
Nach zehn Alpenpässen in zwei Tagen gibt es keine Zweifel: Die steilen Berge sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren. Es darf vermutet werden, dass es am Audi RS Q3 liegt.
Früher trugen manche Autos noch sichtbare Auszeichnungen. Das waren quasi Orden für Heldentaten im Straßenverkehr. Dazu zählte vor allem das Bewältigen von Alpenpässen. Dafür gab es kleine Blechschilder mit stilisierten Lorbeerkränzen und heroischen Abbildungen von Gipfeln, Straßen und Automobilen. VW Käfer knatterten stinkend und keuchend die Steigungen hoch, Opel Rekord und Ford Taunus erklommen mit kochenden Kühlern die Höhen, und den Diesel-Mercedes entwichen fette Wolken im Kriechgang. Passfahrten waren die kleinen Abenteuer zwischendurch, und sie galten als Bewährungsproben für Maschinen und Menschen. Das hat sich geändert. Vor allem für die Technik. Deshalb tragen die Autos auch keine Orden mehr für den Sieg über die Pässe.
Denn technischer Fortschritt hat den einst mühsamen und materialmordenden Aufstieg in ein Vergnügen am Volant verwandelt. Wenn der Berg ruft, dann antwortet der Turbolader. Wenn die Luft dünner wird, regelt die Elektronik das Gemisch neu ein. Wenn an einem Rad die Traktion verloren geht, wird die Motorleistung neu verteilt. Wenn es um den Gangwechsel geht, dann wirft das Getriebe auf Tastendruck die passende Schaltstufe ein.
Um Präzision und Dosierung der Lenkkräfte bemühen sich Servosysteme, und die Motortemperatur bleibt dank stärkerer Kühlleistungen weit unter der Fieberkurve. Beim Abstieg werfen die Scheibenbremsen kleine Anker ins Geröll, ABS-Regelkreise lassen die Bremsen rattern, und die Elektronik gibt das unbelastete Rad schneller frei, als es auf lockerem Untergrund blockieren kann.
Dennoch fordert jeder anständige Pass den Fahrer. Bergsteigen auf Rädern ist für den Bewohner der Ebenen ein ungewohnter Vorgang. Scharfes Denken und schnelles Lenken sind gefragt, bei zügiger Fahrt nähern sich die engen Kurven im Sekundentakt. In engen Kehren und gleichzeitig fordernden Steigungsgraden von zwölf oder fünfzehn Prozent ist der gut getimte Gaseinsatz das beste Mittel zur Erhöhung der Agilität: Wer zu langsam fährt, den bestraft die Steigung. Wer zu schnell ist, kommt rasch in den Verformungsbereich. Des Autos, nicht der Gebirgswand oder der Begrenzungsmauer. Die halten seit Jahrhunderten oder seit Jahrzehnten. Eine Passstraße ist kein Boulevard. Eine Ausweichstelle kein Parkplatz. Und die Fahrbahnen sind häufig gezeichnet von den Bedingungen des Hochgebirges: Sie hängen nach außen, bieten Auswaschungen und Risse durch Frost oder Wasserdruck, gepflasterte Abschnitte sind glitschig, austretendes Schmelzwasser hält sie feucht, und Bodenwellen und Verwerfungen fordern den Körper des Fahrers, bringen Verdauungsorgane in Unordnung, schütteln ihn durch, und Herz und Atmung arbeiten mit verändertem Rhythmus in ungewohnter Höhe.
Begegnungen mit talwärts Fahrenden sind Risikotreffen. Vorausschau ist im knappen Radius der Kehre beim Aufstieg die erste Verpflichtung, Omnibusse sind dicke Schiffe und ungeübte Autofahrer aus den nördlichen Tiefebenen oder den östlichen Tundra- und Taigagebieten benötigen mehr Raum, als in der Spitzkehre herumliegt, bereit sein zum Bremsen ist oberstes Gebot, Geröll kennt keine Jahreszeit und hält sich wie der Lawinenstrich nicht immer an Warnschilder.
Gut gerüstet für den Ruf der Berge
Das gilt auch für Gämsen und Geißen, die ohne Heidi und den Peter unterwegs sind. Rote Autos sind für die wild lebenden Ziegen am Falzàrego-Pass wie rote Tücher. Und unser Audi RS Q3 ist gewandet wie die Feuerwehr. Er geht auch so und gehört zu einer kleinen Flotte von Audi-Autos, die in mehreren Etappen durch die Alpen eilen. Ihr Ziel sind die hohen Übergänge und die gefährlichen Überhänge der Berge und der Almen, wo es bekanntlich keine Sünde gibt. Zügiges, aber nicht zu schnelles Fahren ist der Auftrag. Audi möchte den hohen Anspruch seiner RS-Familie demonstrieren, dass sich Athletenleistung mit Alltagsleben gut verbinden lässt. Den Beweis sollen der RS6 Avant und der RS7 Sportback sowie das RS5 Cabrio erbringen. Einige alte Quattros sind auch dabei. In den Bergen wirken sie jünger, als sie sind. Schließlich haben sie mit Frau Mouton und Herrn Röhrl einst die Legende der allradgetriebenen Audis auf den Rallye-Strecken der Welt begründet.
