
Zum ersten Mal mit einem Wohnmobil auf Reisen. Gegenüber einfachem Zelten ist das vergleichsweise luxuriös. Unser Begleiter auf einer Fahrt nach England war ein Dethleffs Globebus T4.
Zelten hat auch etwas mit Jugend zu tun. Man tut es in jungen Jahren, in erster Linie, weil es den Geldbeutel nicht so belastet. Später tut man es, weil man den Kindern ein kleines Abenteuer bieten will oder wenn es die beste Möglichkeit ist, am Ort des Geschehens zu sein, also auf einer Outdoor-Tour oder bei einem der zahlreichen Treffen oder Festivals, die den Sommer über stattfinden. Für uns ist das jährliche Land-Rover-Treffen in Billing bei Northampton eine Art Dauerläufer, zum elften Mal geht’s dorthin, jetzt aber nicht mit einfacher Ausrüstung und altem Land Rover, sondern mit einem nagelneuen Wohnmobil, einem Dethleffs Globebus T4. Begleitet werden wir von einem Land Rover Discovery, dessen Besatzung ganz klassisch campiert.
Der Globebus ist mit einer Länge von 6,71 Meter schon ein ordentliches Trumm, mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,499 Tonnen nutzt er die Führerscheinklasse voll aus. Wie die Mehrzahl aller in Deutschland zugelassenen Wohnmobile basiert es auf dem Fiat Ducato. Die Wohnmobilhersteller kaufen den sogenannten „Windlauf“, also Rahmen, Motor und Getriebe nebst Armaturenbrett, den Ausbau zum fahrenden Haus übernehmen sie. Unser Globebus ist auf zwei Personen zugeschnitten. Wohnraum und Fahrerhaus bilden eine Einheit (wie bei jedem modernen Fahrzeug), ins Innere gelangt man von dort oder über eine weitere Tür an der rechten Seite. Superschick ist die elektrisch ausfahrbare Trittstufe.
Direkt hinter dem Fahrerhaus ist links ein kleiner, verschiebbarer Tisch, an dem in Fahrtrichtung zwei weitere Personen auf einer Bank sitzen können (und sich auch anschnallen). Selbstverständlich sind die vorderen Sitze drehbar, so dass sich vier Personen um das Tischchen gruppieren können. Weil wir an diesem lange Wochenende in England fast immer bestes Wetter hatten, saßen wir nur einen verregneten Abend lang im Wohnmobil. Aber allein diese Möglichkeit ist gegenüber einem (kleinen) Zelt schon der pure Luxus.
Der Kofferraum fasst mehr als 2000 Liter
Vom Rest des Angebots gar nicht zu reden. Gleich links neben der Aufbautür ist das „Dethleffs Gourmet-Center“ installiert, die Kochstelle mit Drei-Flammen-Gasherd nebst kleiner Spüle. In Kopfhöhe schließen sich zwei Schränkchen an, unten gibt es neben dem Kühlschrank weiter Staumöglichkeiten für Geschirr und Proviant. Der Kühlschrank fasst 100 Liter inklusive eines kleinen Gefrierfachs. Auch sein Vorhandensein ist für den Zeltmenschen eine Offenbarung.
Dem Küchenblock gegenüber findet sich die kleine Nasszelle, der nächste Luxus. Sie erspart den Gang zu den öffentlichen WCs, die auf fast allen Campingplätzen dieser Welt zu wünschen übriglassen. Dethleffs hat hier aus kleinstem Raum das Optimale herausgeholt. Es gibt eine Dusche, kombiniert mit einer Toilette. Im hinteren Bereich des Globebus finden sich schließlich links und rechts zwei Einzelbetten mit Lattenrost. Unter den Betten sollte die Kleidung verstaut werden, einen hohen Schrank im klassischen Sinne gibt es nicht. Beide Schläfer können durch Seitenfenster herausschauen, auch neben dem Tisch ist ein Fenster. Dachluken gibt es drei im Dethleffs: eine große über dem Fahrerhaus, eine im mittleren Bereich und eine weitere hinten im Schlafgemach. Alle Fenster, auch die des Fahrerhauses, können mit Jalousien blickdicht verschlossen werden.
Unten im Heck ist der von rechts außen zugängliche „Kofferraum“ für großes Gepäck. Hier finden sich die Gasflaschen (zwei Stück je 11 Kilogramm). Netto misst der Stauraum 1,98×0,98×1,10 Meter, er hat somit ein Volumen von mehr als 2000 Liter. Normale Fahrräder müssen auf den Heckträger, nur Falträder passen in das Gepäckabteil. Zur Technik: Dem Wohnmobil lag eine Beschreibung bei, die vor Fahrtantritt unbedingt gelesen werden sollte, so steht es dick drauf. Es sind mehr als 240 Seiten DIN A4. Wir haben nur gelegentlich geschaut, hatten den Dethleffs aber auch „ready to use“ übernommen. Aber ganz ohne geht es nicht. Der Kühlschrank läuft entweder auf Gas, auf Strom aus der Bordbatterie (während der Fahrt) oder auf Strom aus einem Außenanschluss. Stellt man ihn auf Automatik, sucht er sich selbsttätig die beste Möglichkeit aus. Ist Strom vorhanden, ist Anstöpseln ans Netz das Erste, was man nach der „Landung“ tut.
Rund 850 Euro je Woche
Der Wassertank fasst 114 Liter, davon sind 20 im Warmwasserboiler. Wer duschen will, muss vorher heizen, was aber in wenigen Minuten erledigt ist. Für die Duschkabine sind 1,86 Meter Körpergröße etwas zu lang, eng ist es ohnehin, aber es geht. Selbst in einem relativ großen Wohnmobil muss man sich gut organisieren, sonst versinkt man schnell im Chaos. Die Kassettentoilette (von Thetford) ist ein separates System. Ist sie voll, zieht man den Kasten mit den Hinterlassenschaften von außen an der Seite heraus. Campingplätze haben eigene Bereiche, wo der Inhalt entsorgt werden kann. Den Abwassertank (90 Liter) kann man auch über einem Gully entleeren. Den Frischwassertank füllt man von außen mit einem Schlauch. Ist dazu keine Möglichkeit, bleibt nur das Einfüllen peu à peu per Gießkanne oder Ähnliches.
Auf der Straße erwies sich der Fiat mit seinem Zwei-Liter-Turbo-Dieselmotor und 177 PS (130 kW) als potenter Partner, in der Spitze sind sogar 150 km/h möglich. Natürlich ist der Wagen mit seinem hohen Aufbau (Höhe 2,62 Meter) relativ seitenwindempfindlich. Der Durchschnittsverbrauch belief sich auf 10,8 Liter für 100 Kilometer. Volltanken lässt sich der Tank ungewöhnlich leicht, man sollte nur nicht den Wassertank befüllen, was ein Tankwart um ein Haar getan hätte. Unser Dethleffs Globebus T4 kostet ohne Extras rund 56.000 Euro. Doch kaufen muss nicht sein. Unter www.mcrent.de kostet ein Dethleffs dieser Größe rund 850 Euro je Woche in der Hochsaison. Einen 8,62 Meter langen Luxusliner gibt es für 1344 Euro. McRent hat 18 Standorte in Deutschland. Nachteil des Wohnmobilausflugs: Kinder wollen danach nie mehr zelten.
