
Vor allem innen hat sich einiges getan. Der erneuerte Opel Insignia ist mit dem überarbeiteten Diesel aber auch sparsamer unterwegs und zeigt sich als Freund der Langstrecke.
Arge Schelte hat Opel in den vergangenen Jahren für seine Autos einstecken müssen: Wuchernde Formen, verschenkter Platz und gar nicht mehr zeitgemäße Infotainment-Systeme waren die wesentlichen Kritikpunkte. Dass davon auch das Spitzenmodell Insignia betroffen war, hat den Marketing-Strategen gar nicht geschmeckt. Zeichnete sich doch im Modellprogramm mit dem Erscheinen des neuen Flaggschiffs 2008 eine Beruhigung im Portfolio ab, die nach dem Auslaufen des erfolgreichen Omega und den unsicheren Schritten mit einem Modell namens Signum (auf Vectra-Basis) dringend erforderlich war.
Für seine zweite Lebenshälfte hat der als klassische Limousine oder Schrägheckwagen und Kombi erhältliche, 4,84 Meter lange Viertürer nun eine sorgsame Überarbeitung genossen. Formal hat sich außen kaum etwas geändert, innen dagegen finden sich höherwertige Materialien und eine erfrischende Klarheit der Armaturentafel. Besonders die einst mit einer Vielzahl von Knöpfen, Tasten und Reglern übersäte Mittelkonsole präsentiert sich nun aufgeräumt und ohne Missverständnisse bei der intuitiven Bedienung. Selbst die Grafik der Navigationskarten ist präzise und übersichtlich geworden, hier braucht Opels Bester den Vergleich mit den Wettbewerbern in seiner Klasse nicht zu scheuen.
Die moderne Technik schließt zum Potential der Premium-Anbieter auf. Nicht nur der acht Zoll große Monitor des iLink genannten Kommunikationssystems ist berührungssensitiv, auch eine kleine Kunststofffläche neben dem zentralen Kontrolldrehsteller auf dem Mitteltunnel erlaubt es, Buchstaben und Zahlen einzugeben. Alles ist kompatibel mit dem Smartphone, es kann mit der Anlage kombiniert werden, und so gelingt dem Insignia der Anschluss an die Welt der Kommunikation in gleich doppeltem Sinn.
Er brummt ohne große Vibrationen
Wenn all das den Gefallen des kontaktfreudigen Autofahrers findet, stellt er zudem fest, dass auch die Grundsätzlichkeiten, die das Autofahren einst angenehm machten, nicht vernachlässigt wurden. Ein ergonomisch korrekter Sitz erlaubt dem Vielfahrer lange Fahrten ohne Rückenbeschwerden. Opel hat dafür das Gütesiegel der „Aktion gesunder Rücken“ erhalten, nicht nur der Dienstreisende wird das zu schätzen wissen. 1.745 Euro Aufpreis kostet das Premium-Lederpaket für die Insignia-Ausstattungsversion Innovation, die den Innenraum zur Lifestyle-Lounge macht. Elektrische Sitzverstellung, Beheizung und Belüftung gibt es inklusive.
Wer den höchstmöglichen Sicherheitsstandard anstrebt, muss nochmals 1.190 Euro für das Innovationspaket ausgeben. Darin ist eine Frontkamera enthalten, die den Spurhalteassistenten mit Informationen versorgt, Verkehrsschilder zuverlässig erkennt und deren Gebote ins Display spielt. Auch die adaptive Tempoautomatik beherrscht die Frontkamera, sie hilft obendrein mit, Auffahrunfälle zu vermeiden oder zumindest ihre Schwere zu verringern. Zudem zeigt eine Rückfahrkamera den Fahrweg beim Rangieren hinter dem Fahrzeug, eine sinnvolle Hilfe, denn der Rückblick durch die schrägstehende Heckscheibe ist arg eingeschränkt.
Auf Knopfdruck springt der Zweiliter-Vierzylinder an und macht kein Hehl daraus, welchen Treibstoff er verbrennt. Brummig, aber mit geringen Vibrationen geht er ans Werk, spätestens bei Tempo 80 übertönen der Fahrtwind und das Abrollgeräusch der Reifen das Knurren des Diesel. 140 PS (103 kW) leistet er, maximal 350 Newtonmeter liegen bei 1.750 Umdrehungen in der Minute an. Das verleiht dem Insignia Durchzugskraft, 10,5 Sekunden für den Standardsprint sind zwar keine Meisterleistung, es müssen schließlich gut 1.600 Kilogramm in Schwung gebracht werden. Und das gelingt dem Selbstzünder, der in dieser Ausführung in vier Leistungsstufen von 88 bis 120 kW (120 bis 163 PS) angeboten wird, ohne Mühen. Die versprochene Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h erreicht der Insignia 2.0 CDTI ohne allzu langen Anlauf, das Rauschen des Fahrtwinds ist selbst bei Spitzentempo maßvoll.
Einige hundert Euro günstiger als ein vergleichbares Modell
Vorbildlich gibt sich der Motor in Belangen des Verbrauchs. Den Normwert von 3,7 Liter Diesel (99 g/km CO2-Ausstoß) auf 100 Kilometer konnten wir zwar nicht nachvollziehen, aber mit einem Konsum zwischen 4,9 und 6,8 Liter, im Mittel 5,3 Liter, ist der Opel durchaus sparsam unterwegs. Um den Verbrauchsvorteil gegenüber dem Vorgänger zu erzielen, hat man tief in die Trickkiste gegriffen. Zuklappende Kühlerlamellen, das Absenken der Karosserie um einen Zentimeter und das zuverlässig arbeitende Start-Stopp-System führen in Verbindung mit Leichtlaufreifen sowie einem verkleideten Unterboden zum Erfolg. 70 Liter Tankinhalt erlauben daher große Reichweiten.
Das überarbeitete Fahrwerk lässt den Insignia geschmeidig und komfortabel über alle Fahrbahnbeläge gleiten, Einlenkverhalten und Präzision der Lenkung sind vorbildlich. Die manuelle Sechsgangschaltung funktioniert ebenfalls mit der erwarteten Genauigkeit, und die Bremsen beweisen Standfestigkeit, lassen sich überdies fein dosieren.
32.540 Euro kostet der Opel Insignia 2.0 CDTI mit Schrägheck in Innovation-Ausstattung mit dem 140-PS-Diesel, der Preis ist sogar einige hundert Euro günstiger als der eines vergleichbaren Hyundai i40. Überteuert war die Marke mit dem Blitz ohnehin nie wirklich, und was das Flaggschiff aus Rüsselsheim nach seiner jüngsten Überarbeitung an Fahrspaß und Komfort vermittelt, mündet in ein durchweg anständiges Verhältnis zwischen Leistung und Preis.
