
Die mitunter fragwürdigen Bedingungen, unter denen auf Deutschlands Schlachthöfen gearbeitet wird, sind kein neues Phänomen. Die Corona-Krise wirft allerdings abermals ein Schlaglicht darauf, was sich sonst weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit abspielt: Es sind vor allem osteuropäische Arbeitskräfte, die dafür sorgen, dass es Fleisch in Deutschland so reichlich und so günstig zu kaufen gibt.
Sie übernehmen jene Arbeiten, für die sich kaum noch Einheimische gewinnen lassen. Sie leben dafür oft weit entfernt von ihren Familien in ausgemusterten Kasernen, Gasthöfen oder Containersiedlungen.
Dass sich unter den beengten Arbeits- und Lebensverhältnissen Viren besonders gut verbreiten, war abzusehen. Die Bundesregierung hat zwar die Arbeitsschutzstandards verschärft. Unterbringung nur noch in Einzelzimmern, keine gemeinsamen Bustransfers – die Liste ist lang.
Doch jedem Beteiligten klar gewesen sein, dass viele dieser Regeln nur auf dem Papier existieren würden. Die Ministerien sind nun fein raus, für die Einhaltung der Vorschriften sind schließlich die Behörden vor Ort zuständig. Dass die Verbraucher, die seit Jahren weiter eifrig zum Billigfleisch greifen, an den Zuständen auch nicht ganz unschuldig sind – das will in Berlin lieber niemand laut sagen.
