
Der französische Hersteller PSA will die Innenräume seiner Fahrzeuge voll auf Wohlfühlfaktoren ausrichten. Die neue Ausstattung wird in den Marken Peugeot, Citroën und DS nach Zielgruppe sortiert.
Wo die Kraft der Motoren aus Gründen, die in Verkehrsdichte und Gesetzgebung ihren Ursprung haben, an Bedeutung verliert, fahren neue Prioritäten vor. Das Leben an Bord soll ein harmonisches sein, im besten Fall das in einer Oase der Entspannung, in der sich Fahrer und Mitreisende individuell ihr Wohlfühlklima einstellen können und den Stress vor der Autotür lassen. Alle Sinne wollen die Entwickler ansprechen, Auge, Ohr, Nase und Tastsinn schmeicheln, Aggressivität aus dem Leben nehmen, und dem Biorhythmus soll das Auto auch noch folgen. Der französische Hersteller PSA will deshalb die Innenräume seiner Fahrzeuge voll auf Wohlfühlfaktoren ausrichten, die neuen Ausstattungsmöglichkeiten werden in den Marken Peugeot, Citroën und DS nach Zielgruppe sortiert und in der Modellhierarchie von oben nach unten eingeführt. Beginnen soll der Zauber 2016.
Die Entwickler setzen auf Licht, das aus Türtafeln, Armaturenträger und Decke scheint. Sie bearbeiten die Musikanlage mit digitalen Kniffen, so dass jeder Lautsprecher einzeln angesteuert werden kann. Praktischer Nebeneffekt des tönenden Aufwands im Alltag: Spricht das Navigationsgerät „links abbiegen“, ertönt die Stimme auf der linken Seite. Auch das Blinkergeräusch ertönt links beim geplanten Linksabbiegen und rechts, wird der Blinker rechts gesetzt. Die Reinkarnation des Wunderbaums ist an der Lüftung untergebracht, drei verschiedene Parfüms werden auf Wunsch zerstäubt. Favorit der Kundschaft sei Mango, sagen die Connaisseure, auf Platz zwei folgt Vanille. Die Klimaregelung sorgt nicht nur für die rechte Feuchte, sie hält dank neuer Filter auch kleinste Schmutzpartikel fern – was vor allem die nicht mehr ohne Luftverschmutzungs-App lebenden Chinesen schätzen lernen sollen. Die Sitze massieren, sie fahren (im Stand) samt Fußstütze in Liegeposition, am Nacken wird wohlig-warme Luft gepustet.
Je nach Stimmungslage werden Kombination und Intensität aller Einrichtungen geregelt. So lässt sich in der Pause ein virtueller italienischer (!) Marktplatz einspielen, wer die Augen träumend schließt, sieht die nette Familie von Dolce&-Gabbana durch die Toskana radeln. Popkonzert oder Oper? Wird gern gegeben, während am Rücken die Massagekissen auf und ab laufen und die Lichtröhren im Glasdach den Innenraum in sanftes Cremeweiß tauchen. Es geht auch anders: Erkennt die Kamera im Armaturenträger während der Fahrt, dass der Fahrer einzuschlafen droht, löst sie ein Gewitter aus. Ein Blitz, langsam heller werdendes Licht, die Musikanlage bläst zum Marsch. Nur Kaffee wird noch nicht gereicht. Recht hübsch ist die Idee, den Raum der Familie aufzuteilen. Ist es in der Realität ja meist so, dass die Eltern hundemüde vorn sitzen und der Nachwuchs putzmunter hinten, soll die Zwei-Zonen-Einstellung durch Geruch, Sitzposition und Musik vorn für belebende Momente sorgen und hinten den Dämmerzustand befördern.
Was all das kosten wird? Das wisse man noch nicht, beteuert das Entwicklerteam. Nur dass die Menschheit derlei braucht, da sind sich die Franzosen ganz sicher.
