
Der Ford Mustang wird 50. Nicht nur in Amerika wird gefeiert, sondern auch in der hessischen Provinz. In Lohra fährt eines der ältesten Exemplare der amerikanischen Ikone.
Angefangen hat alles mit zwei Modellautos, die Michael Krämer aus einer Laune heraus gekauft hat: ein 1968er Ford Mustang Shelby in Lime Gold und ein 1964-1/2er Cabrio in Rangoon Red, beide im Maßstab 1:18. Eigentlich sollte ihm das reichen, um sein Faible für das Musclecar zu befriedigen, das in diesen Tagen seinen 50. Geburtstag feiert. Mehr als eine Liebelei war es damals schließlich noch nicht. Doch das ist jetzt 15 Jahre her und seitdem hat sich viel verändert im Leben von Michael Krämer: Denn mittlerweile stehen die Modellautos auf einem Regalbrett in der Garage – und davor noch einmal im Original.
An sich wäre das nichts Besonders, selbst in der hessischen Provinz: Obwohl der Mustang nie offiziell nach Deutschland importiert wurde, gibt es auch bei uns Tausende Fans und wahrscheinlich ebenso viele Fahrzeuge. Und dass die beiden Autos ungewollt die gleiche Farbe haben wie die jeweiligen Modelle, ist kaum mehr als ein schöner Zufall.
Fast alle Modelle der Vorserie wurden verschrottet
Doch das rote Cabrio ist kein gewöhnlicher 1964 1/2er, wie die Fans den Mustang aus dem ersten Jahr nennen. Sondern Krämers Schmuckstück trägt die Seriennummer #123, ist damit erklärtermaßen der früheste Mustang in Europa, eines der ältesten erhalten Fahrzeuge überhaupt und streng genommen sogar älter als der Mustang selbst. Denn während Ford den Geburtstag offiziell am 17. April begeht, weil der Wagen an diesem Tag vor 50 Jahren auf der Weltausstellung in New York seine Premiere feierte, weist Krämers „Doorplate“, die Türplakette , den 5. März als Produktionsdatum aus. „Das war der allererste Tag, an dem Ford die Bänder in Dearborn angeworfen hat“, berichtet der Besitzer stolz.
Eigentlich sei das nur ein Testlauf gewesen, hat Krämer mittlerweile recherchiert. „An diesem Donnerstag wurde geschaut, ob alles rundläuft. Übers Wochenende haben die Entwickler dann die Bänder feinjustiert und am Montag mit der Serienproduktion begonnen.“ Erst Fahrzeuge mit der Nummer 200 aufwärts seien deshalb in Kundenhand gelangt, fast alle Modelle der Vorserie dagegen wurden verschrottet oder ausgeschlachtet.
„Am nächsten Morgen habe ich das Auto gekauft“
Dass der Wagen jetzt in seiner Garage steht, verdankt er einer Kette von glücklichen Zufällen und Fügungen, die mit den Modellautos begonnen hat. Denn an die musste er denken, als er vor acht Jahren bei einer Dienstreise in Hamburg zufällig in einem Hotel landete, neben dem ein Oldtimer-Händler ein 1966er Mustang Coupé verkaufte. „Eine Nacht habe ich darüber geschlafen und am nächsten Morgen das Auto gekauft“, erinnert sich Krämer.
Den Hamburger Mustang hat er für einen 1967er Fastback S-Code verkauft, den er übers Internet in Kanada gefunden hatte. Von diesem Fahrzeug wurden nur zwei baugleiche Exemplare hergestellt. Dann hat er in Deutschland den 1968er Shelby GT500 in Lime Gold entdeckt, bei dem er einfach nicht nein sagen konnte – zumal die Farbe zum Modellauto passte. Und dann fand er plötzlich die Anzeige eines älteren Mannes aus Helsinborg, der nach Amerika auswandern wollte und seine Mustangs nicht mitnehmen konnte. „Als ich die Seriennummer #123 gesehen habe, war ich wie elektrisiert und saß tags drauf im Auto nach Schweden“, erinnert sich Krämer.
Trotz der gründlichen Recherche hat Krämer die Geschichte seines Mustangs bis heute noch nicht komplett aufarbeiten können. Jahr für Jahr arbeitet er sich zurück und weiß nur, dass der Schwede den Wagen frisch restauriert aus Amerika hat kommen lassen. Davor stand er auf einem Schrottplatz in der Nähe von Los Angeles, war ausgebleicht und ziemlich ausgebeint. Allerdings hatte der damalige Besitzer einen Großteil der Originalteile ausgebaut und aufbewahrt.
Wie viel er für den Mustang mit der Seriennummer 5F08F100123 bezahlt hat, will Krämer lieber nicht sagen. Aber als vor ein paar Tagen auf der Technoclassica in Essen ein 1964 1/2er verkauft wurde, hat der Besitzer dafür sagenhafte 100 000 Euro verlangt, sagt der Sammler: „Und das Auto war ein paar Wochen jünger.“
