
Der Lexus LS 600h wartet mit üppigem Bordmonitor und spektakulärer HiFi-Anlage auf. Fast alles ist serienmäßig im LS 600h – für einen Grundpreis von 111.000 Euro.
Da gab es nicht einen Beifahrer, der nicht gestaunt und viel gefragt hätte: Wer in der feinen Oberklasse-Limousine LS 600h von Lexus unterwegs ist, darf seinen Passagieren vieles fleißig erklären. Was hat es mit dem geradezu riesigen Bordmonitor auf sich? Wie fährt man die Liegesitze aus? Was sind das für merkwürdige Bedienelemente neben dem Schalthebel des Automatikgetriebes? In der Tat sind die Cockpit-Anzeigen des Hybridfahrzeugs mit V8-Motor schon wegen ihrer schieren Größe ein Hingucker. Satte 31 Zentimeter in der Diagonale misst der Bordmonitor des Infotainment-Systems. Aber auch die Digitalanzeige für Tachometer und Drehzahlmesser bringt einen zum Staunen, wenn etwa mit dem Wechsel des Fahrprogramms die Drehzahlanzeige zum Power-Monitor der Antriebseinheit wird. So gut wie alles ist übrigens serienmäßig im LS 600h, der für einen Grundpreis von 111.000 Euro aufgerufen wird. Luft nach oben gibt es trotzdem, man beachte die Sportvariante für 116.000 oder die „Luxury Line“ für 130.000 Euro.
Dann die Bedienung: „Remote Touch der zweiten Generation“ nennt Lexus sein Bediensystem, das wie eine übergroße Computer-Maus auf der Beifahrerseite der Mittelkonsole zu sehen ist. Während die rechte Hand auf einer hübschen Lederauflage ruht, landen die Finger nahezu automatisch auf einer Art Trackpoint, der in alle Richtungen stufenlos bewegbar ist. Mit diesem Instrument steuert man den Cursor auf dem Monitor. Gab es früher bei Lexus eine eigene Return-Taste, drückt man nun den Trackpoint herunter. So kann auch der Beifahrer problemlos aktiv werden. Der Trackpoint bietet zudem ein in mehreren Stufen einstellbares haptisches Feedback. Auf diese Weise landet der Cursor präziser auf einzelnen Monitor-Schaltflächen. Und das Display ist, im Unterschied zu anderen Lexus-Modellen, nicht mehr berührungsempfindlich. Insgesamt fanden wir das Konzept überzeugend: Die Anzeige bleibt frei von Fingerfett, und man muss sich nicht nach vorn beugen, um mit dem Finger kleine Schaltflächen zu treffen.
Klar und präzise
Auch das Menüsystem folgt der Maxime möglichst einfacher Bedienung. Wer in der automobilen Oberklasse vor Controller &- Co. ängstlich zurückweicht, kommt hier sofort auf seine Kosten: Im Unterschied zu Audi und BMW findet man kein verschachteltes Menüsystem vor, sondern geht vom Hauptmenü aus in die einzelnen Funktionsabteilungen, die klar und deutlich beschriftet sowie fein säuberlich nebeneinander aufgereiht sind.
Indes wird der schlichte und eingängige Auftritt mit etlichen Nachteilen erkauft, wenn es um die Funktionalität der einzelnen Module geht. Die Spracherkennung beispielsweise ist zwar mittlerweile deutlich besser als bei allen Lexus-Vorgängermodellen, aber noch immer nicht dort angekommen, wo die deutschen Mitbewerber derzeit fahren. Die Dame redet zu viel, es ist zu kompliziert.
Der elektronische Routenführer arbeitet klar und präzise, man wird zuverlässig geführt, aber es fehlen hochwertige Verkehrsinformationen. Tempolimits werden indes permanent angezeigt, allerdings nur, wenn sie im Kartenmaterial verzeichnet sind. Wer in den Krümeln sucht, wird auch bei der Darstellung auf dem Monitor zu viel Kleinteiliges kritisieren und die geraden Linien einer stärker strukturierten Darstellung vermissen.
Im Fond spielt er seine größte Stärke aus
In der Telefonabteilung sind alle Adressen stets nach dem Vornamen sortiert, und die Suchfunktion beschränkt sich auf die Anfangsbuchstaben. Hinsichtlich der Akustik und Verständlichkeit kann man den LS 600h allerdings in den höchsten Tönen loben, was gewiss auch daran liegt, dass er im Innenraum eines der leisesten Fahrzeuge ist, das wir je bewegt haben. Viele Details erfreuen die Sinne, etwa die sehr fein einstellbare Klimaanlage in Verbindung mit Sitzheizung (oder Sitzbelüftung) plus beheizbarem Lenkrad. Wer hinten sitzt, kann sich in Shiatsu-Manier den Rücken kraulen lassen oder gegebenenfalls die Beine auf dem ausfahrbaren Ottomanen-Sitz ruhen lassen. Für die Bedienung von Sitz, Klima und HiFi gibt es auf der Rückbank eine eigene Kontrolleinheit, die den Fondpassagier zum Chef des Fahrzeugs werden lässt.
Und im Fond spielt der LS 600h seine größte Stärke aus: Es ist das zur Serienausstattung gehörende Surround-Soundsystem von Mark Levinson mit 19 Lautsprechern und einem Klang, der in Erinnerung bleibt. Da wird nicht übertrieben-spektakulär aufgespielt, da gibt es keine Demo-Effekte für den Verkaufsraum, sondern eine durchgehend neutrale Detailzeichnung, die bei allen Musikrichtungen überzeugt. Bässe kommen abgrundtief. Man muss schon spezielle Folterinstrumente wie die von Winfried Bönig im Hohen Dom zu Köln eingespielten Orgeltranskriptionen bemühen, um die Andeutungen einer Grenze im Bassbereich zu hören. Oder man nehme das eine einzige Album des Kontrabassisten Jean-François Jenny-Clark, „Unison“, es ist eine geradezu schmerzhafte Hörerfahrung. Aber es sind nicht nur die Bässe, die Anlage tönt ungemein sauber und transparent, sie behält selbst in dichtesten Orchesterpassagen die Übersicht über die einzelnen Instrumente und plaziert sie fast mit fotografischer Akkuratesse im Raum. Das alles ist ein Erlebnis, ein schönes Gesamtkunstwerk, das es mit den großen Namen der HiFi-Welt mühelos aufnehmen kann.
