Auto & Verkehr

Saugt und presst

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Ferrari zieht am 458 Speciale alle technischen Register. Die 235.000 Euro teure Sonderversion des 458 Italia dient vor allem jenen Fahrern, die ihr Wochenende gern auf einer Rennstrecke verbringen.

Edle Sportwagen zu bauen, die Autobegeisterte träumen und die Konkurrenz staunen lassen, kann auch eine Last sein. Denn die Kleinserien bringen nicht immer genügend Mittel, um die Entwicklung atemberaubender Autos zu finanzieren. Wenn sie dann fertig sind und mit Erfolg präsentiert werden können, gilt es, über viele Jahre mit dem Verkauf des gleichen Modells das investierte Geld hereinzuholen, ohne dass die regelmäßige Präsentation anderer Baureihen hilft, die Marke frisch zu halten. Hersteller von Sportwagen in kleinen Serien müssen daher Talent entwickeln, mit wenig Aufwand immer neue Versionen zu entwickeln, sei es mit besonderem Design, besonderer Leistung oder sportlicher Härte. Der italienische Sportwagenbauer Ferrari hat diese Taktik bisher zur Meisterschaft entwickelt.

Das neueste Modell mit dem Namen 458 Speciale geht nun aber weit über die Idee der Sonderversion hinaus. Der neue Sportwagen basiert auf dem 2009 vorgestellten Achtzylindersportwagen 458 Italia, ist aber wegen der vielen Modifikationen schon fast eine eigenständige Entwicklung. Das gilt vor allem für den Kundenkreis, den Ferrari damit anspricht: Nur von einem Prozent der Käufer des vier Jahre alten 458 Italia könne man sich vorstellen, dass sie auf den Speciale wechseln wollten, sagen die Fachleute vom Marketing.

Eine selbstverständliche Dreingabe

Während der 458 Italia mit seinen rennwagenartigen Formen als Blickfang für den stilvollen Wochenendausflug benutzt wird, dient der 458 Speciale vor allem den Fahrern, deren Wochenendvergnügen aus dem Training auf einer Rennstrecke besteht. 47 Prozent der Kunden eines 458 Speciale seien regelmäßige Teilnehmer von solchen Terminen auf der Piste, berichtet Ferrari. Im neuen Modell bekommen sie daher 35 PS (26 KW) zusätzlich, was gesamt 605 PS (445 KW) bedeutet. Zugleich sinkt das Gewicht um 90 Kilogramm, mit dem dann etwa die Beschleunigungszeit von 0 auf 100 km/h von 3,4 auf 3,0 Sekunden sinkt.

Für die Käufer des 235.000 Euro teuren 458 Speciale ist das eine selbstverständliche Dreingabe, die man von früheren Sonderversionen gewöhnt ist. Der neue Renner bietet darüber hinaus viele technische Entwicklungen, die schon ein Stück der künftigen Ferrari-Modelle vorwegnehmen, oder übernimmt avantgardistische Elemente aus dem millionenteuren Sondermodell La Ferrari in die unlimitierte Serienproduktion. Dazu gehört die variable Aerodynamik, mit der sich die Strömung an der Front abhängig von der Geschwindigkeit verändert. Bei Ferrari bestreitet man allerdings, dass die Inspiration von den sich selbständig verbiegenden Frontflügeln am Red-Bull-Renner von Sebastian Vettel gekommen sei, einem Effekt, der in der Formel 1 dann verboten wurde.

Beim 458 Speciale öffnen sich an der Schnauze ab einer Geschwindigkeit von 170 km/h zwei gefederte Klappen, die Strömungsluft zur Seite rund um die Kühlöffnungen leiten und sie damit verschließen. Ab 220 km/h bewegt sich eine weitere Klappe nach unten und leitet wiederum Luft unter das Auto. Am Heck unterscheidet die Elektronik, ob das Auto in der Kurve vom Diffusor auf die Straße gepresst werden soll oder ob für die Beschleunigung geradeaus drei Klappen den Saugeffekt stören, weil mehr Windschlüpfrigkeit nötig ist.

Fahrspaß auch auf der kurvigen Landstraße

Bei der Fahrt im 458 Speciale beeindruckt zunächst der Innenraum, zur Gewichtsersparnis ohne Radio und Navigation, mit Kniepolstern für den Beifahrer anstelle des Handschuhfachs, Aluminiumplatten statt Teppichen, Türblättern aus Karbon und – aus La Ferrari – die Karbonfinne mit den Knöpfen für die automatische Steuerung des Doppelkupplungsgetriebes, Rennstartfunktion und Rückwärtsgang. Die Fahreigenschaften beschreibt Entwicklungschef Roberto Fedeli treffend mit dem Satz: „Wir wollten gegenüber den in anderen Modellen verbauten Konstruktionsmerkmalen und Systemen für die Fahrstabilität bewusst eine Lücke schaffen.“ Ein Schritt zurück, für mehr Agilität, zugleich aber neue elektronische Systeme, die ein Stück mehr Sicherheit bringen.

Bricht das Heck zu stark aus, sorgen ein elektronisch gesteuertes Sperrdifferential der Side Slip Angle Control und verminderte Motorleistung für mehr Richtungsstabilität. Zugleich wurde der 458 Speciale nicht nur konstruiert, um auf der Rennstrecke einen Hauch mehr Kurventempo herauszukitzeln. Auch auf der kurvigen Landstraße sorgen sensible Lenkung und Dämpfung schon bei 100 km/h für Action und Fahrspaß. Dazu gehört schließlich, wie im 458 Italia, dass der Kopf des Achtzylindermotors im Rückspiegel zu sehen ist. Gegenüber dem Alltagsferrari hat Musiker Fedeli für den Speciale zudem einen mit tieferer Stimme grollenden und sympathischeren Motorklang komponiert.