Ausland

Spion in Ukraine aufgeflogen: Die ganze Zeit über arbeitete er für Russland

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Aufnahmen des ukrainischen Geheimdiensts zeigen die Festnahme des SBU-Generals und russischen Spions Walerij Schajtanow.

Auch in Zeiten des Coronavirus arbeiten die Geheimdienste weiter. In der Ukraine ist dem dortigen Dienst SBU ein großer Coup gelungen, der für Kiew jedoch auch Unangenehmes enthüllt: In seinen eigenen Reihen, noch dazu in seiner Elitetruppe Alpha, soll ein Mann im Generalsrang jahrelang für den faktischen Kriegsgegner Russland gearbeitet haben. Genauer gesagt für den russischen Geheimdienst FSB.

Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte jüngst einen mit Musik unterlegten kurzen Film, der den Ablauf der Operation darstellen soll. Aufnahmen aus Überwachungsvideos zeigen den SBU-General Walerij Schajtanow und den Russen Igor Jegorow. Im Hintergrund ist einmal ein Textilgeschäft in Hamburg zu sehen, und auch in Frankreich und Kroatien soll es zu konspirativen Treffen gekommen sein. Jegorow ist laut den Ukrainern Oberst des russischen FSB, und er soll es gewesen sein, der Schajtanow schon vor 2014 angeworben und seitdem als Führungsoffizier angeleitet haben soll.

„Ein Erfolg von historischem Rang“

Weitere Szenen im Video zeigen die Festnahme Schajtanows in dieser Woche in Kiew: Maskierte junge Männer in Zivil halten den General am Boden fest, legen ihm Handschellen und – wegen des Coronavirus – eine Gesichtsmaske an. Schajtanow blutet am Kopf- die Festnahme erfolgte offenbar gewaltsam. Ein Erfolg von historischem Rang, heißt es in dem Film. Gegen Ende leuchtet ein lateinisches Motto auf: „Aquila non captat muscas“, „Ein Adler fängt keine Fliegen.“

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Sollte sich der Verdacht erhärten, war es kein kleiner Fisch, der den Ukrainern hier ins Netz gegangen ist. Seit 2014 hat Schajtanow laut SBU „im Auftrag der Geheimdienste Russlands Terrorakte auf dem Gebiet der Ukraine geplant“. Dafür habe ihm der Vertreter des FSB eine Belohnung in Höhe von 200.000 Dollar und einen russischen Pass versprochen. Als Ausführenden habe General Schajtanow dann wiederum einen ehemaligen Angehörigen der Spezialkräfte der Ukraine angeworben, der hier nur mit „N.“ gekennzeichnet wird.

Konkret bringen die Ermittler die beiden mit Anschlagsplänen gegen Adam Osmajew in Verbindung, einen Veteranen der Tschetschenienkriege in Russland, der 2014 auch in der Ostukraine wieder gegen russische und prorussische Kämpfer in den Kampf zog. 2017 war Osmajew in der Nähe von Kiew während einer Autofahrt beschossen worden- der Fall sorgte für Aufsehen, er selbst wurde damals verletzt, seine Frau kam ums Leben. Ende 2019 dann soll Osmajew ins Visier der beiden nun überführten Verdächtigen gerückt sein.

Anklage lautet auf Hochverrat und Terrorakte

Diesen Vorwurf sehen die Ermittler durch im Film zu hörende Gesprächsmitschnitte aus Frankreich belegt. Darin sagt die Stimme, die N. zugeordnet wird: „Ich will genau verstehen, was konkret zu tun ist.“ Der russische Oberst antwortet: „Ihn in die ewigen Jagdgründe schicken.“ Darauf N.: „Liquidieren?“ Der Oberst: „Warte mal, nein, dieses Wort werden wir nicht verwenden.“

Außerdem wird Schajtanow verdächtigt, Informationen über Operationen im Kriegsgebiet in der Ostukraine und wichtige Interna des SBU an Russland weitergegeben zu haben. Solche Informationen hätten es der Gegenseite unter anderem erleichtert, ukrainische Soldaten als Gefangene zu nehmen. Auf die für Schajtanow erwarteten Anklagepunkte Hochverrat und Terrorakte stehen langjährige Haftstrafen.

Schajtanow, 1963 in Russland geboren, soll dort eine Armeehochschule absolviert haben. Seit wann er in der Ukraine lebte, ist unklar- jedenfalls soll er Anfang 2014 als Oberst der Alpha-Truppe angeheuert haben, damals unter dem russlandfreundlichen Präsidenten Viktor Janukowitsch. Er soll damals eine Einheit befehligt haben, die an den Angriffen auf die proeuropäischen Demonstranten auf dem Kiewer Majdan beteiligt war. Damals kamen viele Menschen ums Leben. Als Janukowitsch nach Russland floh und so den Machtwechsel ermöglichte, soll fast ein Drittel der gesamten Alpha-Truppe den Dienst quittiert habe.