Auto & Verkehr

Motoren statt Munition

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2015 eröffnet in Berlin auf der Havelinsel Eiswerder ein neues Meilenwerk mit größerem Angebot. Neben Oldtimern wird sich auch das klassische Handwerk präsentieren.

Der Monarch wäre vermutlich stolz gewesen: Sein „Königliches Feuerwerkslaboratorium“ auf der Havelinsel Eiswerder in Berlin-Spandau, 1870 bis 1915 gebaut und ehedem eine Lager- und Werkstätte für die Munitionsproduktion, erhält eine neue Nutzung mit Zukunftspotential. Munition war gestern, Motoren sind heute: Das Gebäudeensemble wird ein „Meilenwerk“ – eine Stätte für die Liebhaber alter Autos und, erstmals unter dieser Firmierung, auch für diverse weitere feine Dinge des Lebens.

„Rund zehn Jahre nachdem wir in der Hauptstadt das erste Meilenwerk für klassische Automobile und Liebhaber-Fahrzeuge initiiert haben, setzen wir in Berlin unser neues Forum für Fahrkultur mit deutlich erweitertem Konzept um“, sagt Martin Halder, Geschäftsführer der Meilenwerk AG. „Die Havelinsel Eiswerder ist dafür ideal. Ein Kleinod mit Park- und Grünflächen und erhaltenswertem historischem Gebäudebestand, welches doch ganz nahe beim Berliner Zentrum liegt und mit Auto und Boot in wenigen Fahrminuten erreicht ist.“

Die rund 140.000 Quadratmeter große Insel liegt im Berliner Nordwesten in der zum Spandauer See erweiterten Havel nördlich der Spandauer Zitadelle. Zwei Straßenbrücken verbinden sie mit den Ufern der Havel, die Eiswerderstraße über die Insel ist öffentlich. Etwa 15 Minuten Fahrzeit sind es mit dem Auto bis zum Kurfürstendamm, die Stadtautobahn ist innerhalb von zehn Minuten zu erreichen.

Ein Paradies für Freunde traditioneller Dinge

Das Unternehmen will Eiswerder zur „Insel der schönen Dinge“ machen. Sie bietet dann in den historischen Gebäuden neben dem bewährten Angebot rund um klassische Fahrzeuge auch viel Platz etwa für traditionelles Handwerk, Manufakturen und Anbieter edler Genusswaren. Handgefertigtes Schuhwerk, Instrumentenbau, mechanische Uhren, Lebensmittel, Zigarren und Kunst: Das und noch viel mehr soll von Frühjahr 2015 an unter dem Dach des Meilenwerks offeriert werden. Insgesamt sind 45 bis 50 verschiedene Anbieter geplant. Allen gemeinsam ist das Prinzip des gläsernen Betriebs- bisher schon kann man in den Meilenwerken in alle Einzelunternehmen hineinschauen und so zum Beispiel eine Restaurierung verfolgen. Künftig erhält das Auge dann eine noch größere Vielfalt. Abgerundet wird die Konzeptplanung von einem eigenständigen Wohnungsbauprojekt mit Wohnraum in saniertem und denkmalgeschütztem Altbau. Als Zuhause für temporäre Eiswerder-Bewohner ist ein ebenfalls neu zu errichtendes, elegantes Hotel mit rund 100 Zimmern gedacht, das zugleich ihre Verweildauer verlängern soll.

Hinzu kommt der Charme einer Insel, mitten in der Hauptstadt gelegen. Somit auch zu Wasser erreichbar – mit dem Privatboot oder eventuell per Tourismus- und Linienverkehr. Kein Wunder, dass das Meilenwerk künftig ebenfalls Dienstleistungen rund um Wasserfahrzeuge anbieten wird, vornehmlich klassischer Machart und am besten mit viel Holz, glänzendem Metall und fein verarbeitetem Interieur. Traditionelle Fahrkultur spiele sich eben nicht nur auf der Straße ab, heißt es vom Unternehmen.

Somit: Mitten in Berlin entsteht ein Paradies für Freunde traditioneller Dinge und der Sinnlichkeit. So zumindest versteht Halder das Konzept: „Ein historisches Auto ist Ausdruck eines Lebensstils. Wer eines hat, zeigt oft auch Affinität zu anderen schönen Dingen des Lebens.“ Ebenfalls breiter aufgestellt werden die gleichfalls neuen Meilenwerke in Zürich und Hamburg sein, deren Eröffnung für 2014 respektive 2015 geplant ist.

Im Frühjahr 2015 soll schon alles fertig sein

Seit 2003 hat das Meilenwerk drei Oldtimer-Standorte in Berlin (2003), Düsseldorf (2006) und Böblingen bei Stuttgart (2009, in Kooperation mit der Activ-Group, Schemmerhofen) entwickelt und lizenziert. 2011 wurden die Lizenzverträge für die Standorte Berlin und Düsseldorf aufgelöst – sie gehören nicht mehr zum Meilenwerk-Markenverbund. Halder bezeichnet die Meilenwerk-Projekte als eine klassische Immobilieninvestition. Diese werden nach dem Prinzip eines Shoppingcenters mit allen am Standort angesiedelten Unternehmen organisiert und geführt. Entwickelt wurde das Konzept bereits im Jahr 1998.

Die Gebäude des „Königlichen Feuerwerkslaboratoriums“ in Berlin werden denkmalgerecht saniert. Insgesamt sollen sie rund 18.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche bieten, von denen rund 14.500 Quadratmeter vermietbar sind. Die Übergänge zwischen den Gebäuden werden als Atrium überdacht. Zusätzlich ist ein Neubau für moderne Liebhaberfahrzeuge und Sportwagen geplant. Ein weiterer Pluspunkt ist das sogenannte Eventufer mit einer Fläche von 3500 Quadratmetern. Es eignet sich für Veranstaltungen, die einen direkten Havelanstoß suchen.

Trotz des erweiterten Konzepts: Das Auto werde auch im Meilenwerk auf Eiswerder im Mittelpunkt stehen, versichert Halder, mit dem bewährten offenen und angenehmen Charakter aller bisherigen Meilenwerke, bei freiem Eintritt für jedermann. Damit pflegen die Meilenwerke gewissermaßen die demokratisierte Oldtimer-Leidenschaft. Doch noch ist es in der Hauptstadt am neuen Standort nicht so weit. Die Planungen zusammen mit dem renommierten Architekturbüro Müller-Reimann, Berlin, schreiten voran, und der Beginn der umfassenden Bau- und Sanierungsmaßnahmen steht kurz bevor. Im Frühjahr 2015 soll dann schon alles fertig sein – pünktlich zum Start in die Oldtimer-Saison.