
Der Automarkt liegt darnieder? Ist uns doch egal, sagen Mini und Porsche und fahren Antidepressiva heran. Passend zur Jahreszeit, mitten im November.
Autos verkaufen ist derzeit keine besondere Freude. In Europa verdirbt vor allem der lahme Süden von Spanien über Portugal bis Frankreich und Italien allen Herstellern die Laune, und auch die jüngste zarte Aufwärtstendenz ist bislang nicht mehr als ein Strohfeuer. Zum Trost müssen mit erfreulicherer Nachfrage gesegnete Märkte in Asien und Amerika herhalten, aber wenn die heimische Region nicht in Fahrt kommt, werden sich weder Laune noch Bilanzen nachhaltig aufhellen. Und dann ist plötzlich November 2013: Am Montag vergangener Woche zieht Mini im britischen Oxford den Schleier von seinem neuen Modell, zwei Tage danach schiebt Porsche in Los Angeles seinen neuen Macan ins Rampenlicht. Eine Woche, zwei automobile Sensationen, und es gehört wenig Mut zu der Vorhersage: Diese beiden werden sich verkaufen wie die berühmten warmen Semmeln.
The proof of the pudding im Sinne der um regierungsfähige Partnerschaften ringenden Bundeskanzlerin treten Porsche und Mini zwar erst im Frühjahr 2014 an, doch schon jetzt lassen die Reaktionen des Publikums und die Planungen der Konzerne vermuten, dass die Angebote aus Stuttgart und München besser ankommen werden als die aus Berlin. Mini erwartet, wohlgemerkt mit dem Auslaufmodell, in diesem Jahr einen Absatzrekord von 300000 Stück. Und weil der Hunger der Fans offenbar nicht zu stillen ist, soll zur Produktion in Oxford und der Fertigung bei Magna-Steyr in Österreich von Mitte 2014 an eine zusätzliche im niederländischen Born aufgenommen werden. Dort hat der BMW-Konzern, zu dem Mini gehört, die ehemals gemeinsam von Mitsubishi und Volvo betriebene Fabrik namens Nedcar übernommen.
Absatz und Umsatz werden zulegen
Porsche seinerseits ist schon vor der offiziellen Vorstellung seines „kleinen“ Geländewagens vom Interesse überrollt worden und hat mehrfach sein Absatzziel angehoben. Nun mussten sich die Stuttgarter festlegen, denn die Fabrik in Leipzig, die für 500 Millionen Euro eine eigene Fertigungslinie bekommen hat, muss planen. 50000 Autos im Jahr lautet die Vorgabe. Das würde den in den vergangenen Jahren schier unaufhaltsamen Aufstieg von Porsche weiter beschleunigen. Mindestens Absatz und Umsatz werden zulegen, und der Vorstand um Matthias Müller wird alles daransetzen, trotz der nicht ganz so üppigen Marge wie beim Cayenne dank hübsch bepreister Sonderverführungen auch mit dem kleineren Macan einen erklecklichen Ergebnisbeitrag einzufahren. Man darf sich das auf der Zunge zergehen lassen: Dank seiner Geländewagen Cayenne und Macan ( unter uns Familienvätern, die Teile gehen ja auch echt scharf) fährt der Sportwagenhersteller in eine neue Dimension. Kein Wunder, dass die Herren von Bentley oder Jaguar vor ohnmächtiger Wut in die Kotflügel beißen und sich fragen, warum ihre eigenen Geländewagen noch in den Entwicklungsschuhen stecken, statt längst ebenso zwischen Sylt und Sultan abzuräumen.
