Politik

Frankfurter Zeitung 14.03.1930: Der Protestmarsch Gandhis

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Mahatma Gandhi mit seinen Anhängern beim berühmten Salzmarsch im Frühjahr 1930.

Mit 79 seiner Schüler hat sich Gandhi zu seinem Feldzug für den propagandistischen Ungehorsam in Bewegung gesetzt. Tausende waren aus der Stadt Ahmadabad, in deren Nähe sich Gandhis klösterliches Lager befindet, zu Nachtzeit herausgeströmt und sahen in der Morgendämmerung den Aufbruch zum Marsche nach dem 250 Kilometer entfernten, in der Richtung nach Bombay liegenden Jalalpur, in dessen Nähe sich die Salzlager befinden, mit an.

Beifallsrufe ertönten, als Gandhi, mit nacktem Oberkörper und nur mit einem Lendenschurz bekleidet, aus dem Lager trat. An seiner Seite war seine Frau und neben ihm die vielgenannte Engländerin, die sich unter dem Namen Mira Bei Gandhis Gefolgschaft angeschlossen hat. Tausende folgten Gandhi bis zur Stadt Ahmadabad- die Frauen, die den Zug nicht mitmachen sollten, gaben den Kämpfern gegen die Salzsteuer das Geleit.

Ein Weinwagen, der mit den indischen Nationalfarben geschmückt war, trug hausgewebte Tuche, das Symbol der wirtschaftlichen Selbstständigkeitsbestrebungen der Inder. Eine Stute mit einem Kranz goldgelber Dotterblumen geschmückt, befand sich im Zuge- kann einer die 10 Meilen Tagesmarsch, die vorgesehen sind, nicht leisten, so darf er auf ihr reiten.

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Der Aufbruch ging in vollster Ordnung und ohne alle Zwischenfälle vor sich, und auch auf dem bisherigen Wege ist es nicht zu Unruhen gekommen. Englische Beobachter schienen nicht den Eindruck zu gewinnen, daß die Bewegung besonders breite Schichten erfasse. Unter den vielen, die gekommen waren, um den Aufbruch mit anzusehen, befanden sich zahlreiche Neugierige. Um so intensiver, mit fanatischem Eifer waren dafür freilich die Anhänger des Mahatma dabei. In einigen anderen Städten wurde der neue Beginn der Unabhängigkeitsbewegung durch Demonstrationen gefeiert. Hin und wieder kam es zu Zwischenfällen mit der Polizei.

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In Bombay wurde die Demonstration durch das provinziale Kongreßkomitee organisiert. Die zur Demonstration gemietete Musikkapelle fing unglücklicher Wiese die ihrer Routine von Festlichkeiten vertraute Hymne „God save the king“ an, wurde aber natürlich nach ein paar Takten unterbrochen.