
Der Superyachtbau hat sich zu einer eigenen Industrie entwickelt. Wer hier Erfolg haben möchte, muss dem Kunden vor allem zeigen können, was der haben wollen könnte.
Auch wenn Superyachten in der Knallpresse gern als Spielzeug heutiger Oligarchen und Magnaten dargestellt werden – eine Entwicklung der jüngsten Zeit sind sie nicht. Es hat sie immer gegeben, nur nicht in der Menge wie heute. Früher hatte die Queen ihre „Britannia“, Präsident Truman seine „Williamsburg“, der deutsche Kaiser seine „Hohenzollern“. Ganz zu schweigen von den Yachten der Krupps, von Onassis – oder auch Saddam Hussein oder General Franco. Allen gemein war ihre Aufgabe als Repräsentationsfahrzeug, auf dem Empfänge gegeben, Partys gefeiert oder Verträge ausgehandelt wurden. Man zeigte gern, was man – oder das Land – sich leisten konnte.
Zum Fahren wurden die meisten großen Schiffe selten genutzt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Auf Kreuzfahrt geht kaum ein Besitzer mit seinem Palast. Üblicherweise wird er von der Crew an Ort und Stelle überführt, Eigner und Gäste fliegen ein. Staatsyachten gibt es – Ausnahmen sind zum Beispiel Dubai („Dubai“, 162 Meter) oder Saudi-Arabien („Azzam“, 180 Meter) – kaum noch. Als eines der letzten Staatsoberhäupter musste die Queen ihr geliebtes Schiff in Rente schicken, weil dem Volk die immensen Kosten dafür nicht mehr zu vermitteln waren. Rund zehn Prozent des ehemaligen Neupreises verschlingen im Jahr Betrieb und Instandhaltung, wie Branchenkenner schätzen. Mit umgerechnet 30 Millionen Euro wurden die Kosten für die 125 Meter lange „Britannia“ im letzten Betriebsjahr 1997 angegeben.
Wenn sich heute ein Privatmann ein Schiff dieser Größenordnung leistet, geht es meistens weniger ums Zeigen als ums Verstecken: „Paradoxerweise wird das Schiff als Ziel wichtiger als der Gegenstand Schiff an sich“, sagt der Designer Philippe Briand. „Es wird in einer turbulenten Welt zum Rückzugsort, an dem der Eigner sich mal ausschließlich vergnügen kann: Traum des Hedonisten.“ Das Selbstfahren ist eine Ausnahmeerscheinung, und das hat Auswirkungen auf die Konstruktion. Die Mannschaft soll den Dampfer mit möglichst geringem Energieaufwand von einem Ort zum andren bringen und fährt langsam. Der Traum des Entwicklers vom Bau schlanker, flacher, schneller Yachten bleibt meist unerfüllt.
Bis man seine Freunde nicht mehr findet
Die niederländische Feadship-Werft hat in jüngster Zeit zwei solcher Schiffe ausgeliefert: 2013 die „Venus“, vermutlich das Schiff des vor der Fertigstellung gestorbenen Steve Jobs, sowie „Project Dream“. Die ist mit 99 Meter Länge die größte jemals in den Niederlanden gebaute Yacht. Das innen wie außen von Winch Design gestaltete Objekt ist immens langgestreckt, hat fast aerodynamisch flache Aufbauten und einen langen, eleganten Steven. Hier ging es offenbar ausnahmsweise einmal nicht um eine möglichst hohe Ausbeute an Raum und Fläche, sondern vorwiegend ums äußere Erscheinungsbild. „Sie sticht aus der Masse hervor, wo immer sie auftaucht“, sagte Winch zur feierlichen Taufe.