Wir sind mit dem Audi RS Q3 recht gut gerüstet für den Ruf der Berge. Der Trenker Luis, der wäre begeistert von diesem Zeug zum Fahren. Schon wegen seines Temperaments: Fünfzylindermotoren sind eine mittlerweile selten anzutreffende Bauform geworden, die Maschine im RS Q3 verteilt ihren Hubraum von 2480 Kubik auf fünf Töpfe, sie ist nicht mehr die jüngste, aber mit Turboaufladung, Vierventiltechnik, Direkteinspritzung und diversen Maßnahmen zur Verbrauchssenkung gehört sie mit 310 PS (228 kW) noch längst nicht zum alten Eisen. Im rund 1800 Kilo wiegenden Q3 ist sie jederzeit präsent, das Auto stürmt die kurzen Geraden am Falzàrego-Pass hinauf, kniet sich in die Spitzkehren, gewinnt die Höhen, und auch akustisch lässt der Motor keine Zweifel an seiner Tauglichkeit für den hohen Himmel.
Der Fünfzylinder arbeitet mit der für diese Bauform charakteristischen unregelmäßigen Zündfolge, und daraus entwickelt sich unter Volllast in Verbindung mit dem Turbolader der Übergang vom einzelnen Jodlerruf zum Chor der Kletterer und Kraxler. Dank der nahe an der Hinterachse montierten Lamellenkupplung im Antriebsstrang nimmt der RS Q3 mit variabler Kraftverteilung die engsten Kehren selbst im steilsten Geläuf mit geringstmöglichem Traktionsverlust. Um die Gangwahl bemüht sich erfolgreich das S tronic-Getriebe von Audi, eine Box, die sieben Vorwärtsgänge offeriert und mit zwei Kupplungen und zwei Teilgetrieben arbeitet, zwischen denen bei Bedarf hin und her geschaltet wird. Das vollzieht sich in Sekundenbruchteilen, und auf dem Falzàrego-Scheitel in etwa 2100 Meter Höhe atmen Auto und Fahrer durch.
Dem Audi sind Ermüdungserscheinungen fremd
Wir warten auf die Geierwally aus München, sie wollte mit dem RS6 Avant und zwei Murmeltieren nachkommen. Aber womöglich ist sie mit dem stärksten Audi Avant und seinen 560 PS (412 kW) schon voraus und schwärmt beim Picknick vom Großglockner, der seit den frühen Morgenstunden hinter uns liegt. Zwischen Omnibussen und Ausflugsautos sorgt auf dem Parkplatz der kompakte Audi Q3 für Aufsehen. Er mutiert zum Objekt der Begierde für die mobilen Herrschaften mit dem Silberhaar und der freien Rentner-Zeit. Sie wissen nicht nur den Blick auf Gletscher und Gämsen zu schätzen. Die gut überschaubare Karosserie des SUV, die höhere Sitzposition, das bequemere Ein- und Aussteigen und der gut zugängliche Kofferraum sind Eigenschaften, die man in diesen Jahren des Rückzugs ins private Reisen und Genießen durchaus schätzen kann. Nicht jeder Wanderschuhträger zuckt beim Preis des RS Q3 zusammen: 54.600 Euro.
Zwei Stunden später wird es Zeit für die längere Rast. Die Dolomiten schauen herüber. Hoch am Himmel sind die Kastelruther Spatzen zu hören. Der heiß gefahrene Audi Q3 hockt mit laufendem Motor und summendem Kühlgebläse zum Verschnaufen an einem der Felsen. Fahrer und Beifahrer schütteln die Kurven aus den Knochen. Große Brocken vom Berg liegen hier oberhalb von 2000 Meter wie aus dem Baukasten von Riesenkindern gestürzt, verstreut herum, und das Auto knackt in den Gelenken und über seiner Motorhaube flimmert die Luft in der Sonne. Zwei Murmeltiere halten in guter Entfernung ihre Bäuche in die warme Luft des späten Sommers. Beim Schlagen der Türen pfeift der diensthabende Wachmann-Murmel, und die possierlichen Bergbewohner beschleunigen auf den ersten beiden Metern schneller als jeder Audi.
In zwei Tagen haben wir ohne Seil und Haken die vergleichsweise idyllische Nockalmstraße, die einst gefürchtete Turracher Höhe, den im Winter ungeschützten Sölkpass, den sanften Pass Thurn, die noch immer unglaublich-herrliche Großglockner-Hochalpenstraße, den einst hartumkämpften Falzàrego-Pass, den Valparola-Pass mit seinem eiseskalten See und schließlich den wegen der Autobahn weniger frequentierten Brennerpass absolviert. Dem Audi RS Q3 sind Ermüdungserscheinungen fremd. Wahrscheinlich liegt es wirklich nicht an den ewig herausfordernden Pässen. Der Audi bekommt einen kleinen blechernen Orden.
