Dieser Weg ins Netz will ein besonders leichter sein

Published 20/08/2013 in Auto & Verkehr, Technik & Motor

Dieser Weg ins Netz will ein besonders leichter sein

Das Internet ist mit „Audi Connect“ im A3 Sportback schnell eingerichtet. Die E-Mail im Fahrzeug gehört ebenfalls dazu. Spracherkennung gibt es leider nur für SMS.

Dass alle namhaften Fahrzeugproduzenten das Internet ins Auto bringen, hat sich herumgesprochen. Wie das geschieht und welche Technik zum Einsatz kommt, ist von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Jedes Verfahren hat seine Vor- und Nachteile. Wir hatten mehrfach berichtet, zu welchen Problemen beispielsweise der Einsatz diverser Bluetooth-Profile bei der Anbindung eines Smartphones an die Fahrzeugelektronik führen kann.

Audi fährt nun mit seinem neuen „Audi Connect“ vor. Im A3 Sportback kommt die am weitesten entwickelte Variante zum Einsatz. Der schon von anderen Baureihen bekannte W-Lan-Hotspot wird nahtlos ins Connect-System integriert, das wiederum mit zahlreichen neuen Funktionen glänzt. Wer die Umstandskrämerei bei anderen Herstellern kennt, kann zumindest auf den ersten Metern aufatmen. Eine Sim-Karte (in Normalgröße) mit Datenkontingent wird im Handschuhfach in die Kommunikationsbox gesteckt, das ist schon alles. Den Zugangspunkt zum Netz holt sich das Bordsystem MMI selbsttätig, und man kann festlegen, ob eine Datenverbindung automatisch oder nur nach Rückfrage aufgebaut werden soll. Wer es günstig will, kauft eine Sim-Karte mit Prepaid-Vertrag.

Das eigene Smartphone für Telefonie und Musikwiedergabe nimmt wie gehabt mit Bluetooth den Kontakt zum Infotainmentsystem auf. Dass zwei verschiedene Mobilfunkzugänge an Bord sind, macht sich im Alltagseinsatz nicht störend bemerkbar. Auch mit der Daten-Sim-Karte kann man telefonieren, das sei nur am Rande angemerkt, und ferner: Wer eines der wenigen Handys mit Sim-Access-Profil hat, kann auch dieses für die Konnektivität verwenden.

Insgesamt ist die eigene Sim-Karte für Daten eine schöne, einfache und sichere Sache. Auf Knopfdruck baut das Datenmodul ferner den besagten W-Lan-Hotspot für die Passagiere auf, was will man mehr? Der Fahrer bekommt mehr, nämlich eine ganze Reihe neuer Dienste, darunter vorlesbare Nachrichten oder Flug-, Bahn- und Parkplatzinformationen. Wichtig und sinnvoll sind Premium-Verkehrsinfos mit aktuellen Staudaten. Einiges ist aber nur gut gemeint, etwa die Online-Auskunft zu den Kraftstoffpreisen an Tankstellen in der Nähe, die während unserer Probefahrten sechs Tage alt und somit nur von historischem Wert waren. Facebook und Twitter gehören zum ersten Mal dazu, darauf kommen wir später zurück, und die Navigation mit Google-Earth-Darstellung sowie Google-Sonderzielsuche gab es bereits in älteren MMI-Anlagen.

Neu und spektakulär ist nun die E-Mail im Audi. Die elektronische Post wird auf dem Bordmonitor angezeigt und von einer synthetischen Stimme vorgelesen, damit die Ablenkung gering bleibt. Während der Fahrt sieht man aus diesem Grund nur die ersten Zeilen der Nachricht. Um das Ganze abermals einfach zu machen, ist keine E-Mail-Konfiguration im Fahrzeug erforderlich, vielmehr werden mit dem Bluetooth-Profil Message Access (Map) ohne jede Fummelei sämtliche Inhalte vom Smartphone übernommen. Der Pferdefuß besteht darin, dass derzeit lediglich die Blackberrys das Map hinreichend gut beherrschen. Apple behauptet zwar, das iPhone 5 einschließlich iOS 6 erlaube ebenfalls Map, aber das ist nicht richtig. Wir haben in Cupertino nachgefragt – und keine Antwort erhalten.

Der von uns eingesetzte Blackberry Z10 wurde also mit Bluetooth angebunden, anschließend sieht man im Telefonmenü des MMI den neuen Eintrag „Mitteilungen“. Hier sind untereinander der SMS-Posteingang sowie alle E-Mail-Konten aufgeführt, allerdings nur mit „Blackberry“ beschriftet, nicht mit dem Kontonamen. Einzelne Nachrichten lassen sich mit dem Controller öffnen, man kann (im stehenden Fahrzeug) durch den Text blättern oder, wie gesagt, die Vorlesefunktion nutzen. Telefonnummern in der E-Mail werden auf Wunsch erkannt, extrahiert und gewählt. Während der Fahrt kann man mit Textbausteinen antworten, mehr nicht. Im stehenden Auto öffnet sich zusätzlich ein Textfeld, hier lässt sich mit dem auf dem Controller malenden Finger sowie der bewährten „Handschrifterkennung“ anschließend jedweder Text eingeben. Das geht hinreichend flott, ist aber nur eine Behelfslösung.

Der spannende Aspekt ist vielmehr, dass man unterwegs informiert bleibt, ohne das Smartphone in die Hand nehmen zu müssen. Häufig reichen ja schon Absender und Betreff der Nachricht für eine erste Orientierung. Nach kurzer Zeit will man eine solche E-Mail-Funktionalität für das Bordsystem nicht mehr missen. Schade, dass sie derzeit nur mit dem Blackberry funktioniert. Im Vergleich mit der ähnlichen Lösung von BMW fehlen etliche Feinheiten, die Audi-Software ist schlichter. Und es fehlt die Möglichkeit, E-Mails zu diktieren.

Das ist um so kurioser, als die entsprechende Spracherkennung „Dragon Drive Messaging“ durchaus eingebaut ist, sie dient aber bei Audi allein dem Diktat von SMS-Nachrichten. Die Technik stammt von Nuance, zu Beginn ist eine Lizenz freizuschalten, die in unserem Fahrzeug anschließend für drei Jahre unentgeltlich bereitgestellt wurde. Nach der Auswahl des SMS-Empfängers kann man rund 30 Sekunden in einem Rutsch diktieren, bevor die Transkription des Audioschnipsels auf Nuance-Servern in Amerika erfolgt. Das Ergebnis wird via Mobilfunk zurückgeschickt, eine gute Netzversorgung ist also vonnöten. Im Vergleich mit BMW ist die Erkennungsleistung identisch, sie erreicht nicht ganz das Niveau von Apples Siri in ruhiger Umgebung.

Das Problem sind die Nebengeräusche des Fahrzeugs. Wie im BMW gilt: Die Erkennung arbeitet ohne vorheriges Sprechertraining, verzichtet auf ein persönliches Sprachmodell und ist nicht lernfähig. Es wird also nur ein Alltagsvokabular unterstützt, das sich nicht um individuelle Sprechweisen oder Eigennamen ergänzen lässt. Die Bedienung ist etwas sperriger und hakeliger als bei BMW, und die Korrekturoptionen sind bei beiden Herstellern unzureichend. Für ein schnell diktiertes „Komme später“ an die Lieben daheim ist Dragon Drive Messaging jedoch eine tolle Sache.

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