
Vernunft paart sich mit Fröhlichkeit: In die Welt der Kleinwagen kommt 2014 richtig Schwung. Der Salon in Genf ist die Ouvertüre für ein Rudel Minis mit Gute-Laune-Genen.
Lust auf fröhliche Einkaufswagen für die Stadt? Die gute Laune machen, sich in Enthaltsamkeit üben und erfüllbare Ansprüche stellen? Dann sind Genf und der dortige Salon die richtige Adresse. Oder die nachfolgenden Zeilen, denn der Autofrühling, der traditionell über den Lac Léman nach Europa hereinweht, ist heuer ein Strauß duftender Verführungen, der die Botschaft trägt: Klein wagen. Ja, im Jahr 2014 wird der atemraubende Lamborghini Huracán gereicht, das S-Klasse-Coupé von Mercedes-Benz trägt selbstbewusst auf, und der Ferrari California atmet erstmals seit zwei Jahrzehnten kraftvoll mit Turbo ein.
Doch die Stars sind diesmal Sternchen, und sie treten gleich im Rudel auf. Mit feschen Formen, frechen Farben, Smartphone Inside und Motoren, deren Normverbrauchswerte mit einer Drei vor dem Komma beginnen, wollen sie die Herzen junger und jung gebliebener Käufer erobern. Selbst Opel schüttelt den Staub aus den Federn und spendiert seinem Adam eine fesche Variante für Stock und Stein, die sie Rocks nennen und die durch ihr großes Rolldach Perspektiven eröffnen soll, die in Rüsselsheim schon vergessen schienen.
Renault Twingo als Herzensbrecher
Wir glauben freilich, dass der Herzensbrecher des Jahres Renault Twingo heißt. Der kleine Franzose ist das Filetstück des bisherigen Wirkens von Laurens van den Acker und seinem Designteam. Den R5 im Blick, ist eine moderne Interpretation (manche meinen, nicht zu Unrecht, den Fiat 500 zu erkennen), gepaart mit pfiffigen Ideen, entstanden. Der neue Twingo wird von einem im Heck verstauten Motor über die Hinterräder angetrieben, was er vor allem der Kooperation mit Daimler und dessen Kleinstwagendependance Smart zu verdanken hat.
Etwaige dynamische Tücken sollen ihm elektronische Helfer austreiben, ohne den Fahrspaß zu sterilisieren. Seine Proportionen sind knackig, und im zwar vollständig mit hartem Kunststoff ausgeschlagenen, aber fröhlich zubereiteten Innenraum ist überraschend viel Platz. Vorn können auch größere Erwachsene ordentlich sitzen, hinten genügt der Raum – vor allem wegen der geringen Dachhöhe – indes nur für Kinder. Dass die vorderen Sitze (wie auch im Peugeot 108 et al.) feststehende Kopfstützen haben, ist billiger in der Herstellung, gibt aber schlechte Haltungsnoten. Unsere Physiotherapeutin hat schon mal einen Terminblocker eingetragen.
Der Twingo sieht wegen seiner hinten versteckten Türgriffe aus wie ein Zweitürer, es gibt ihn aber stets mit vier Türen. 3,59 Meter ist er kurz, das jetzige Modell ist zehn Zentimeter länger. Dennoch verspricht Renault gesteigerte innere Werte, der Radstand hat um 13 Zentimeter auf 2,49 Meter zugelegt. Und weil sich nicht nur die Rückbank im Verhältnis 50:50 umlegen lässt, sondern auch die Lehne des Beifahrersitzes auf Wunsch wegklappt, passt das Standardmaß aller Innenraumdesigner, ein Billy-Regal, hinein. Der Wendekreis von nur 8,65 Meter verspricht zudem freudvolle Wuseligkeit im Großstadtgetümmel. Wer einmal gesehen hat, wie der Twingo im Kreis fährt, glaubt ein ferngesteuertes Spielzeugauto vor sich zu haben.
Zum Vortrieb stehen zunächst zwei Dreizylinder bereit, ein Ein-Liter-Saugmotor mit 70 PS und ein 0,9-Liter-Turbo mit 90PS. Besondere Verdienste haben sich die Maschinchen von Renault bisher nicht erworben, mit dem Twingo sollten sie leichteres Spiel haben. Wegen des doppelten Bodens ist später eine Variante mit Elektromotor denkbar. Und ein heißes Eisen wird auch kommen. Wie heute üblich ist für Smartphones gesorgt, die über Navigation, Radio, Telefon und persönliche Daten herrschen. Auf Wunsch öffnet ein elektrisch betätigtes Stoffdach Horizonte.
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