Cosima Wagner ist 1837 als zweite Tochter Franz Liszts und der ihm befreundeten Gräfin Marie d’Agoult am Comer See geboren. Nachdem Liszt seine Beziehungen zur Mutter gelöst hatte, wurde Cosima mit ihren zwei Geschwistern in Paris erzogen, wo der um 24 Jahre ältere Richard Wagner ihr zum erstenmal begegnete. Aus dem späteren Aufenthalte im Berliner Hause der Frau von Bülow ergab sich die Freundschaft mit deren Sohn Hans v. Bülow, dem berühmten Dirigenten, die 1857 zur Ehe führte.
Eine moderne Liebesgeschichte
Die Vorgänge, die dann im Laufe dieser sich immer unglücklicher gestaltenden Ehe dazu führten, daß Cosima von Bülow ihren Gatten verließ und zur Gefährtin seines Freundes, des gleichfalls in einer ersten unglücklichen Ehe lebenden, auch geistig vereinsamten Richard Wagner wurde, sind gerade in den letzten Jahren mehr und mehr geklärt, menschlich wie geistesgeschichtlich als Schicksal erkannt worden.
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1870 wurde die freie Gemeinschaft dieser zwei großen Menschen in die Form der Ehe überführt. In dasselbe Jahr fällt die Geburt des Sohnes Siegfried, der Wagner in seinem „Siegfriedidyll“ ein bleibendes künstlerisches Denkmal gesetzt hat. Es folgen die Jahre gemeinsamen Ringens um das Werk Wagners, die mit der Gründung Bayreuths ihren großartigen Abschluss fanden. Als Wagner 1883 in den Armen Cosimas lächelnd verschieden war, nahm die Tiefgebeugte mit bewundernswerter Energie die geistige und künstlerische Verwaltung des Bayreuther Erbes in die Hand und hat aus Bayreuth erst recht das gemacht, was es dann Jahrzehnte lang geworden ist.
Die Herrscherin von Bayreuth
Auch nachdem Siegfried Wagner 1906 die offizielle Leitung der Festspiele übernommen hatte, ist die organisatorische und geistige Kraft Cosimas, die ihre beste menschliche Wirkung aus einer universalen Geistesbildung und gesellschaftlichen Kultur zog, noch lange spürbar geblieben. In der Oeffentlichkeit ist die Stimme der Herrscherin von Bayreuth – einer Herrscherin, der auch die Versuchung der Thyrannis nicht fremd war – zuletzt beim Streit um die Freigabe des „Parsifal“ vernehmbar geworden.
Cosima Wagner wird jetzt an der Seite ihres Gatten, den sie um 47 Jahre überlebt hat, im Garten der Villa Wahnfried beigesetzt werden. Die neuere Geistes- und Kunstgeschichte kennt kaum ein anderes Beispiel restloser Erfüllung genialisch zusammenklingender Charaktere und ihres Willens zu breitester kultureller Wirkung. Wagner selbst hat mit Bezug auf den Durchbruch seines schöpferischen Willens und seiner kunstorganisatorischen Idee von Cosima gesagt: „Mit ihr kann ich erreichen, was ich ohne sie nicht kann.“ Dieses Wort hat in Bezug auf Cosimas Wirken nach seinem Tode potenzierte Geltung gewonnen.