Porsche bezeichnet den Macan, dessen Name vom indonesischen Wort für Tiger abgeleitet ist, als kompakt, was relativ richtig ist. Die Größe orientiert sich am Genspender Audi Q5, von dem nach schwäbischer Bearbeitung möglichst wenig übriggeblieben sein soll. 4,68 Meter ist der Porsche lang, 1,92 Meter breit (ohne Außenspiegel), 1,62 Meter hoch, der Radstand beträgt 2,80 Meter, und das Heck macht ihn zum schrägen Typen. 500 Liter schluckt der Kofferraum, wird die Bank umgeworfen, passen theoretisch 1500 Liter hinein. Elemente des Supersportwagens 918 Spyder zieren den Macan, unter anderem am schicken Lenkrad. Ansonsten setzt auch der neueste Porsche auf die mächtige, ansteigende Mittelkonsole, die nicht jedermanns Freude ist. Sämtliche Varianten sind serienmäßig mit dem 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe ausgestattet. Allradantrieb ist stets an Bord, gesteuert über eine elektronische Lamellenkupplung, welche die Kraft immer an der Hinterachse lässt und bei Bedarf die Vorderachse zuschaltet. Zunächst sorgen drei Sechszylinder für Vortrieb: Macan S, 3,0-Liter-V6-Biturbo, 340 PS, 0–100 km/h in 5,2s, Höchstgeschwindigkeit 254 km/h, Normverbrauch 9,0 Liter. Macan S Diesel, 3,0-Liter-V6-Turbodiesel, 258 PS, 0–100 km/h in 6,3s, Höchstgeschwindigkeit 230 km/h, Verbrauch 6,3 Liter. Macan Turbo, 3,6-Liter-V6-Biturbo, 400 PS, 0–100 km/h in 4,8s, Höchstgeschwindigkeit 266 km/h, Verbrauch 9,2 Liter. Die Preise sind typisch und deutlich höher als die des Audi Q5. Macan S: 57930 Euro, S Diesel: ebenfalls 57930 Euro, Turbo: 79826 Euro, zuzüglich Extras. Die Markteinführung ist am 5. April 2014 vorgesehen.
Der Mini ist da schon vier Wochen im Handel. Der neue sehe aus wie der alte, sagen viele auf den ersten Blick, doch wir halten es da mit der Bulldogge Spike, die in der Werbekampagne die Hauptrolle spielt. Der knuddelige Hund beschnuppert den Neuankömmling missbilligend und weigert sich zunächst, einzusteigen. Es folgt natürlich ein Happy End: Nach ein paar Kilometern hält der Mini an einem Stoppschild, was Spike erregt. Er bellt das Schild an, bis die Fahrt endlich weitergeht.
Vorschriften zum Unfallschutz, Maßnahmen zur Verringerung des CO2-Abdrucks, Wünsche nach größerem Innenraum, mehr Komfort und Lifestyle-Einrichtungen wie Facebook- oder Twitterzugang entfernen den jüngsten immer weiter vom puristischen Original, aber die junge, zahlungskräftige Kundschaft scheint das zu honorieren. Die Nase (des Mini, nicht der Dogge) ist flacher und breiter in den Wind gestreckt, die Außenspiegel thronen wie Bratpfannen auf der Tür, die Rücklichter sind platt wie nie. Länger (3,82 Meter), breiter (1,72 Meter) und höher (1,41 Meter) ist der neue Mini, der Radstand hat zugelegt, hinten geht es indes noch immer knapp ausreichend zu. Das Material im Innenraum fühlt sich besser an als zuvor, die Qualität, das war nötig, scheint zugelegt zu haben. Erstmals ziehen Dreizylindermotoren ein. Zum Start gibt es den Cooper mit 136 PS zu 19700 Euro, den Cooper S (einziger Vierzylinder) mit 192 PS zu 23800 Euro und den Cooper D mit 116 PS zu 21450 Euro. Cabriolet, ein vom Zweitürer abgeleiteter Viertürer und Countryman folgen. Und einige Derivate mehr. Schon heute ist jedes sechste Auto von BMW ein Mini. Nach Geschmack der Münchener darf es gern noch ein bisserl mehr werden.
