
Ford hat den umfangreich überarbeiteten Focus vorgestellt: Die Karosserie wirkt cleaner, die vollgepackte Innenkonsole wurde erleichtert und in Fragen der Sicherheit will Ford auch noch ein Zeichen setzen.
So ungerecht kann die Welt sein. Ford stellt seinen Bestseller Focus umfangreich überarbeitet ins Scheinwerferlicht, und keiner merkt es. „Da sieht man, welch guten Job unser Fiesta macht“, spricht sich einer der Manager Mut zu. Des Rätsels Lösung: Der Focus trägt nun die Nase des kleineren und im Straßenbild wohlbekannten Fiesta, dem wiederum vorn gewisse Ähnlichkeit mit den Pretiosen von Aston Martin nachgesagt wird. In der Mitte seines Lebens hat Ford also den Focus aus seinem Alltag geholt, der ein grauer zu werden drohte. An der Front funkelt ein großer Kühlergrill mit einer hübschen Menge Chrom, die Nebelleuchten sind rechteckig statt rund, und am Heck sind die Schlusslichter etwas gerader geschnitten. Die Flächen der Karosserie wirken – neues Lieblingswort vieler Designer – cleaner. Man könnte auch sagen, der Auftritt hat die letzten Ecken und Kanten abgelegt und ist nun gefälliger, aber auch beliebiger.
Innen ist die Truppe mit jener Rücksichtslosigkeit vorgegangen, die ein Modell zulässt, ohne es komplett neu auf die Räder zu stellen. Dem ewigen Genörgel an der vollgepackten, mit Tasten übersäten und unübersichtlich zubereiteten Mittelkonsole wollte sich Ford nicht länger aussetzen. Also sind der zentrale Drehregler und einige seiner untergeordneten Kompagnons entfallen, die übrigen Schalter sind neu geformt, sie rasten feiner, fühlen sich angenehmer an und sehen freundlicher aus. Für die meisten Befehle zeigt sich ein deutlich größerer Farbbildschirm empfänglich, der auf Fingerdruck reagiert. Wem selbst das zu umständlich ist, der kann auf Spracheingabe setzen, die schlauer geworden sein soll. „Spiele Tom Petty“ soll genügen für Musikgenuss, im Gegensatz zu dem bisher notwendigen „Spiele die Band Tom Petty and the Heartbreakers“. Das Lenkrad dreht mit drei Speichen, es beherbergt weiterhin diverse Tasten und ist jetzt auf Wunsch beheizt.
Ab November erhältlich
In Fragen der Sicherheit und des Komforts will Ford ebenso Zeichen setzen. 18 Assistenten sind serienmäßig oder als Option an Bord, bis hin zu einem Parkplatzwächter, der längs oder quer zur Fahrbahn rangieren kann und dabei über zwei Sensoren im Heck noch vor seitlich herannahendem Verkehr warnt, wenn man rückwärts aus der Lücke rollt. Die Teppiche sind dicker als zuvor, das Glas isoliere besser, wird versprochen, all das komme dem Geräuschniveau im Innenraum zugute. Die Xenon-Scheinwerfer stellen sich gegen Zuzahlung auf die Umgebung ein, leuchten in der Stadt die Fahrbahn anders aus als über Land und richten sich auf Fußgänger oder Gegenverkehr ein. Gegnern hellweißen Lichts dürfte das letzte Argument genommen sein, wenn Blendungen ausbleiben, aber der Sicherheitsgewinn gegenüber den billigeren H4- oder H7-Funzeln erheblich ist.
Weniger Verbesserungsbedarf bestand am vielfach gelobten Fahrwerk. Es sei angepasst worden, heißt es. Man wird sehen, für Fahreindrücke stand das Auto noch nicht zur Verfügung. In den sportlicheren Varianten lässt sich die Automatik fortan per Schaltpaddel am Lenkrad zum Wechsel der Stufe überreden. Die Motorenpalette wird um zwei Aggregate erweitert, die beide die strenge Abgasnorm Euro 6 erfüllen und das branchenüblich werdende Standardmaß von 1,5 Liter Hubraum aufweisen. Der Benziner tritt in den Leistungsstufen 150 und 180 PS an, der Diesel mit 95, 105 und 120 PS.
Die Änderungen gelten für den Viertürer wie für den Kombi, beide sind von November an zu haben. Zum Preis verlautet noch nichts, der Wettbewerb wird nicht viel Spielraum lassen für Aufschläge. So erfrischt muss der Focus nun bis 2017 durchhalten. Vielleicht sogar länger. Da die Amerikaner ihre Autos als Weltautos konzipieren, werden die Produktzyklen länger. Zu welchen Verwerfungen diese Strategie führt, weiß jeder, der auf den neuen Mondeo wartet. Mit dem Einhalten von Zeitplänen hat es Ford derzeit nicht so.
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