Anschlag auf Familie: Jüdischer Extremist schuldig gesprochen

Published 18/05/2020 in Ausland, Politik

Anschlag auf Familie: Jüdischer Extremist schuldig gesprochen
Der Täter Amram Ben-Uliel am Montag im Gericht

Ein israelisches Gericht in Lod hat am Montag einen jüdischen Siedler des dreifachen Mordes an einer palästinensischen Familie schuldig gesprochen. Der heute 25 Jahre alte Täter hatte im Jahr 2015 einen Brandanschlag auf das Wohnhaus der Familie Dawabshe in Duma im Westjordanland verübt. Dabei wurden ein eineinhalb Jahre altes Baby und dessen Eltern getötet, ein weiteres Geschwister schwer verletzt. Der Täter hatte in der Nacht einen Molotow-Cocktail durch das Schlafzimmerfenster der schlafenden Familie geworfen. Außerdem wurde der Siedler des versuchten Mordes in zwei Fällen schuldig gesprochen, von der Mitgliedschaft in einer terroristischen Organisation jedoch freigesprochen. Ein zum Tatzeitpunkt minderjähriger Mittäter wurde der Planung eines Terroranschlags und der Mitgliedschaft in einer Terrororganisation schuldig gesprochen. Das Strafmaß soll im Juni verkündet werden.

Die Tat des Religionsstudenten Amram Ben-Uliel war offenbar auch Rache für einen Mord an einem jungen Israeli, der einen Monat zuvor von Palästinensern in der Nähe von Duma ermordet worden war. An die Hauswand der getöteten palästinensischen Familie waren auf Hebräisch die Worte „Lang lebe der König Messias“ und „Rache“ geschrieben worden. Der Täter hatte seine Taten gestanden. Zwei dieser Geständnisse hatten die Richter jedoch für ungültig erklärt, da diese durch Gewaltanwendung der Ermittler erzwungen wurden.

Die Tat hatte im Westjordanland, in Israel und im Ausland Empörung hervorgerufen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hatte danach „null Toleranz“ gegen die Täter angekündigt. Nach dem Anschlag von Duma hatte die israelische Generalstaatsanwaltschaft erstmals „besondere Verhörmethoden“ genehmigt, die bis dahin nur gegen palästinensische, nicht jedoch gegen jüdische Tatverdächtige eingesetzt worden waren. Der Täter Ben-Uliel hatte den Geheimdienstlern vorgeworfen, ihn geschlagen zu haben. Außerdem sei er in Haft gezwungen worden, singenden Frauen zuzuhören, was frommen Juden wie ihm nicht erlaubt sei. Erst ein drittes späteres Geständnis Ben-Uliels akzeptierten die Richter.

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