
Mercedes-Benz hat unlängst die E-Klasse aufgefrischt. Auch das Coupé und das Cabrio bekamen ein anderes Gesicht. Es steht ihnen gut. Der offene E 250 kann gefallen, sein Verbrauch aber nicht.
Der Herbst ist da und mit ihm die beste Zeit, sich mit dem Cabrio zu beschäftigen, das in der nächsten Saison bewegt werden soll. Bei den echten Viersitzern ist die Auswahl nicht übermäßig groß. Mercedes-Benz bietet seit 1993, als die mittlere Baureihe in E-Klasse umgetauft wurde, neben dem traditionellen Coupé auch ein E-Cabriolet in der Baureihe an. Seit dem Facelift im Frühjahr kommt der E-Mercedes nicht mehr so altbacken daher, die neue Front wirkt sogar ein wenig (zu) aggressiv, die ausgestellten Radhäuser an den Hinterläufen durften die Zweitürer behalten. Hier passen sie auch.
E-Cabrios gibt es zu Preisen von 47.600 Euro an, drei Dieseltriebwerke und sechs Benziner stehen zur Wahl. Der von der Redaktion bewegte E 250 ist mit seinen 211 PS (155 kW) aus dem Zweiliter-Vierzylinder noch ein Angebot aus der unteren Preiskategorie – für 51.884 Euro. Das Topmodell E 500 mit V8-Triebwerk und 408 PS (300 kW) kostet 75.327 Euro. Würde sich Mercedes wie früher streng am Hubraum orientieren, müsste er E 470 heißen. Unterhalb des E 250 rangiert noch ein Motor, der E 200, der aus dem gleichen Hubraum 184 PS (135 kW) holt. Sucht man ein offenes Auto zum Flanieren und Reisen, genügen die 211 PS des 250er allemal, mehr Kraft muss nicht sein. Ein maximales Drehmoment von 350 Newtonmeter schon bei 1200 Umdrehungen in der Minute ist ein Wort. Statt zu einer stärkeren Maschine greifen viele Sternenfreunde lieber tiefer in den offerierten Korb mit den Extras. Für den Testwagen standen schließlich 77.251 Euro auf dem Zettel. Das ist etwas mehr wie für den V8 ohne jegliches Aperçu.
Nicht viel Platz im Fonds
Nicht alles lässt sich Mercedes-Benz eigens bezahlen, die Siebengang-Automatik ist von Haus aus dabei, auch die Klimaanlage, sieben Airbags und vieles mehr, wie ein elektrisch zu bewegendes Stoffverdeck. Die Mütze – in unserem Fall war sie (dunkel-)rot – steht dem Cabriolet sehr gut, in 20 Sekunden ist sie ab- oder aufgesetzt, das Kofferraumvolumen schrumpft dann von ordentlichen 450 auf noch erträgliche 300 Liter. Auch eine Durchlademöglichkeit kostet kein Aufgeld. Wohl aber das Cabriolet-Komfort-Paket für 1249 Euro. Das umfasst dann den berühmten Luftschal (warme Luft strömt aus Düsen an den Kopfstützen), ein kleines Windschott zwischen den hinteren Kopfstützen und – am wichtigsten – eine Blende über die gesamte Oberseite des Windschutzscheibenrahmens, die bei Geschwindigkeiten von mehr als 30 km/h ausfährt. Das sieht dann zwar von außen betrachtet komisch aus, aber innen schafft dieser Trick, an dem die Mercedes-Benz-Ingenieure im hauseigenen Windkanal lange getüftelt haben, echte Ruhe.
Wenn nicht zu schnell gefahren wird, denken wir an Goethe und seine berühmten Zeilen: „Über allen Gipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du kaum einen Hauch.“ Mehr als einen Hauch gibt es stets für die Passagiere drei und vier, aber im Fond ist Landstraßentempo ebenfalls durchaus noch auszuhalten. Jedoch ist auch im 4,70 Meter langen E-Cabrio im Fond nicht wirklich viel Platz, Abstriche müssen gemacht werden, vor allem, wenn das Dach geschlossen ist. Dann fühlt man sich hinten ziemlich eingesperrt, aber das ist in jedem Cabriolet so. Im Übrigen ist das Stoffverdeck sehr hochwertig ausgeführt, es verursacht so gut wie keine Windgeräusche, selbst bei hohem Tempo nicht. Ohnehin ist das Auto sehr gut verarbeitet, das Armaturenbrett ist sehr modern, die schöne analoge Uhr in der Mittelkonsole bekommt von uns ein Sonderlob.
Normverbrauch und Realität liegen weit auseinander
Die Automatik arbeitet völlig unauffällig und schaltet sehr sanft. Gewöhnen muss man sich an das Bedienen mit dem Hebel am Lenkrad, Mercedes-Novizen suchen da oft den Hebel für die Scheibenwischer. Für die vermeintlichen Sportler und den Cabrio-Piloten gibt es selbstverständlich Schaltpaddel.
Zum Motor: Die 211 PS genügen völlig, um den Mercedes angemessen zu bewegen. Nur bei Vollgas klingt er etwas angestrengt. Nach mehr als 2500 gefahrenen Kilometern können wir von einem Durchschnittsverbrauch von 9,6 Liter Super berichten. Die Spitzen lagen bei 10,7, und – pilotiert von zarter Hand – bei 8,8. Der Normverbrauch beläuft sich auf 6,1 Liter. Wieder einmal liegen Norm und Realität extrem weit auseinander. Selbst der Wert für den Stadtverkehr ist mit 7,8 Liter auf 100 Kilometer noch nicht annähernd beim echten Bedarf an Kraftstoff. Vielleicht sollte man doch einen Diesel nehmen? Den wird man im offenen Auto mehr hören, und überhaupt: Wer sich für ein Cabriolet entscheidet, achtet nicht auf den letzten Cent.
