
Die neue C-Klasse ist gestartet, sicherer, sparsamer, stylischer und luxuriöser. Auch ihre Vorgänger hatten es in sich. Ein Blick auf die Anfänge und in die Zukunft des Sterns.
Im August ist das südliche Italien ein hitziger Ort. Vor allem für Fliegen, und für Männer mit Socken und Sandalen und in kurzen Hosen. Die Fliegen kleben an der Front der Rekordwagen, und die Männer sind Mechaniker und Ingenieure, die auf der Renn- und Versuchsstrecke einen nicht alltäglichen Fahrversuch begleiten: Mit drei in ihrer Technik serienmäßigen Mercedes 190 E 2.3-16 sollten auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Nardo die Rekorde fallen und Beweise erbracht werden, dass die dritte Baureihe der Sternmarke nicht das fünfte Rad am Wagen war. Bei 40 Grad Celsius auf der Strecke und bei 50 Grad im Auto. Der Versuch gelang und die drei Mercedes-Benz 190 der Baureihe W 201 rannten vom 11. bis zum 21. August 1983 in Süditalien zu drei Rekorden über 25.000 und 50.000 Kilometer und über 25.000 Meilen und stellten etliche weitere Klassenrekorde auf. Damit war klar: der kleine Mercedes 190 war für große Taten geeignet.
Autor: Wolfgang Peters, Jahrgang 1946, freier Autor in der Wirtschaft.
Die Ausweitung des Modellangebots war damals nicht unumstritten. Aber als die Entscheidung gefallen war, lief keiner der Vorstände aus dem Ruder, und Designer Bruno Sacco präsentierte eines seiner Meisterwerke: der 190er war neu und frisch, konzentriert und schnittig, und er war auf den ersten Blick als Mercedes-Benz zu erkennen. Das ist noch heute, im Frühjahr 2014 so wie im späten Herbst des Jahres 1982 zur ersten Präsentation des 190er im spanischen Andalusien. Und dann purzelten im Sommer 1983 die Rekorde auf der Rundstrecke in Nardo, mit 250 km/h als Durchschnitt über 201 Stunden und 39 Minuten sowie 43 Sekunden, also fast immer Vollgas und knapp 260 km/h auf dem analogen und prima ablesbaren Tacho, ein bisschen Lenken mit hoher Konzentration, wenig Bremsen, nur zum Tanken und zum Pinkeln raus und zum Säubern der Scheiben. Wegen der Fliegen.
Leichter, viertüriger Sportwagen
Das Renngerät waren Alltagsautos mit Premierenmaschinen: der 190er war ja mit zwei identischen Zwei-Liter-Vierzylinder-Motoren gestartet, die Vergaservariante kam auf 90 PS (66 kW) und der Einspritzer auf 122 PS (90 kW), alles keine Höllenkräfte, 175 oder 195 km/h liefen die ersten 190er. Jedem war klar, dass Mercedes nachlegen musste. Und 1984 war es so weit: der 190 E 2.3-16 kam, und er lief besser, als er sich aussprechen ließ. Der gut klingende Vierventilmotor mit 185 PS (136 kW) machte aus dem seriös-langweiligen Baby-Benz einen viertürigen Sportwagen, der gerade mal 1294 Kilo auf die Waage brachte, 231 km/h nach kurzem Anlauf und ohne Transpiration erreichte und aus dem Stand in 7,9 Sekunden auf 100km/h kam.
Damals hatte BMW in der Dreier-Reihe das Nachsehen und wer als BMW-Freund in dieser Klasse wirklich zügig zum heftig bespoilerten Vierventil-Mercedes aufschließen wollte, musste bei Alpina in Buchloe vorstellig werden. Knapp 60.000 Mark kostete der BMW Alpina B6 mit 2,8-Liter-Reihensechser und der Vierventil-Mercedes kam auf gut 52.000 Mark, fast das Doppelte der Basisversion. Der einzige Dreier, der dem Vierventil-Mercedes damals das Wasser reichen konnte, resümierte das Fachblatt Auto, Motor und Sport stamme nicht vom Werk, sondern von Alpina. Ein Lob, mit dem Burkard Bovensiepen bis in die Gegenwart zu wuchern weiß.
Sicherer, sparsamer, stylischer, luxuriöser
Wer nur auf die technischen Eckdaten der 190- und der C-Baureihen blickt, mag am Fortschritt zweifeln. Denn der flammend neue C200 kommt auf rund 36.000 Euro, weist trotz intelligentem Leichtbau bis in die kleinste Schraube hinein, ein Leergewicht von 1445 Kilo auf und holt aus seinem 2,0-Liter-Vierventil-Vierzylinder 184 PS (135 kW) heraus, die ihn zu 237 km/h befähigen: 6 km/h mehr in der Spitze als vor 30 Jahren. Doch der neue C200 ist sicherer, sparsamer, vernünftiger, stylischer, komfortabler und luxuriöser. Aber der alte 2.3-16 fasziniert auf jedem Kilometer mit seiner klaren Formensprache, mehr Maschine als Designobjekt und mit einem Innenraum, der ganz ohne Firlefanz auskommt und der keinen Zweifel daran lässt, wem die Konzentration gilt: der Fahrer hat drei runde analoge, richtig mechanisch arbeitende Instrumente mit weißen Ziffern und Zeigern vor sich und einfache Lüftungsgitter, die nicht aussehen wie Austrittsöffnungen unbekannter Waffensysteme zur Abwehr von Aliens.
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