Infektionsherd in den Bars: Südkoreaner fürchten zweite Welle

Published 10/05/2020 in Gesellschaft, Gesundheit

Infektionsherd in den Bars: Südkoreaner fürchten zweite Welle
Wieder geschlossen: die Nachtclubs in Seoul.

Der Vorfall ist ein gutes Beispiel, wie entschlossen und schnell die südkoreanischen Behörden gegen die Ausbreitung des Coronavirus vorgehen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai verlebte ein 29 Jahre alter Südkoreaner in fünf Bars und Nachtklubs im Stadtteil Itaewon in Seoul einen geselligen Abend – und verbreitete dabei nach Vermutung der Behörden das Virus. Bis Sonntag wurden 54 Menschen, darunter Besucher der Klubs, Familienangehörige und Arbeitskollegen, positiv getestet. Die Ausdehnung des Virusherds geht weit über Seoul hinaus. Rund 1500 Menschen hatten in den fraglichen Stunden Vergnügungsstätten in dem Stadtteil besucht, in dem auch viele Homosexuelle verkehren, die in Korea sonst an den Rand gedrängt werden. Die Regierung kennt die Zahl der Besucher so genau, weil die Klubs Namen und Telefonnummern aller registrieren müssen.

Ministerpräsident Chung Sye-kyun gab am Wochenende die Anweisung aus, alle rund 1500 Menschen zu identifizieren, zu finden und sie auf das Coronavirus testen zu lassen. Nicht wenige der Klubgänger aber haben falsche Nummern angegeben oder gehen nicht ans Telefon. Ein erzürnter Bürgermeister von Seoul, Park Won-soon, verbot am Wochenende der „Vergnügungsindustrie“ deshalb auf unbestimmte Zeit die Öffnung. Dazu gehören Klubs und Bars, Karaokebars und Animierlokale. Es ist erst das zweite Mal seit Februar, dass diese Etablissements in der Hauptstadt virusbedingt schließen müssen. Die Behörden gehen davon aus, dass die Zahl der Infizierten durch diesen Vorfall noch deutlich steigen wird.

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