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BMW Elektroscooter: Watt volt ihr mehr?

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BMW bringt einen famosen Elektroscooter auf den Markt. Das Verblüffende am C evolution: Er macht vor allem Spaß. Ein erster Fahrbericht.

Ein Leichtkraftroller? Haha, das ist der Joke des Jahres. Auf dem Papier mag der C evolution ein Leichtkraftroller sein, auf der Straße ist er eine Rakete. Mit Elektroantrieb.

BMW macht keine Witze, BMW macht Ernst. Mit dem C evolution bringt der Konzern jetzt den ersten elektrisch angetriebenen Premium-Maxiscooter der Welt auf den Markt. Ein i3 auf zwei Rädern. In den Jahren der Entwicklungsarbeit profitierten die BMW-Motorradmannen von der Kooperation mit den Autokollegen. Diverse Bauteile wie Speichermodule der Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie, Steuerelektronik, Überwachungssysteme und einiges mehr stammen von den vierrädrigen Brüdern. Auch die Sicherheitsstandards seien identisch.

Dieser engen Verquickung verdankt der C evolution sein Dasein. Kein anderer Hersteller dürfte im Moment in der Lage sein, Vergleichbares aus dem Hut zu ziehen. Nachdem die Münchener vor knapp zwei Jahren den Prototypen ihres rollenden Zukunftsträgers präsentiert hatten, stand nun das Serienfahrzeug für eine Proberunde bereit. Eindruck: funktioniert famos. Scheint reif zu sein fürs Gerangel in verstopften Städten, für ein elegantes, fast lautloses, aber dynamisches Mitwirken im Kurzstrecken- und Pendlerverkehr.

Das Schnittbild zeigt Speichermodule und Überwachungselektronik im Kasten aus Aluminium-Druckguss

Einen Haken hat die Sache natürlich, es ist der hohe Anschaffungspreis. Glatte 15 000 Euro (plus Nebenkosten) muss der Kunde in die Hand nehmen. Dabei ist dieser Preis nach den Worten von Stephan Schaller, Leiter der BMW-Motorradsparte, hart kalkuliert. Die Renditeanforderungen seien geringer als im Fall durchschnittlicher Motorradmodelle. „Ab einer angenommenen Mindeststückzahl sind wir im profitablen Bereich“, sagt Schaller, lässt jedoch offen, mit wie vielen Verkäufen kalkuliert wird. Es hat den Anschein, als seien Schaller und die Seinen selbst am meisten gespannt, auf welche Resonanz der Strombayer treffen wird.

Auffällig nobel ist er: Weiß mit „Electric Green“, LED-Tagfahrlicht, getönte Scheibe, Einarmschwinge, brillantes Farbdisplay im Stil eines Tablet-PC. Die eigentliche Überraschung besteht darin, dass man schon nach wenigen Kilometern nicht mehr in Vokabeln wie Nachhaltigkeit, grünes Gewissen oder Verzicht denkt, sondern in erster Linie an Spaß und Freude. Laut Zulassung ist der C evolution ein Leichtkraftroller. Seine Fahrleistungen allerdings sprengen die Grenzen des Gewohnten.

Außerhalb des Kastens vorm Hinterrad der Elektromotor

15 PS (11 kW) beträgt die Nennleistung des BMW, damit passt er wie handelsübliche 125er-Roller und -Motorräder in die Führerscheinklasse A1 (ab 16 Jahren). Über diesen im Zuge der Homologation in einem bestimmten Messzyklus ermittelten Wert hinaus liefert der Antrieb bis zu 48 PS (35 kW). Und das nicht bloß kurzzeitig: Im gewöhnlichen Betrieb steht die Spitzenleistung praktisch immer zur Verfügung. BMW nutzt hier gewieft eine Art elektrischer Gesetzeslücke aus.

Das maximale Drehmoment – beeindruckende 72 Nm – steht vom Start weg bis 4500/min zur Verfügung. Damit legt der C evolution auf Verlangen los, als sei der Teufel hinter ihm her, zoomt sich beim Zwischenspurt vehement voran, lässt im Stadtverkehr und selbst auf kurzen Überlandpassagen so manchen in einer Staubwolke zurück. 0 bis 50 km/h in 2,7, 0 bis 100 in 6,2 Sekunden lauten die Angaben zur Beschleunigung. Bei 120 km/h wird sanft abgeregelt.