Inland

Stufenmodelle und Extrawürste: Mehr Schweden wagen

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Sie ist, ungewollt, auf Laschet-Kurs: Angela Merkel am Mittwoch im Kanzleramt.

Geht nun ein Aufatmen durch Deutschland? Nicht nur im Verhältnis von Bund und Ländern hat sich in den vergangenen Tagen etwas verschoben, auch die Corona-Politik selbst gehorcht einer anderen, einer liberaleren Richtung als noch vor zwei Wochen. Dem Bundeskanzleramt ist die Rolle entglitten, die es damals, wenigstens äußerlich, noch hatte. Einheitliche Ausgangsbeschränkungen gibt es nicht mehr. Es gibt gut begründete Extrawürste – zum Beispiel in Sachsen-Anhalt.

Die Bundeskanzlerin hatte allerdings in der Corona-Krise, anders als noch in der Flüchtlingskrise, nie das letzte Wort. Sie übernahm immer eine von den Ländern zugestandene Rolle – die Entscheidungsgewalt blieb bei den Ländern. Dass dort, in den Landkreisen und Städten, umsichtig und leistungsstark gehandelt wird, ist unter den Bedingungen der jetzt angekündigten unterschiedlichen Stufenmodelle noch wichtiger als bisher.

Wichtiger ist die Richtung, in die es geht

Lockerung heißt nicht weniger, sondern mehr Verantwortung. Steigt die Zahl der Neuinfektionen über das jetzt vereinbarte regionale Maß, ist das ein Zeichen dafür, dass die jeweiligen Gesundheitsämter die Kontrolle über die Infektionsketten wieder verloren haben. Das konnte vor Wochen noch mit dem Virus begründet werden, künftig liegt es an schlechter Vorbereitung – und sei es, da Deutschland sich Lockerungen ohne Tracing-App leistet.