
Der elektrische Nissan Leaf des Jahrgangs 2013 zeigt sich zwar verbessert. Im Alltag fehlt ihm allerdings immer noch die Ausdauer – dabei muss man für den Ladevorgang mehr als einen halben Tag einplanen.
Jetzt nur nicht schlappmachen. Noch einmal alles geben. Oder besser möglichst wenig. Und schon gar kein Gas, pardon: Strom. Erbarmungslos verrinnen die versprochenen Kilometer, viel schneller, als die realen hinter uns bleiben. Nicht wann, sondern ob ist die Frage nach dem Ankommen. Im überarbeiteten Nissan Leaf erweist sich die Elektromobilität trotz gesteigerter Reichweite noch lange nicht als Geschäft des Alltags. Denn wenn der elektrische Nissan mit leerer Batterie liegenbleibt, hilft nur noch Abschleppen oder der Autotransporter.
Weil vor allem der deutsche Kunde den Weg zum E-Wagen immer noch höchst widerwillig antritt, hat der japanische Hersteller, der den Leaf für Europa jetzt im englischen Sunderland baut, umfangreiche Detailänderungen im Vergleich zur ersten Leaf-Serie vorgenommen. 35 090 Euro kostet der viertürige Stromer mit Batterie. Günstiger bekommt den Leaf, wer nur das Auto bezahlt, die Batterie dagegen mietet. 29 190 Euro müssen dem Nissan-Händler dann überwiesen werden, die Monatsmiete des Akkus (mindestens drei Jahre à maximal 12 500 Kilometer) liegt bei 79 Euro. Das macht im Jahr 948 Euro aus und scheint die günstigere Lösung zu sein.
Im Eco-Modus wird der Leaf arg träge
Der Leaf hat an Alltagstauglichkeit gewonnen. Die Passagiere im Fond genießen dank neuer, knapper geformter Vordersitze mehr Beinfreiheit, und der Kofferraum ist um 40 auf ordentliche 370 Liter gewachsen. Der Grund hierfür ist die Verlagerung des Lademoduls vom Heck unter die Fronthaube, wo es in partnerschaftlicher Harmonie neben dem nach wie vor 80 kW (109 PS) starken Wechselstrom-Synchronmotor hockt.
Im normalen Fahrmodus genügen 80 kW und ein maximales Drehmoment von 254 Newtonmeter für einen Standardsprint in 11,5 Sekunden, das ist bei gleicher Leistung eine halbe Sekunde schneller als bisher. Damit wirkt der Leaf fast agil und gibt sich im Stadtverkehr keine Blöße beim Ampelstart. Munter rollt er im Verkehrsstrom mit und kann auch bestehen, wenn die City hinter ihm liegt. Nur beim Überholen langsamerer Fahrzeuge auf der Landstraße ist Weitsicht gefordert, denn dafür braucht man eine lange Strecke. Der energiesparende Eco-Modus, dessen Aktivierungstaste erfreulicherweise von der Mittelkonsole ans Lenkrad gewandert ist, scheidet bei einem solchen Fahrmanöver völlig aus. Er sorgt für maximale Reichweite und nimmt aus diesem Grund die Motorleistung zurück. Dann aber wird der Leaf arg träge, für viel mehr als gemächliches Dahinrollen reicht die Kraft nicht.
Reichweite bricht im Praxistest ein
Ebenfalls überarbeitet hat Nissan das Fahrwerk. Es entspricht nun eher den europäischen Vorlieben als früher und verleiht dem immerhin bis zu 1945 Kilogramm wiegenden Leaf eine gewisse Dynamik. Die Lenkung ist leichtgängig, aber nicht gefühllos, die Bremsen sprechen angenehm an, und selbst im B-Modus, wenn mehr Bremsenergie zurückgewonnen wird als im normalen Betrieb, fällt es leicht, den Wagen harmonisch zum Stehen zu bringen. Die ausgewogene Federung trägt ihren Teil dazu bei, dass der Leaf seine Passagiere auf durchaus komfortable Weise befördert.
199 Kilometer soll der Stromer mit einer Batterieladung schaffen. 24 kWh sind im Akku gespeichert, aber trotz langer Ladezeit und aller Mühe signalisierte die Reichweitenanzeige niemals mehr als 165 Kilometer. Der eine oder andere Zwischenspurt, vor allem aber das zaghafte Ausprobieren der Höchstgeschwindigkeit, die mit 144 km/h angegeben wird und die der frontgetriebene Wagen mühelos erreicht, lässt die Anzeige nach unten rasen wie ein schwarzer Freitag den Dax. 15 kWh braucht der Leaf für 100 Kilometer, sagt Nissan. In der Praxis ist die Reichweite deutlich geringer. Gut sechs Euro muss man auf 100 Kilometer für Stromkosten einkalkulieren.
Die Stunde der E-Autos lässt noch auf sich warten
Oft erlebten wir, dass öffentliche Ladestationen besetzt waren. So hing der Leaf meist am mitgelieferten Sechsmeter-Kabel an der heimischen 230-Volt-Haushaltssteckdose, mit der ein Ladevorgang 12 bis 15 Stunden dauert. Angenehm sind die Verbesserungen in Form einer Beleuchtung der Steckdosen hinter der Ladeklappe am Fahrzeugbug. Auch die fernbediente Verriegelung der beiden unterschiedlichen Verbindungen für Haushalts- und Kraftstrom ist hilfreich, wenn der Akku im öffentlichen Verkehrsraum gefüllt wird.
In der Version Tekna ist der Leaf sehr gut ausgestattet. Aluräder, Lederbezüge für die Sitze, Klimaautomatik, Navigation und CD-Radio sowie eine Rundumkamera gehören unter anderem dazu. Dass der Leaf nun zum Verkaufsschlager wird, ist trotz der Nachbesserung bei Technik und Ausstattung nicht zu erwarten. Die Stunde des Elektroautos lässt noch auf sich warten. Dabei ist das Ansehen der Elektriker jetzt schon nicht das schlechteste. Ein Nissan Leaf zieht auf dem weiß gekiesten Weg vor der Haustür nicht weniger Blicke auf sich als so manches Spitzenmodell aus Stuttgart, Ingolstadt oder München.
