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Man lebt nur zweimal

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Verführerische Motorräder zu attraktiven Preisen: Yamaha ist wieder da. Aber muss man deswegen so brüllen? Probefahrt mit der neuen MT-07.

Verblüfft schaut die Motorradwelt auf Yamaha. Was für eine Achterbahnfahrt, was für ein Comeback! Vom Giganten der Zulassungsstatistiken (ist Jahre her) zum mutlos wirkenden Loser (vor kurzem noch) zum aggressiven Rächer der drei Stimmgabeln.

Yamaha gestern: keine Neuheiten, zum Erbarmen blass. Der Absturz in den Verkaufsranglisten verlief so bitter, dass selbst Emporkömmlinge wie KTM und Triumph vorbeizogen. Im gesamten Jahr 2013 verkaufte das Unternehmen mit dem Stimmgabel-Logo in Deutschland nur 5434 Motorräder über 125 Kubikzentimeter Hubraum. In den besten Jahren gelang das in einem einzigen guten Monat.

Die Wende wirkt nicht so, als sei sie in einem nüchternen Konferenzraum mit dem Taschenrechner geplant worden. Es muss anders gewesen sein, viel leidenschaftlicher. Wahrscheinlich haben sie im Kreise der Verantwortlichen mal einen getrunken, sich dabei gefragt, ob sie das alles noch länger so hinnehmen wollen, und dann gemeinsam gebrüllt: „Nein!!“

Yamaha heute, das ist wiedererwachter Kampfgeist. Plötzlich bauen sie Bestseller mit Ansage. Brennende Ölfässer in einer düsteren Fabrikhalle, wilde Stunts, Qualm und quietschende Reifen zählten neulich zur Inszenierung der Pressevorstellung der MT-09. Man lebt nur zweimal, lautete die Botschaft, wir können auch anders. Bei jeder Gelegenheit wird seitdem die „dunkle Seite Japans“ beschworen. Zum Auftakt der Motorradmesse von Mailand wackelten den Anwesenden die Ohren, als Hiroyuki Yanagi, der Yamaha-Präsident, mit dröhnender Stimme mehrmals „Yamaha is back!“ ins Mikrofon stieß. Ein Vulkanausbruch. Da hatte sich offenbar etwas angestaut, das herausmusste.

Yamaha wird dieses Jahr einen satten Sprung nach vorn machen. Die Nachfrage nach dem neuen Klassik-Modell XV 950 übertrifft die Erwartungen, ebenso jene nach dem Einzylinder-Veteran SR 400. „Wir werden nachordern müssen“, frohlockt Deutschland-Chef Jörg Breitenfeld. Die SR 400, seit 35 Jahren praktisch unverändert, hat man aus dem Archiv hervorgezerrt, um Benzinhahn-Nostalgiker und Freunde des Kickstarters zu beglücken sowie Genügsame, denen 23 PS ausreichen. Geschickt nutzt Yamaha die Retrowelle sowie das Modethema „Customizing“, bietet Zubehörteile und ganze Bausätze an, mit denen der Kunde sein Fahrzeug umbasteln kann.

Ein Volltreffer wird besagte MT-09. Das günstige und dennoch attraktive Naked Bike mit explosivem 850-Kubik-Dreizylindermotor passt perfekt in die smarte Mittelklasse, die von vielen Motorradfahrern gerade neu entdeckt wird. Japan kann momentan gar nicht so viele liefern, wie in Europa verlangt werden. In Deutschland ist die MT-09 bis September vergriffen. Ähnliches zeichnet sich im Fall der kleineren, jetzt vorgestellten MT-07 ab, auch die ein echtes Kampfpreis-Produkt. Breitenfeld rechnet für 2014 mit jeweils 2500 bis 3000 Verkäufen der 09 und 07. Das heißt: Diese beiden Neuen allein werden eine Stückzahl zustande bringen wie die gesamte Yamaha-Palette im vorigen Jahr.