
Der Dienstag war für die Aktionäre von Kreuzfahrtgesellschaften ein harter Tag. Mehr als 22 Prozent ging es abwärts für die Notierung der Norwegian Cruise Line, 10 und 9 Prozent Kursverlust verbuchten die Aktien der Royal Caribbean und der Carnival Corporation.
Schon Mitte März waren die Kurse der von der Corona-Krise besonders schwer getroffenen Unternehmen auf Rekordtiefs gefallen, für die Carnival-Aktie war es ein 27-Jahres-Tief. Seitdem hatten sich die Kurse zwischenzeitlich verdoppelt, was bei Kursverlusten von mehr als 80 Prozent aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein war.
Was die Kurse am Dienstag abermals unter Druck brachte, war die Lage der Norwegian Cruise. Der Kreuzfahrt-Anbieter sieht wegen der Virus-Krise das eigene Überleben in Gefahr. Das Unternehmen habe nicht genügend Mittel, um seine finanziellen Verpflichtungen der kommenden Wochen zu erfüllen. Daher will es durch die Ausgabe von Aktien und Anleihen insgesamt zwei Milliarden Dollar einsammeln.
Norwegian Cruise Line Holdings
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Dazu bietet Norwegian sogar Inseln und Schiffe als Sicherheiten. Die Anleihen stießen auf erhebliches Interesse bei Investoren, heißt es. Das überrascht nicht. Denn die Anleihen sollen bei einer Laufzeit von vier Jahren mit einer Rendite von 12,575 Prozent und einem Zinskupon von 12,25 Prozent begeben worden sein. Das habe dem Unternehmen zunächst einmal brutto 675 Millionen Dollar gebracht.
Laut einer Pressemitteilung vom 27. April fließen allerdings jeden Monat etwa 110 bis 150 Millionen Dollar an Liquidität ab, so dass das frische Geld gerade einmal für ein halbes Jahr reichen würde. Immerhin hat Norwegian Kreuzfahrten bis mindestens zum 30. Juni ausgesetzt.
Zudem aber plazierte Norwegian Wandelanleihen im Volumen von 650 Millionen Dollar sowie Aktien im Umfang von 350 Millionen. Zudem habe eine Gesellschaft des Private-Equity-Investors L.Catterton 400 Millionen Dollar über Wandelanleihen investiert und wird künftig im Verwaltungsrat vertreten sein. Norwegian habe die jüngste Flotte und sei die rentabelste Aller Gesellschaften, sagte Catterton-Chef Scott Dahnke der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Zahl der Aktien steigt damit um rund ein Sechstel.
CARNIVAL
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Zusammen mit Änderungen an Kreditbedingungen sollen die Maßnahmen Liquidität von sogar 3 Milliarden Dollar bringen, was viel erscheint, aber angesichts eines erwarteten Verlusts im ersten Quartals von knapp 2 Milliarden Dollar doch wieder nicht. Das Geld soll für 12 Monate reichen, wenn Kreuzfahrten in diesem Zeitraum nicht möglich sind. Als ob diese Situation nicht schon schlimm genug wäre, werden gegen die Reederei auch wegen Verbrauchertäuschung im Vertrieb Untersuchungen in mehreren Bundesstaaten geführt.
Restrukturierungs-Insolvenzen werden auch für Royal Caribbean und Carnival nicht per se ausgeschlossen. Für die Aktionäre hieße das dann wohl mehr oder weniger einen Totalverlust. Das macht Kreuzfahrtaktien auch auf dem historisch niedrigen Preisniveau sehr riskant, auch wenn sich der Kreuzfahrtmarkt wohl in jedem Fall wieder öffnen sollte. Der größte Teil der Carnival-Flotte wird wird bis Ende August nicht mehr fahren.
Alle drei Gesellschaften waren schon vor der aktuellen Krise stark verschuldet. Carnival hat Ende März 6 Milliarden Dollar neu aufgenommen, mehr als 90 Prozent davon als Kredite. Eigentlich hatte das Unternehmen für 1,25 Milliarden Aktien verkaufen wollen, doch es wurden nur 500 Millionen. Die Euro-Alt-Anleihen der Gesellschaft rentieren mit rund 20 Prozent, der Kurs der 2019 begebenen Anleihe der britischen Tochtergesellschaft ist auf 50 Prozent des Nominalwerts gefallen. Verzinst ist sie mit 1 Prozent. Die neuen Anleihen haben eine Kupon von 11,5 Prozent. Auch Royal Caribbean wird bis mindestens zum 11. Juni nicht mehr fahren und hat sich rund 3 Milliarden Dollar neuer Kredite gesichert. Die Anleihen rentieren derzeit mit rund 15 Prozent.
Royal Caribbean Cruises Ltd
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Ob alle drei Gesellschaften überleben können, und wenn nicht, welche, ist derzeit unklar. Mit einem Umsatz von rund 21 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr ist Carnival das größte der drei Unternehmen, fast doppelt so groß wie Royal Caribbean, das noch einmal um zwei Drittel größer ist als Norwegian. Royal Caribbean ist aber die ertragstärkste, knapp vor Norwegian, das wiederum als der wahrscheinlichste Übernahmekandidat gilt, wie auch das Engagement von Catterton nahelegt.
Der Kreuzfahrtmarkt dürfte sich zudem so rasch nicht erholen. Einige Urlauber dürften sich nach dem Schrecken durch die Corona-Pandemie vorsichtiger geworden sein, wenn es darum geht, Urlaub lange Zeit dicht auf dicht zu verbringen, warnt auch der amerikanische Börsendienst Motley Fool. Möglicherweise werden auch Kreuzfahrtschiffe künftig erst einmal deutlich weniger Passagiere befördern, was die Rentabilität erheblich beeinträchtigen könnte. Ob also bei verlockenden Bewertungen mit 40 (Royal Caribbean, Norwegian) oder 60 Prozent (Carnival) des Buchwerts der Kauf von Kreuzfahrt-Aktien momentan gerade die beste Idee ist, ist doch zu bezweifeln.
