Finanzen

Schweizer Anleger: Cool durch die Krise

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Nahaufnahme einer Schweizer Flagge an der Schifflände: Vermögende Schweizer haben an der Börse in der Krise die Nerven behalten.

Als im März die Aktienkurse wegen der Corona-Krise tief in den Keller rauschten, haben die meisten vermögenden Anleger Ruhe bewahrt. Nur die wenigsten gerieten in Panik und trennten sich von ihren Wertpapieren. Etliche kauften sogar Aktien zu. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Abteilung für Asset Management der Johannes-Keppler-Universität Linz, die von der Liechtensteiner Privatbank LGT in Auftrag gegeben wurde. Sie wird am Montag veröffentlicht, liegt der F.A.Z. aber vorab vor.

„Die meisten Investoren haben besonnen auf den Kurssturz reagiert“, sagt der Studienleiter Professor Teodoro Cocca im Gespräch mit der F.A.Z. Seine Erkenntnisse beruhen auf der Befragung von 127 Anlegern aus der Schweiz, die über ein frei verfügbares Anlagevermögen von jeweils mehr als 90.0000 Franken verfügen. Cocca glaubt, dass die Ergebnisse bei einer Umfrage unter vermögenden deutschen Privatinvestoren sehr ähnlich ausgefallen wären. In der Vergangenheit habe man immer wieder gesehen, dass reiche Deutsche und Schweizer ähnlich auf Krisen an den Aktienmärkten reagierten.

Überraschungseffekt verhinderte eine schnelle Reaktion

Die knappe Mehrheit der befragten Eidgenossen hat ihr Portfolio zwischen Mitte Februar und Ende April einfach gar nicht angerührt. Cocca räumt ein, dass dies wohl auch mit der hohen Geschwindigkeit der Talfahrt an den Börsen zu erklären sei. Will heißen: Der Überraschungseffekt verhinderte eine schnelle Reaktion. Und da es schon kurz nach dem starken Kurseinbruch zu einer raschen Erholung kam, sah man hernach auch keine Veranlassung mehr zu handeln.

Der Kursverlauf habe die Anleger insgesamt in der von vielen Beratern gestützten Haltung bestärkt, nicht aufgrund kurzfristiger Schwankungen von einer einmal gewählten, langfristigen Anlagestrategie abzuweichen. Damit bestätige sich die Lehre aus der Finanzkrise 2008: „Damals hat sich auch ausgezahlt, im Markt investiert zu bleiben.“ Um die Anleger in Panik zu versetzen, müsse offenkundig noch mehr passieren.