
Es gab für viele in jenen Tagen Wichtigeres, als Tagebuch zu führen. Aber mancher nahm sich Zeit dafür. „Eine strahlende Frühlingssonne lag über einer tiefen Stille“, notierte Pfarrer Franz Petzold von der Emmausgemeinde in Eschersheim. „Als ob über dem Chaos der Trümmer alles Leben still stünde.“ Es war die Ruhe nach dem Sturm. Drei Tage war Ende März 1945 um Frankfurt gekämpft worden, von Montag an, man schrieb den 26. März, bis Mittwoch. Es war die Woche vor Ostern. Dann war der Krieg für die 270.000 Frauen und Männer, die in der längst zerstörten Stadt noch ausgeharrt hatten, vorbei. Am Gründonnerstag meldete ein amerikanischer Rundfunksender, Frankfurt sei eingenommen.
Erst in der Nacht zum Freitag hatten die amerikanischen Truppen bei Oppenheim den Rhein überschritten, zwei Tage später hatten sie schon Darmstadt, Langen und Rüsselsheim besetzt. Die Wehrmacht konnte kaum noch etwas ausrichten. „Aus dem Raum südlich Frankfurt schiebt sich stärkerer Feind gegen den unteren Main vor“, meldete der Wehrmachtsbericht über den Kriegsverlauf am Montag. „Offenbach ging nach schweren Straßenkämpfen verloren. Auch im Südteil Frankfurts wird gekämpft.“
Alles ging schnell
Es ging dann alles schnell. Nur kurz wurde der Main zur Front. Nachdem die Amerikaner über die Wilhelmsbrücke, die heutige Friedensbrücke, auf die Nordseite des Flusses vorgedrungen waren, besetzten sie zunächst Sachsenhausen und rückten dann erst ungefähr vom Baseler Platz aus weiter auf die Innenstadt vor. Wie dramatisch es zeitweise zuging, wird in einem Bericht über die Ereignisse deutlich, den später Werner Brügel, der Adjutant von Kampfkommandant Erich Löffler, verfasste. Der Feind habe „in einem schneidig zu nennenden Infanterieangriff das diesseitige (nördliche) Mainufer gewonnen und einen Brückenkopf gebildet“, heißt es dort, sodann hätten die Amerikaner Vorstöße Richtung Hauptbahnhof und Richtung Schauspielhaus unternommen, der Frontverlauf sei nun so: „Vom Mainufer über Wiesenhüttenstraße und zur stadtwärtigen (östlichen) Begrenzung des Bahnhofsplatzes bis einschließlich Schumann-Theater. Das letzterem gegenüber liegende, durch die Karlsstraße davon getrennte Carlton-Hotel sei in Feindbesitz. Die Front verlaufe stadtseitig um dieses Hotel herum und folge der Mainzer Landstraße zum Adolf-Hitler-Platz (jetzt Platz der Republik).“
