
Der Mokka ist zum Verkaufsschlager von Opel geworden. Jetzt aber tritt der nahezu identische Trax der Schwestermarke Chevrolet an. Was kommt heraus, wenn zwei das Gleiche tun?
Im Adam-Opel-Haus wird immer noch eher Sprudel statt Sekt getrunken. Die Krise ist noch lange nicht überstanden, aber man wähnt sich auf einem guten Weg. Vor allem der Mokka, ein pfiffiges Kompakt-SUV, steht in der Kundengunst weit oben. Wer in diesem Sommer einen bestellt, wird nicht vor Frühjahr mit dem Neuwagen bedient. Aber jetzt gibt es Konkurrenz im eigenen Haus. Eine weitere Tochtergesellschaft des Konzerns General Motors bringt das baugleiche Modell unter ihrem Markenzeichen auf den Markt. Der Chevrolet Trax wird im selben koreanischen GM-Werk gebaut, und wer die optischen Unterschiede feststellen möchte, muss schon genau hinsehen.
4,28 Meter lang ist der Mokka und übertrifft den Trax damit um knapp drei Zentimeter. Das liegt an den Stoßfängern des Opel, die wuchtiger ausgeformt sind. In Höhe und Breite sind beide identisch. Unterschiede gibt es außerdem an den Scheinwerfern und am Kühlergrill. Eine Chromspange ziert den des Mokka, das Chevrolet-Kreuz prangt auf der Mitte der lackierten Strebe, die den Grill des Trax horizontal teilt. Innen werden die Unterschiede deutlicher, viel unverkleidetes Blech im Trax, weiche Umhüllungen im Opel. Dessen Materialzusammenstellung hinterlässt den besseren Eindruck. Die Sitze der Marke mit dem Blitz sind wohl ausgeformt, bieten guten Seitenhalt. Ihr Komfort kann mit der Bestelloption Ergonomiesitze nochmals verbessert werden. Im Trax sitzt der Fahrer höher, muss aber auf glatten Polstern Platz nehmen und ist während Kurvenfahrten ständig in Bewegung. Auch dieser Punkt geht an Opel.
Opel erfüllt Sonderwünsche
Die Nase vorn beim Infotainment-System hat jedoch der Chevrolet. Das internetfähige My-Link gibt es von den Rüsselsheimern bislang nur im Kleinwagen Adam, im Mokka muss sich der Fahrer durch die vielen Knöpfe der Mittelkonsole arbeiten, wenn er Navigation oder Audioanlage bedienen will. Dafür gibt es hier die hilfreichen Anzeigen des Bordcomputers gleich dazu. Die Wegweisung im Trax funktioniert allerdings nur, wenn die Anlage mit einem Smartphone gekoppelt ist. Wir wollen das als Gleichstand zwischen den beiden Kontrahenten werten.
Die Variabilität des Innenraums ergibt einen Punkt für den Trax, die nach vorn umzuklappende Lehne des Beifahrersitzes erlaubt den Transport sperriger Gegenstände eher als die begrenzte Laderaumlänge des Mokka.
Das Motorenangebot umfasst bei beiden den betagten 1,6-Liter-Benziner mit 85 kW (115 PS) und den weit moderneren 1,4-Liter-Turbo mit 103 kW (140 PS). Bislang einziger Diesel im Programm ist der 1,7-Liter-Motor mit 96 kW (130 PS). Wer ihn bestellen will, wird auch beim Trax Geduld aufbringen müssen. Zunächst seien alle Selbstzünder für den Mokka vorgesehen, sagt ein Händler. Die Kombinationsmöglichkeiten mit einem sechsstufigen Automatikgetriebe und die Koppelung mit dem Allradantrieb unterscheidet sich geringfügig. Bei Opel gibt es das 4×4-System für den Turbomotor und den Diesel, jeweils nur in Verbindung mit dem Sechsgang-Schaltgetriebe. Der 1,4-Liter-Benziner mit Frontantrieb ist bei Chevrolet nicht im Programm.
