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Eine Probefahrt mit dem Motorrad Horex VR6 Roadster

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Ein historisches Comeback, ein klangvoller Name, ein Motorrad voller Klang: Unser Beisammensein mit der Horex VR6 Roadster hinterlässt Rätsel.

Frank Vollmer, der Clubkapitän, fährt das Tor seiner Garage hoch und sagt: „Ich lasse sie mal an. Damit Sie hören, wie eine Horex klingt.“ Zunächst tut sich nichts, als er den Kickstarter seiner 350er Regina mit Seitenwagen von 1953 bearbeitet. Vollmer tritt. Er tritt noch mal, macht eine kurze Pause, holt Luft, „Vorführeffekt“. Doch dann kommt sie. Anfangs – pötpötpöt – noch zögerlich, bald bollert die Regina satt, dumpf und gleichmäßig. Herrlich! Zufrieden lauscht der Boss des Horex-Clubs Taunus dem Sound aus der Tiefe deutscher Motorradgeschichte.

Die Gegenwart steht direkt daneben. 60 Jahre jünger ist die Horex VR6 Roadster, mit der wir uns zu Frank Vollmers Garage aufgemacht haben. Die hört sich ganz anders an als eine Regina, aber auch nicht schlecht. Genau genommen: umwerfend. Das rotztrockene Gewitter ist so einzigartig wie das ganze Motorrad mit seinem 161 PS starken 1,2-Liter-Sechszylinder-VR-Motor. Der ist ein Novum in der Motorradwelt, Kreuzung aus V- und Reihenmotor. Im engen Winkel von 15 Grad stehen sich zwei versetzt angeordnete Zylinderreihen mit gemeinsamem Zylinderkopf gegenüber und knurren sich gegenseitig an. Kompakt ist dieser Kraftklotz, macht ein Spektakel, als sei bei der Entwicklung ein Einsatz abseits der Rennstrecke nie ein Thema gewesen. Schon im Stadtverkehr klingt die neue Horex nach Schikane Monza, grenzwertig laut. Vrrroaaaaaaaarrr brabrabrab statt pötpötpöt.

Aber erst mal muss der Anlasser schwer schuften, auch die Neue ziert sich beim Starten. Das ist neben dem Namen die zweite Gemeinsamkeit mit der Alten. Weitere sind nicht zu entdecken beim direkten Vergleich, abgesehen vom – modernisierten, weniger verschnörkelten – Firmenemblem mit Krone und großem H auf dem Tank. Auch auf der Glühlampenabdeckung im Scheinwerfer ist es zu entdecken, ein hübsches Detail. Stückzahlen wie einst die Regina wird die VR6 Roadster niemals erzielen – zu exotisch, zu exklusiv, zu teuer. 22.500 Euro plus Nebenkosten werden verlangt.

Der Name zieht noch heute

In den Spitzenzeiten des Wirtschaftswunders lief in Bad Homburg alle sieben Minuten eine Horex vom Fließband. Regina, Imperator, Resident. Mitte der Fünfziger brach die Nachfrage nach Motorrädern ein, es ging bergab: 1958 Produktionsstopp- 1959 Auflösung der Fabrik- 1960 Übernahme des Werks, des Inventars und der Belegschaft durch Daimler-Benz. Seit 2012 existiert in Bad Homburg ein Horex-Museum, das vom Aufstieg und Niedergang der Marke erzählt. Nebenbei wird verdeutlicht, worin die Verbindung besteht zwischen einem Motorrad mit VR6 und Einkochgläsern mit Gummidichtung zum Haltbarmachen von Lebensmitteln.

Kurzer Rückblick ins Eingemachte: 1923 gründet der junge Fritz Kleemann die Horex Fahrzeugbau AG. Für den Namen nimmt er das Ho aus Bad Homburg und das Rex der Rex-Conservenglas-Gesellschaft seines Vaters, des Kommerzienrats Kleemann. Jener erwirbt mit Mitteln aus dem Verkauf seines Betriebs an das Unternehmen Weck die Mehrheit an der Oberurseler Columbus-Motorenbau AG, die nach Bad Homburg zieht und mit Horex zu den Horex-Columbus-Werken fusioniert wird. Die Motorräder tragen fortan den Namen Horex.

Dieser Name zieht noch heute, auch wenn er verblasste in den Jahrzehnten seit der Schließung, in denen die Markenrechte von Hand zu Hand gingen. Die Comic-Figur Werner und ihr „Red Porsche Killer“ brachten ihn in den Achtzigern noch einmal ins Gespräch, dann wurde es wieder still, bis 2010 die neue Horex GmbH mit ihrer VR6-Idee mutig die Bühne betrat. Etwa 15 Veteranen-Klubs pflegen das Erbe, es existieren nach Schätzungen von Frank Vollmer noch gut 1000 historische Horex-Motorräder.