Auto & Verkehr

LED-Flackern für die wilden Kerle

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Audi renoviert seinen A8 mit technischer Entschlossenheit und hohem Aufwand. Eine entscheidende Neuerung ist das neue Lichtsystem, aber auch Design sowie Motoren und Fahrwerk wurden nachgeschärft.

Audi hat ein Herz für Tiere. Besonders für wilde. Denn eine entscheidende Neuerung im überarbeiteten Audi A8 ist das neue Lichtsystem: Es geht einher mit einer wieder sachlicheren Grafik, arbeitet dank Matrix-LED-Technik mit exzellenter Ausleuchtung der Straße ohne andere Verkehrsteilnehmer zu blenden, und erkennt, ob ein Fußgänger oder ein Wildtier in Helligkeit getaucht wird. Ist es ein Mensch, flackern einzelne LED alarmierend und der Zweibeiner soll sich gewarnt fühlen. Ist es ein größerer Vierhufer, markiert der Nachtsichtassistent zwar taghell, aber ohne aufgeregtes Geflacker das bewegliche Objekt. Wildtiere sollen nicht erschreckt werden. Das ist nur ein kleiner Fortschritt, aber einer, mit dem die Dinge des Lebens jenseits von technischer Dominanz noch nicht aus den Augen verloren werden.

Die Vier-Ringe-Marke hat die im Lebenszyklus festgeschriebene Überholung ihres Flaggschiffes mit ruhiger Zurückhaltung vollzogen. Dass Mercedes mit der neuen (nicht: erneuerten) S-Klasse auftrumpft, BMW seinen fünfjährigen Siebener bald erneuert, das hat die Audi-Manager nach eigenem Bekunden nicht zu einer von übergroßer Aktivität getriebenen Veränderung des Facelift-Termins bewogen. Allerdings haben sie ihren A8 entschlossen nachgeschärft: Im Design sitzen die Bügelfalten nun womöglich noch exakter, im Innenraum tritt der etwas kühle Architektur- und Maßanzug-Charakter noch deutlicher auf, Motoren und Fahrwerk werden mit gebündelter Hightech auf höhere Effizienz eingeschworen, und neue Assistenzsysteme sollen die Sicherheit erhöhen.

Hoher Aufwand also für den zweiten Lebensabschnitt. Erst im Jahr 2016 ist mit einem neu konstruierten Top-Audi zu rechnen. Dabei steht die Limousine schon jetzt mit ihren ewigen Konkurrenten auf dem Gipfel des Automobilbaus. In etlichen Disziplinen glänzen die vier Ringe noch heller. Dazu gehören die Kompetenzen im Leichtbau, in der Motorleistung, im Allradantrieb, in der makellosen Verarbeitung stilsicher gewählter Materialien sowie in der trotz immer dichter gewordener Vielfalt intuitiv zu erfassenden Bedienbarkeit.

Ohne Plüsch und Prunk

Die Modellfamilie kommt ohne große Überraschungen. Verbindlich sind der Allradantrieb Quattro und die achtstufige Tiptronic-Automatik. In der stattlichen Form gibt es keine Veränderungen. Die L-Version mit längerem Radstand streckt sich um 130 zusätzliche Millimeter, auch hier stimmen die Proportionen. Um den Antrieb der in größeren Stückzahlen produzierten Versionen machen sich zwei Benziner und zwei Diesel verdient, alle mit direkter Kraftstoffeinspritzung, je ein Sechs- und ein Achtzylinder. Alle konventionell Motorisierten erreichen 250 km/h. Außerdem fährt der A8 als (wenig gefragte) Hybrid-Version mit dem Zwei-Liter-Vierzylinder sowie als Zwölfzylinder (500 PS/368 kW) in der ungewöhnlichen W-Bauform und nur mit langem Radstand (darin kuscheln die Chinesen besonders gerne) sowie als S8 mit 520 PS (382 kW). Einige Triebwerke geben jetzt eine höhere Leistung ab, die Verbrauchswerte liegen günstiger, nach Norm sind es 7,3 und 9,4 bei den Dieseln und bei den Benzinern 10,5 und 12,6 Liter.

Die gängigeren Ottomotor-Versionen sind der 3.0 TFSI Quattro mit V6 und 310 PS (228 kW) für 76.900 Euro sowie der 4.0 TFSI mit Zylinderabschaltung und 435 PS (320 kW) für 96.900 Euro. Der 3.0 TDI hat 258 PS (190 kW), er kommt auf 74.500 Euro, und der 4.2 TDI mit 385 PS (283 kW) fordert 94.800 Euro. Für die Langversionen sind rund 8000 Euro mehr aufzuwenden.

Plüsch und Prunk werden trotz großer Nähe zum chinesischen Markt nicht geboten, das Bedienkonzept ist das nach außen gekehrte Prinzip des inneren, technoiden Wesens einer Automarke, die im riesigen VW-Konzern ihre Identität gefunden hat. Im Jahr 1988 stieg Audi mit dem damaligen Typ V8 noch mit einer gewissen Unsicherheit wieder in die Oberklasse ein. Daraus ist eine der drei besten Hightech-Limousinen der Welt geworden.