW und beeindruckende 340 Newtonmeter Drehmoment.
Dazu kommt, dass dies bei einem E-Motor sofort zur Verfügung steht: Unter voller Leistung drehen die Vorderräder durch, die Höchstgeschwindigkeit beträgt beachtliche 160 km/h. 200 Kilometer Reichweite verspricht Daimler. Für 550 Euro Aufpreis sollen 230 Kilometer möglich sein. Warum nicht gleich? Im Alltag dürften rund 140 Kilometer sicher drin sein, unter härtesten klimatischen Bedingungen (Kälte, aber auch große Hitze lässt die Leistungskraft der Akkus schwinden) haben die Messungen von Mercedes-Benz noch immer 90 Kilometer ergeben.
Die Höchstgeschwindigkeit des E-Benz beträgt beachtliche 160 km/h
Das typische Surren ist verschwunden
Das Fahren gelingt problemlos, nein, es bereitet geradezu Freude. Die B-Klasse beschleunigt je nach gewähltem Modus gemächlich oder spritzig. Die straff abgestimmte Federung hat allerdings mit den 1700 Kilogramm Gewicht ihre liebe Mühe, über den Zustand der Straße sind die Insassen allzeit im Bilde. Das ist schade, denn ansonsten herrscht innere Ruhe. Das früher in Elektrofahrzeugen zu hörende typische Surren ist verschwunden, allein die Reifen machen noch Geräusche.
Auch in der Wiedergewinnung von Energie gibt es Fortschritte. Mercedes-Benz setzt als erster Hersteller auf die Hilfe eines Abstandsradars, der die Stärke der Rekuperation auf vorausfahrende Fahrzeuge abstellt und ergänzend zum Fahrer selbsttätig bremst. Das funktioniert nach kurzer Eingewöhnung gut und soll der Reichweite dienlich sein. Auch lässt Mercedes-Benz seine B-Klasse im Zweifel bergab rollen, anstatt wie andere den Akku zu laden, was zu einer mehr oder weniger starken Verzögerung führt. Die Stuttgarter halten das Rollen für effizienter. Wie bei BMW und anderen gibt es acht Jahre Garantie auf die Batterie.
