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Ein Fiat Marke Frankensteins Monster

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Es ist der wahrscheinlich schnellste Fiat der Welt: Ins Heck eines alten Cinquecento steckte Gianfranco Dini einen V12-Motor von Lamborghini. Dafür haben ihm Interessenten schon mehr geboten, als für einen neuen Supersportwagen.

Eigentlich sieht Gianfranco Dini aus, als könne er kein Wässerchen trüben: ein netter Herr in den Fünfzigern und ein Automechaniker der vertrauenswürdigen Sorte, der in seiner kleinen Werkstatt am Stadtrand von Aquapendente noch jeden Fiat wieder zusammengeflickt hat.

Doch wehe, wenn es Nacht wird in dem Nest auf halbem Weg zwischen Rom und Florenz, wenn die Rolltore der Werkstatt geschlossen sind und sich Dini mit seinem Sohn und ein paar Freunden um das Wrack eines Cinquecento versammelt: Dann zeigt der freundliche Herr im Blaumann sein zweites Gesicht und wird zu einem Professor Frankenstein, der aus einem unschuldigen Fiat ein bitterböses PS-Monster macht. Denn wo früher mal ein asthmatischer Zweizylinder mit 0,5 Liter Hubraum und 18 PS röchelte, tobt jetzt der Zwölfzylinder eines Lamborghini Murcielago: 6,2 Liter Hubraum und 580 PS machen den tarnkappengrauen Cinquecento zum wohl wildesten Kleinwagen der Welt und zum wahnwitzigsten ohnehin.

Viel vom Original ist dabei nicht mehr übrig geblieben. „Die vordere Haube ist echt“, sagt Dini, und die Scheiben sowie die Dachlinie sehen ebenfalls verdächtig nach Fiat aus. Doch mit seinen weit ausgestellten Radhäusern und dem ultrabreiten Hintern sieht der Cinquecento aus wie Klein-Obelix nach dem Bad im Zaubertrank. Und unter der handgedengelten Karosserie steckt die komplette Lambo-Technik. Denn Dini hat nicht nur den V12 ins Heck gequetscht und ihn sogar noch hübsch in einem Glaskasten drapiert. Sondern auch der Allradantrieb, das Getriebe und die Achsen stammen aus Sant’Agata. Selbst die 18-Zoll-Räder in den vorn 245 und hinten sogar 335 Millimeter breiten Rennreifen tragen das Logo mit dem Kampfstier.

Alles fing mit einer Wette an

Wie gut der Lambocento letztendlich läuft, hat sein Erbauer noch nicht ausprobiert. Der passt mit seiner drahtigen Statur zwar spielend in die roten Ledersessel, und irgendwie findet er hinter dem Momo-Lenkrad mit dem Drehzahlmesser in der feststehenden Nabe auch eine halbwegs bequeme Sitzposition. Doch Vollgas zu geben, das hat sich Signore Dini noch nie getraut. „Spätestens bei Tempo 300 hat mich immer der Mut verlassen“, räumt er ein.

Der Lambocento ist nicht der erste Frankenstein-Fiat aus seiner Carrozzeria, sondern schon Nummer drei. Daneben parkt ein 500er mit einem Achtzylinder aus dem Ferrari 308, und die silberne Knutschkugel rechts daneben hat das Boxer-Herz eines Porsche 911. „Damit hat alles angefangen,“ erinnert sich Dini und erzählt von der Wette mit seinem Sohn Leonardo. „Der wollte einen Fiat 500 tunen, und ich wollte ihm zeigen, wie man das richtig anstellt.“ So kam plötzlich der Porsche-Motor ins Spiel, aber das Ei wollte klüger sein als die Henne, der junge Mann zweifelte an den Fähigkeiten des alten Herrn.

Ein paar Monate später waren diese Zweifel ein für allemal ausgeräumt, die Dinis hatten Blut geleckt, und irgendwie hatten sie plötzlich den Ferrari-Fiat am Wickel. Als sie auch damit fertig und auf eigener Achse zur Motorshow nach Bologna gefahren waren, kam ein blasiertes Nordlicht auf den Stand und wollte die Monster-Mechaniker eines Besseren belehren, erzählt Dini Senior. „Acht Zylinder sind ja schön und gut, aber einen V12, das schafft ihr nie“, hat er sie geneckt und ihnen die nächste Wette angeboten. Die Dinis haben nicht lange überlegt und die Herausforderung angenommen. Danach folgten zwar ein paar schlaflose Nächte und 3.000 Arbeitsstunden, bis das heisere Brüllen eines 6,2 Liter großen Zwölfzylinders die Stille zerriss.

Kaufanfragen aus der ganzen Welt

Eigentlich hat Dini die drei PS-Bolzen-Cinquecentos aus purem Übermut gebaut. Doch mittlerweile hat er eine Art modularen Monsterbaukasten entwickelt, mit dem er angeblich jeden noch so großen Motor in den kleinen Fiat bekommt. „Selbst der Sechzehnzylinder des Bugatti Veyron würde passen“, behauptet Dini.

Doch in der Werkstatt wird der Platz knapp. Deshalb denkt Dini ernsthaft darüber nach, seine Frankenstein-Fiats zu verkaufen. Entsprechende Anfragen kamen schon aus den Emiraten, aus Russland, Japan, China und Amerika. „Und manch einer hat mehr für das V12-Modell geboten als für einen neuen Lamborghini“, berichtet Dini mit stolzgeschwellter Brust. „Doch schwach geworden bin ich dabei noch nicht.“

Wenn der Preis stimmt, dann würde er sich nicht nur von seiner fahrenden Kanonenkugel trennen, sondern gleich eine ganze Serie auflegen. Die Nachbarn mit ihren Traktoren würde er natürlich trotzdem weiter betreuen, und einen rostigen Alfa würde er auch nicht vom Hof scheuchen. Doch nachts, wenn es dunkel wird im Industriegebiet von Aquapendente, dann wäre plötzlich noch mehr Leben in seiner Halle.