Die Ausstattung ist es schließlich, die beide Kompakt-SUV auf eigenen Wegen fahren lässt. Der Trax wird in vier Versionen angeboten. Bei Opel finden sich nur drei Ebenen, in der Selection-Ausführung geht allein der 1,6-Liter-Benziner an den Start, alle anderen sind wenigstens auf dem Edition-Niveau ausgerüstet oder stehen in der Spitzenversion Innovation bereit. Im Basismodell von Chevrolet etwa ist die bei Opel serienmäßige Klimaanlage mit 1000 Euro Zuzahlung in der Liste zu finden, was die Kaufpreisdifferenz der Einstiegsmodelle beider Marken erheblich relativiert.
Ohnehin sind die Ausstattungen des Trax trotz bunter Vielfalt eingeschränkt. Sonderwünsche werden in größerem Umfang nur von Opel erfüllt. So sind bei Chevrolet lediglich die Posten für die erwähnte Klimaanlage und die Metalliclackierung (490 Euro) zu finden. Feinere Zutaten wie etwa das Winterpaket mit der Lenkradheizung (350 Euro) oder das adaptive Fahrlicht stehen beim Trax nicht zur Wahl. Wohl aber im Mokka. Der bekommt auf Wunsch außerdem für günstige 700 Euro das komplette Programm der Assistenzsysteme mit Kollisionswarnung, Verkehrsschilderkennung und Spurhaltehelfer. Exklusiv wird er obendrein mit dem pfiffigen Fahrradträger Flexfix ausgerüstet, der bei Nichtgebrauch im hinteren Stoßfänger verschwindet und ausgefahren bis zu vier Bikes transportieren kann.
Opel Mokka – der eineiige Zwilling für Individualisten
Optisch muss der Trax-Fahrer zudem hinnehmen, was er laut Ausstattungsliste geliefert bekommt. Opel dagegen bietet findige Optionen wie das OPC-Line-Paket an, das dem Mokka mit Lippen an Front- und Heckstoßfängern und betonten Seitenschwellern einen stärkeren Auftritt beschert. Auch die praktischen Helfer im Alltag geben dem Mokka einen Vorsprung. Eine Gummimatte oder eine wasserdichte Wanne für den Laderaum sind ebenso im Angebot wie die faltbare Unterteilung des Frachtabteils für bessere Ladungssicherheit.
So ist der deutsche Part der eineiigen Zwillinge die richtige Wahl für jene, die ihr Auto individualisieren möchten, Wert auf mehr Sicherheit legen und ohnehin ein mittlerweile wieder deutlich besseres Image bevorzugen, als es die Marke Chevrolet bieten kann. Schließlich wurde der Mokka jüngst von den Lesern der Fachzeitschrift „Off Road“ zum beliebtesten Kompakt-SUV in Deutschland gewählt. Der Trax ist eine Empfehlung für Kunden, die sich mit Garderobe von der Stange anfreunden können und ein günstiges SUV-Angebot mit preiswerter Ausstattung suchen. Die Preise der vergleichbaren Modelle liegen bei 22790 Euro für den Trax 1,4 LT AWD und 24185 Euro für den Mokka 1,4 Turbo 4×4 Edition. Chevrolet ist sich bewusst, dass der Trax unter diesen Bedingungen eine Randerscheinung bleiben wird. Mehr als 60Prozent der Interessenten an diesem Segment würden sich im Zweifel für eine deutsche Marke entscheiden. Selbst wenn das Fahrzeug eigentlich aus Fernost kommt. Und falls das doch ein Nachteil sein sollte? Auch darauf hat Opel unter seinem neuen Vorstandsvorsitzenden eine Antwort gefunden. Der Mokka wird von Mitte kommenden Jahres an auch in Europa (Spanien) und nicht mehr allein in Korea produziert werden. Es scheint, als weise General Motors seinen Familienmitgliedern allmählich klarere Rollen zu. Vernünftig wäre es.
