
Den europäischen Anleihemärkten ist über das Wochenende eine Hiobsbotschaft erspart geblieben. Denn die amerikanische Kreditbewertungsagentur Standard & Poor’s hat an ihrer Bewertung der Bonität Italiens festgehalten. Die langfristige Bonitätsnote lautet unverändert „BBB“. Das heißt: Die Anleihen gelten weiterhin als anlagewürdig, denn der Schuldner verfügt über ausreichende Fähigkeiten, seinen finanziellen Verpflichtungen nachzukommen- allerdings könnte diese Fähigkeit durch eine Verschlechterung seiner Rahmenbedingungen bedroht werden.
Im Falle einer deutlichen Verschlechterung droht eine Abwertung der Bonität italienischer Staatsanleihen auf „nicht mehr anlagewürdig“. In der unverblümten Sprache der Finanzmärkte hieße das „Ramschniveau“. Eine Herabstufung durch Standard & Poor’s hätte in der Folge Herabstufungen auch durch andere Agenturen nach sich ziehen können.
Blick in die Details
Es lohnt, die Begründung für die Bewahrung der aktuellen Bonitätsnote zu studieren. Einerseits erwartet Standard & Poor’s für das laufende Jahr ein Haushaltsdefizit des Staates von 6,3 Prozent der Wirtschaftsleistung und einen Anstieg des Bestands der Staatsschulden auf 153 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das sind ernüchternde Zahlen, aber das von der Agentur gezeichnete Bild Italiens ist nicht nur negativ. Vielmehr verweist sie auf eine „diversifizierte und vermögende Volkswirtschaft“, auf die hohen Auslandsvermögen sowie auf die im internationalen Vergleich niedrige Verschuldung der Unternehmen und der privaten Haushalte.
Daraus leitet die Agentur eine Verpflichtung der italienischen Politik ab, selbst Anstrengungen zu unternehmen, die nach der Überwindung der Krise das Wirtschaftswachstum kräftigen und den Trend zu einer immer höheren öffentlichen Verschuldung wieder einmal umkehren. Das war schon einmal in den neunziger Jahren gelungen, wenn auch mit übersichtlichem Ergebnis.
Auf absehbare Zeit wird Italien auf die Anleihekäufe der EZB sowie auf andere Unterstützungen aus Europa angewiesen bleiben. Aber dies darf kein Dauerzustand werden. Nicht nur im Interesse der europäischen Partner, gerade auch im eigenen Interesse muss Italien sein wirtschaftliches Schicksal in die eigene Hand nehmen.
