Proteste gegen Corona-Politik: Brett vor dem Kopf gehört nicht zu den Grundrechten

Published 10/05/2020 in Inland, Politik

Proteste gegen Corona-Politik: Brett vor dem Kopf gehört nicht zu den Grundrechten
Auf der Canstatter Wasen

Es ist durchaus nötig und ehrenwert, für Freiheit und die Grundrechte einzutreten, wenn die Gefahr besteht, dass sie über Gebühr eingeschränkt oder ganz verwehrt werden. Was sich die „Widerstandskämpfer“ am Wochenende aber im Protest gegen eine „übertriebene“ Corona-Politik geleistet haben, ist zu Markte getragene Ignoranz. Sie erinnern fatal an die „Zivilcourage“ à la Pegida.

Ohne Rücksicht auf Abstandsregeln, ohne Mundschutz, ohne Rücksicht auf Präzedenzfälle (Viren-Schleudern durch Massenansammlungen), kurz: ohne Verstand wurde in Stuttgart und anderswo für eine Freiheit geworben, die eine Freiheit ohne Maß, ohne Verantwortung, ohne Folgenabschätzung, ohne Staatsbürgerlichkeit ist. Diese Freiheit gehört aber nicht zu den Grundrechten. Sie gehört ins Grundgesetz der Primitivität.

Die Eigenverantwortung, die von den Protestierenden so gerne im Munde geführt wird, ist in Wahrheit eine Ego-Verantwortung, ein Widerspruch in sich. Eigenverantwortung hieße, in Betracht zu ziehen, dass das eigene Verhalten dazu führen könnte, andere zu infizieren – und damit in ihrer Freiheit auf dramatische Weise einzuschränken. Im Falle der Corona-Epidemie ist das umso wichtiger, weil niemand wissen kann, ob er selbst das Virus trägt.

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