
Andere würden so ein Auto in einer klimatisierten Garage wegsperren. Doch Guy Newmark fährt seinen 50 Jahre alten Porsche 356 täglich – seit mehr als 980.000 Meilen.
Als Guy Newmark hier zum ersten Mal in seinem blauen Sportwagen entlanggefahren ist, dudelten die Beach Boys im Radio noch rauf und runter, und nirgends wurde so viel gesurft wie am Pazifikstrand zwischen Los Angeles und San Diego. Bald ein halbes Jahrhundert später spielen sie „Surfin U.S.A.“ nur noch auf der Oldie-Welle, und auch Newmark ist ein wenig in die Jahre gekommen.
Doch die Surfer sind noch immer da, und Newmarks blauer Porsche 356 glänzt hier in Manhattan Beach fast wie am ersten Tag. Dabei hat auch das zierliche Coupé in der Zwischenzeit einiges mitgemacht. Denn obwohl mittlerweile selbst fast 50 Jahre alt, wurde der Wagen bis heute nie geschont. Im Gegenteil: Weil Newmark ihn jetzt schon eine Ewigkeit fährt und sich mit seinen 69 Lenzen partout an kein anderes Auto mehr gewöhnen will, holt er ihn noch immer jeden Tag aus der Garage – und nähert sich deshalb langsam, aber stetig der Millionen-Meilen-Marke. 984 000 Meilen oder umgerechnet fast 1,6 Millionen Kilometer hat der 356er schon auf der Uhr, und es dürfte nicht viele andere Porsche geben, die diese Laufleistung je erreicht haben. „Was kann einem Auto Besseres passieren als regelmäßige Bewegung und dieses Wetter“, strahlt Newmark wie Brian Wilson in seinen besten Jahren und lässt den Blick so lange über den Strand schweifen, bis er am Ende doch wieder am Heck seines kleinen Coupés hängenbleibt. „Ich schau den Wagen jetzt schon so lange an und habe mich daran immer noch nicht sattgesehen“, schwärmt der alte Sonnyboy und schiebt schnell wieder die Mütze auf den kahlen Schädel.
Begonnen hat für ihn das Leben mit der Legende im Jahr 1968. Da hat ihm sein Vater den Wagen zum Highschool-Abschluss geschenkt. „Aber wahrscheinlich brauchte der nach vier Jahren einfach eine Ausrede, damit er sich einen neuen Porsche kaufen kann“, erinnert sich Newmark und legt wieder sein schelmisches Grinsen auf. Denn nach einem Austin-Healey, einem Jaguar E-Type und zwei Mercedes 300 SL hatte der alte Herr sein Herz nach Zuffenhausen verloren und wurde zum Stammkunden. So kam auch das blaue Coupé in die Familie: „Für nicht einmal 5000 Dollar hat mein Vater es einem Vertreter abgekauft, der den Wagen im Urlaub in Stuttgart übernommen hat, ein paar Etappen auf der Autobahn gefahren ist – und wieder zurück in Amerika – doch nicht so recht zufrieden damit war.“ Nach nicht einmal 1000 Meilen und acht Wochen haben die Newmarks den Wagen übernommen und ihn seitdem nicht mehr hergegeben.
„Anfangs bin ich mit dem Porsche oft 30.000, 40.000 Meilen im Jahr gefahren“, berichtet Newmark aus seiner Jugend. Als rechte Hand in Vaters Yacht-Geschäft musste er oft spontan durchs halbe Land, um irgendwelche Deals abzuwickeln. „Kein Fax, keine E-Mail, wenn du ein Boot kaufen oder verkaufen wolltest, musstest du die Unterschrift persönlich abholen. Also rein in den Porsche und rauf auf den Highway. Da kamen dann schon ein paar Meilen zusammen.“ Aber Newmark war mit Blue, wie er den Wagen liebevoll nennt, nicht nur in Scottsdale, Las Vegas oder Palm Springs. Er hat ihn auch zum Einkaufen genommen und damit sogar jahrelang sechs Kids zum Fußballtraining gefahren: „Fragen sie mich nicht mehr, wie wir das geschafft haben. Aber es ging.“
Dabei hat ihn der Porsche nie im Stich gelassen, und auch an Unfälle kann er sich nicht erinnern. Nur das eine Mal, als sein Vater nochmal fahren wollte, ist den beiden was ganz Dummes passiert: Es war nachts, es regnete in Strömen, und das Auto, mit dem sich Newmark Senior ein kleines Rennen bis zur nächsten Ausfahrt lieferte, entpuppte sich als Streifenwagen: „Der Blechschaden bei der kleinen Rempelei war da noch das kleinste Übel“, sagt Newmark und weiß, warum der Senior danach nur noch Beifahrer war.
